Per GPS den Dieben auf der Spur

Forstwirtschaftsmeister Heiko Jaehn hat ein „Versteck“ für den Sender in einen Stamm geschnitten.
 
Forstamtsleiter Dr. Dieter Holodynski präsentiert einen einbaubereiten Sender.

Niedersächsische Landesforsten demonstrieren neues Verfahren zur Überwachung von Holzstämmen

Etwa so groß wie zwei Streichholzschachteln ist das Gerät, das den Niedersächsischen Landesforsten helfen soll, Holzdieben auf die Schliche zu kommen. Ein kleiner GPS-Sender, wohl verpackt in einer witterungsfesten Plastikhülle, wird in einem Holzstamm eines Holzstapels, genannt Polter, versteckt.

Bewegung aktiviert den Sender. Wird also nun das Holz mit dem versteckten GPS-Sender abtransportiert, bekommen Förster und Forstamt umgehend Nachricht.
Diesen „Forst-Tracker“ stellten die Landesforsten nun im Forstamt Riefensbeek vor. Ulrich Reulecke, Revierförster der Försterei Rehhagen, hat das Gerät bereits „über zwei Monate getestet“, sagt er, und „es hat alles gut funktioniert.“ Auch wenn Diebe keinen der mit einem Sender markierten Polter versuchten sich unter den Nagel zu reißen, reguläre Abfuhren werden ebenfalls auf diese Art kontrolliert.
„Der Holzdiebstahl ist ein echtes Problem geworden“, sagt Dr. Dieter Holodynski, Forstamtsleiter Riefensbeek, der seit 33 Jahren in diesem Forstamt tätig ist. „In den letzten drei Jahren hat der Diebstahl enorm zugenommen“, sagt er. Meist würden die Diebe zufällig und sporadisch zuschlagen. Mit einem Lkw sind sie schnell an die aufgeschichteten Polter herangefahren, haben das Holz ruckzuck aufgeladen und sind schon wieder weg. „Sind sie erst einmal wieder auf der Straße, haben sie es eigentlich schon geschafft“, so Holodynski.
Dass die Täter Insider-Kenntnisse haben, wissen, wo gut erreichbares Holz liegt, davon gehen die Landesforsten aus. Als Beispiel führt Pressesprecher Michael Rudolph einen Fall im Solling an. Da wurden frischgeschlagene Eichen noch am selben Abend von Dieben entwendet. Insgesamt 1700 Festmeter, die etwa einem Wert von 170.000 Euro entsprechen, „wurden in den letzten drei Jahren in Harz und Solling gestohlen“, sagt Holodynski.
Dabei ist der Forst-Tracker keine eigene Erfindung der Niedersächsischen Landesforsten. In Hessen, wo vorwiegend Buchen-Industrie-Holz geerntet wird, wurde das System entwickelt und man hat dort seit einigen Jahren Erfahrungen gesammelt. Dabei geht es nicht allein darum, den Diebstahl zu verhindern, sondern mittels des Trackers die Holzfuhre bis zum Ausliefern zu verfolgen, denn „den Hehler wollen wir ja auch haben“, sagt Holodynski. In Hessen ist sogar ein großer Schlag gelungen, der nicht nur Dieb und Hehler, sondern auch den Endabnehmer überführte.
An einem Polter Holz unweit der Sösetalsperre demonstrierte Forstwirtschaftsmeister Heiko Jaehn am Donnerstag eine Variante, wie der Forst-Tracker versteckt wird. „Das ist nur eine Methode“, sagt er, nachdem er einen Keil aus dem Stamm geschnitten hat. In die Höhlung steckt er den Tracker, der Keil wird gekürzt und wieder vorgesetzt. „Wie wir die Geräte noch einbauen können und vor allem, wie wir die Stämme, in denen die Geräte sind, wieder erkennen, verraten wir natürlich nicht“, sagt er. Denn die Tracker kosten knapp 500 Euro, deutlich zu viel, um sie mit in den Sägewerken zu zerschreddern. „Wenn die Fuhre ordnungsgemäß den Endkunden erreicht, rufen wir dort an und geben Bescheid, dass wir den Tracker abholen kommen“, sagt Holodynski.
Vorrangig setzt die Forst darauf, dass die Tracker abschrecken. Sollte doch jemand Holz stehlen und durch den Tracker entlarvt werden, „ist das eine Straftat“, wie Michael Rudolph sagt. Und die Strafe darauf dürfte heute anders lauten als vor gut 130 Jahren. Holodynski hatte nämlich eine alte Forstbroschüre entdeckt. „Wer Holzdiebstahl mit einem Fuhrwerk begeht“, stand da geschrieben, „muss zur Strafe den zehnfachen Wert des Holzes bezahlen.“