Phantom der Oper ist ein Highlight der Spielzeit

Beim Maskenball entführt das verkleidete Phantom (rote Feder am Hut) Christine in seine Katakomben. (Foto: Kluge)

Weltstar Deborah Sasson verzaubert als „Christine“ das Publikum

Einmal mehr stellte die Stadthalle in Osterode die Bühne für eine großartige Vorstellung. Denn mit dem „Phantom der Oper“ wurde nicht nur eines der populärsten Musicals präsentiert, sondern mit Deborah Sasson als „Christine“ gab ein weltbekannter Künstler seine Visitenkarte ab.

Von Camillo Kluge

Osterode. Lediglich etwa 250 Zuschauer wollten sich diese Veranstaltung, die sicher zu den herausragendsten in dieser Spielzeit gehört, nicht entgehen lassen. Ob es an den etwas höheren Preisen als üblich oder am unglücklichen Termin Montagabend lag? Doch wurden die Anwesenden nicht nur mit einem tollen Musical belohnt, sondern durften das auch noch mit der Musik eines live spielenden Orchesters genießen.
Dabei wurde nicht die allseits bekannte Version nach Sir Andrew Lloyd Webber gespielt, sondern eine Neuinszenierung, die sich wesentlich enger am Buch von Gaston Alfred Louis Leroux orientierte. So waren neue Lieder und Melodien extra für diese Version geschrieben worden. Die hinlänglich bekannte Geschichte an sich blieb im Tenor erhalten. Für das Tournee taugliche, großartige Bühnenbild zeichneten die bewährten Kräfte des Bonner Theaters verantwortlich. Viel wurde mit Lichtprojektionen gearbeitet, die schwere Kulissen ersetzten. Doch Mausoleum oder auch die gewaltige Orgel standen genauso auf der Bühne wie die alles in allem sehenswerten Darsteller.
Neben Sasson, die in den sehr opernähnlichen Stücken des Duos Gerd Köthe/Roland Heck ihre klassische Stimme bestens zur Geltung brachte, war es vor allem „Phantom“ Axel Olzinger, der gesanglich beeindruckte. Zudem zeigte Olzinger die für diese Rolle unentbehrliche starke Bühnenpräsenz und auch das Zusammenspiel mit Sasson wirkte sehr harmonisch. Stimmlich überzeugte auch Guido Weber in der Rolle des Persers Adel. Sicher eine Geschmacksfrage ist der Klang von Jochen Sautter in der Rolle des Raoul. Er wirkt in seinen Gesangsnummern stets etwas nasal. Nichts zu streiten hingegen gibt es über seine Leistung als Regisseur und Choreograph dieser Inszenierung. Die Geschichte war flüssig erzählt, es gab einige schöne moderne Tanznummern des Ensembles. Gerade das „Auf geht’s“, mit dem sich das Ensemble auf die Jagd nach dem Phantom begab, zählte zu den modernen und frischen Höhepunkten des Abends. Und dass die Zugaben sogar noch perfekt in die Handlung des Stücks integriert waren, zeugt von der Liebe zum Detail seitens der Verantwortlichen.
Sucht man einen Makel an der Veranstaltung, könnte man auf ein, zwei etwas unplatzierte Gags verweisen. Auch wurde die Leistung der Nebelmaschine arg strapaziert. Doch alles in allem war das „Phantom der Oper“ auch in dieser Version eine großartige Veranstaltung mit starkem Ensemble und immerhin einem weltbekannten Künstler auf der kleinen Bühne in Osterode.