Produktnamen sind keine Einkaufshilfe

Die Kennzeichnung von Lebensmitteln ist unzureichend.

Verkehrsbezeichnungen sind laut Studie der Verbraucherzentralen schwer zu finden

Osterode (bo). Die mit viel Phantasie von Herstellern gewählten Produktnamen sind häufig keine geeignete Einkaufshilfe. Verpackte Lebensmittel müssen deshalb eine beschreibende sogenannte Verkehrsbezeichnung tragen. Bei einer bundesweiten Marktprüfung fanden die Verbraucherzentralen 119 Produkte, deren Verkehrsbezeichnungen schwer zu finden, schlecht lesbar, beschönigend oder nicht eindeutig waren. Deshalb fordern die Verbraucherzentralen von Herstellern und Gesetzgeber Nachbesserung.
Im Rahmen einer bundesweiten Marktuntersuchung der Verbraucherzentralen wurden 119 verpackte Lebensmittel mit Defiziten bei der Verkehrsbezeichnung gekauft und genauer geprüft. Bei rund zwei Dritteln davon war die Verkehrsbezeichnung nicht auf der Vorderseite aufgedruckt und erst nach intensiver Suche auffindbar, zum Beispiel in einem Falz oder zwischen zu vielen Sprachen. Außerdem beanstanden die Verbraucherzentralen bei 27 Prozent der Produkte zu kleine Schriften, fehlende optische Hervorhebung bei ebenfalls 27 Prozent und schlechte Kontraste bei acht Prozent. „Der gesetzlich definierte Zweck der Verkehrsbezeichnung als verlässliche Produktinformation steht für viele Hersteller ganz offensichtlich nicht im Vordergrund“, kritisiert Hedi Grunewald, Lebensmittelexpertin bei der Verbraucherzentrale. Denn bei 44 Prozent der verpackten Lebensmittel versprachen die Verkehrsbezeichnungen mehr als sie hielten. So verriet erst die Zutatenliste von „Nudeln mit Blattspinat“, dass der angepriesene Spinat gerade einmal ein Prozent der Zutaten ausmachte. 29 Prozent der geprüften Produkte trugen Verkehrsbezeichnungen, die nicht aussagekräftig oder eindeutig waren, beispielsweise Country-Kartoffeln oder flüssige Süßware. Bei 14 Prozent der untersuchten Produkte wurden die rechtlichen Vorgaben nicht eingehalten: So trugen sechs Produkte gar keine bzw. keine deutsche Verkehrsbezeichnung. Elfmal war die Verkehrsbezeichnung nicht in der Nähe von Mindesthaltbarkeitsdatum und Füllmengen aufgedruckt. Damit die Verkehrsbezeichnung für Verbraucher tatsächlich eine Einkaufs-hilfe sein kann, müssen Gesetzgeber und Hersteller dringend nachbessern. Die Verkehrsbezeichnung gehört prominent auf die Vorderseite der Verpackung. Durch größere Schrift und kontrastreiche Darstellung muss sie gut lesbar sein und die tatsächliche Produktzusammensetzung widerspiegeln. Aromatisierte Produkte sollten den Aufdruck „mit Aroma“ oder „aromatisiert“ tragen. Die ausführlichen Untersuchungsergebnisse und eine Übersicht ausgewählter Produkte können heruntergeladen werden unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/verkehrsbezeichnung.