Schwerpunkt auf Nachwuchsarbeit legen

1. Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Frank Regelin.

Gespräch mit dem 1. Vorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes Osterode

Der Seesener „Beobacher“ bat Frank Regelin nicht in seiner Hauptfunktion als Kreisbrandmeister des Landkreises Osterode zum Gespräch, sondern als 1. Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, welcher zurzeit 2209 Mitglieder zählt und der Dachverband aller Feuerwehren im Kreis Osterode ist. Der Kreisfeuerwehrverband ist nicht nur der Interessenvertreter aller Freiwilligen Feuerwehren mit seinen zugehörigen Abteilungen, sondern auch der Werkfeuerwehren im Landkreis.

„Auch wenn die Feuerwehren des Kreises Osterode im Jahre 2012 wieder viel bewegt haben, dürfen wir es uns nicht im Ruhesessel bequem machen“, so Regelin zu Beginn des sehr informativen Gespräches. „Vielmehr werden wir auch weiterhin darum bemüht sein, den an uns gestellten Anforderungen gerecht zu werden“. Dabei gelte es insbesondere der Mitgliederwerbung und Nachwuchsförderung künftig den höchsten Stellenwert in den Städten und Gemeinden des Landkreises einzuräumen und die bereits erarbeiteten Konzepte schnellstmöglich umzusetzen. Denn das Ehrenamt jeder einzelnen Ortsfeuerwehr müsse sowohl gestärkt, als auch verbessert werden. „Nur so kann es uns gelingen, sie langfristig zu erhalten“.
Trotzdem dürfe weiterhin nicht vergessen werden, dass sich die Feuerwehren freiwillig und unentgeltlich für Aufgaben einsetzen, welche die Kommunen aufgrund des Brandschutzgesetzes als Pflichtaufgabe zu erledigen hätte und hierfür normaler Weise hauptamtliches Personal einstellen müsste.
Die Aktionen des zurückliegenden Jahres Revue passieren lassend erinnerte er daran, dass das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder bedeute, dass sie mit einer hohen Eigenmotivation an die gestellten Aufgaben herangegangen sind und dies auch weiterhin tun werden. Irgendwann bestehe allerdings die Gefahr, dass eben diese überaus wichtige Triebkraft verloren gehe. Daher müsse ein großes Augenmerk sowohl auf die Gewinnung von neuem, jungem Nachwuchs, aber auch auf die vorhandenen, hochqualifizierten Einsatzkräfte gerichtet werden.
Denn bereits heute bewiesen Statistiken, dass proportional zu dem landesweiten Bevölkerungsrückgang die Feuerwehreinsätze anstiegen. „Hinzu kommt, dass der Sparstrumpf immer enger geschnürt wird“. Und genau das dürfe so nicht weitergehen. Mittlerweile müssten sich die Feuerwehren ständig Gedanken machen und sollen Konzepte erarbeiten, wie es den Verwaltungen besser geht. „Vielmehr sind Städte und Gemeinden als Träger der Wehren gefordert, sich der Frage zu unterwerfen, was sie für ihre Feuerwehren tun können und keinesfalls umgekehrt“, so Regelin weiter.
Es müsse auch ein deutlicher Schwerpunkt auf die Nachwuchsarbeit gelegt werden. Denn die Mitglieder der Wehren müssen aus den Jugendabteilungen kommen, weil nur ein solider Unterbau mit jungen Brandschützern für die Zukunftsfähigkeit der Feuerwehren stehen könne.
Der Verbandsvorsitzende ließ aber auch die mögliche Kreisfusion mit Göttingen nicht unerwähnt. Gesprächsschwerpunkte für die Feuerwehren der Landkreise seien der Erhalt der Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle und der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Landkreises sowie die Beibehaltung einer zentralen Ausbildung der Feuerwehren vor Ort. Letztendlich müsse auch nach einer Kreisfusion weiterhin der hohe Standort des Feuerwehrwesens im jetzigen Kreisgebiet Osterode zum Wohle der Bevölkerung sichergestellt sein.
In dem Zusammenhang ließ Regelin auch das Geschehen am 16. Februar nicht unerwähnt: Nachdem sich für die Feuerwehren des Landkreises eine nicht zufriedenstellende Entwicklung der Fusionsgespräche abgezeichnet hatte, gingen die Feuerwehren des gesamten Landkreises an dem besagten Tag auf die Straße, um auf die Problematiken, die das Feuerwehrwesen und damit die Sicherheit der Kreiseinwohner betrifft, aufmerksam zu machen. „Diese Aktion bedeutete allerdings nicht, dass die Feuerwehren sich gegen eine Kreisfusion wehren. Sie wollen sich aber nicht in eine politische Ecke drängen lassen“. Denn letztendlich seien die Feuerwehren des Landkreises gut aufgestellt und dürften auf gar keinen Fall das sogenannte fünfte Rad am Wagen werden.
Abschließend kam Frank Regelin aber auch auf ein ganz besonderes Problem zu sprechen, welches glücklicherweise jetzt durch ein Gespräch mit dem Ersten Kreisrat, Gero Geißlreiter ein wenig entschärft werden konnte: Auch wenn jede einzelne Wehr in ihrer Ortschaft gewissermaßen ein Kulturträger und oftmals einziger Veranstalter für die örtliche Gemeinschaft sei, hätten seit einigen Jahren für Veranstaltungen – soweit sie beispielsweise im oder am Feuerwehrhaus stattfinden – Bauanträge eingereicht werden müssen, da nach Gesetzeslage eine Nutzungsänderung gegeben sei. Und genau dieser geforderte Antrag habe den Feuerwehren viel Geld gekostet.
Der Vorsitzende des Feuerwehrverbandes betonte, dass er nach dem ersten klärenden Gespräch die Hoffnung habe, dass sich auch im Bereich „kostenpflichtiger Bauantrag“ die Wogen glätten könnten. Hier sind in erster Linie auch die politischen Gremien des Landkreises weiterhin gefordert.