Vertrag besiegelt intensivere Zusammenarbeit

Dr. Peter Nordhoff und Polizeidirektor Hans Walter Rusteberg mit dem Kooperationsvertrag.

Polizei und Beratungsstelle für Täter in Fällen Häuslicher Gewalt arbeiten Hand in Hand

In der letzten Woche haben der Leiter der Polizeiinspektion Northeim/Osterode, Polizeidirektor Hans Walter Rusteberg und Dr. Peter Nordhoff vom Verein WoGe (Wege ohne Gewalt e.V.) einen Kooperationsvertrag zur Übermittlung von Täterdaten in Fällen Häuslicher Gewalt unterzeichnet. Dies stellt einen neuen, zukunftsweisenden Schritt in der Umsetzung eines konsequenten Opferschutzes für den Bereich Häusliche Gewalt/Beziehungsgewalt in der Region Südniedersachsen dar.
Zirka 400 Gewaltvorfälle in Paarbeziehungen werden in der Polizeiinspektion Northeim/Osterode im Jahr aktenkundig. Die Übermittlung der Opferdaten an die Beratungs- und Interventionsstellen gegen Häusliche Gewalt (BISS) erfolgt bereits seit etwa sieben Jahren standardisiert, um den Opfern schnelle Hilfe und Beratung zukommen zu lassen.
Mit der Täterdatenübermittlung nach Einzelfallprüfung seitens der Polizei ist jetzt auch möglich, den Täter zeitnah nach einem Gewaltvorfall direkt anzusprechen. Das oberste Ziel der „Proaktiven TäterIntervention“ ist die zügige, täterorientierte Deeskalation und In-Verantwortungnahme. Je schneller der Täter in die Lage versetzt wird alle Maßnahmen zum Schutz der Betroffenen (in der Regel Frauen und Kinder) zu akzeptieren, desto nachhaltiger können die Maßnahmen des Opferschutzes überhaupt greifen. WoGe arbeitet seit etwa sechs Jahren mit Tätern Häuslicher Gewalt. In gewaltzentrierten, konfrontativen Beratungen und Trainingskursen lernen die Täter, wie sie sich zukünftig auch in Konfliktsituationen konstruktiv und gewaltfrei verhalten können. Grundsätzlich können sich alle, die in der Vergangenheit gewalttätig gehandelt haben oder befürchten es in Zukunft zu tun, bei WoGe melden. Die Kurse finden derzeit in Göttingen und Northeim statt. Kennzeichnend für die Täterarbeit von WoGe ist, unter strenger Wahrung des Datenschutzes, die enge Vernetzung mit Opferschutzorganisationen, mit den Jugendämtern aber auch über die Polizei hinaus mit Staatsanwaltschaft und Gerichten. Trotz steigender Fallzahlen steht eine Vollfinanzierung der Täterarbeit seitens der Kommunen und Länder noch aus, so dass WoGe sich größtenteils aus Spenden und Förderungen finanzieren muss.