Vier Schwestern sagen „ade“

Schwester Anne Dörhöfer, Schwester Adele Zahn, Schwester Daniela Meier und Schwester Pru Jobst (von links) sagten gestern in Osterode „ade“. (Foto: Bordfeld)

Nach 19 Jahren in der St. Johannisgemeinde verabschiedet

Vor 19 Jahren funktionierten sie auf Initiative von Pfarrer Wolfgang Müldner das ehemalige Pfarrhaus der St.-Martinus-Kirche an der Bergstraße in eine Wohngemeinschaft der Schwestern um. Am gestrigen Sonntag wurden sie in dem katholischen Gotteshaus bei einer liturgischen Feier von Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger verabschiedet. Die Rede ist von den Schwestern Adele Zahn, Anne Dörhöfer, Daniela Meier und Pru Jobst, die sich ab 1994 für das seelische Wohl vieler Menschen eingesetzt haben, und jetzt ihren Ruhestand in dem im bayrischen Wald gelegenen Kloster Strahlfeld der Missionsdominikanerinnen von Heiligen Herzen Jesu nicht dazu nutzen werden, die Hände in den Schoß zu legen.

Schwester Daniela führte es zu einer Testphase nach England

Schwester Daniela Meier erblickte das Licht der Welt in der Nähe von Zürich. Die Schweizerin ließ sich in Hauswirtschaft ausbilden und legte in diesem beruflichen Bereich auch die Meisterprüfung ab. Schon lange hatte die Katholikin überlegt, Schwester zu werden, was sie dann nach England zu einer Testphase führte, ob sie sich als Schwester eignet oder nicht. Bereits sechs Monate später, 1958 stand für sie fest, dass sie nach Simbabwe, dem ehemaligen Südrhodesien, gehen wollte, und dies auch tat.
In Salisbury, dem heutigen Harare, trat sie die Arbeit als Internatsleiterin, und nach zusätzlichem Studium, als Grundschullehrerin an, um in allen Fächern zu unterrichten. 1988 wurde sie gefragt, ob sie nach Deutschland gehen wollte, um dort die Internatsleitung von der Privaten Berufsfachschule für Hauswirtschaft und einige Fächer im Schulbetrieb zu übernehmen. Also, nach 30 Jahren hat sie das Simbabwe-Buch zugeschlagen und ist nach Europa zurückgekehrt, zwar freiwillig, aber mit schwerem Herzen. Als dieses Ausbildungszentrum wegen Mangel an Schülerinnen sechs Jahre später die Türen schloss, winkte eine neue Aufgabe. Sie vernahm, dass von ihrer Kongregation in der Diözese Hildesheim ein neues Projekt gestartet werden sollte. Für sie stand fest, dass sie dabei sein wollte.
In der Kreisstadt angekommen stellte sie sich sofort ihrer neuen Aufgabe und besuchte in Osterode und seinen Ortschaften sowie in der Gemeinde Bad Grund Familien und Seniorenheime, um die Ohren nicht bloß für große und kleine Sorgen, sondern auch für Freuden zu öffnen.
Viel Zeit steckte sie in die Öffentlichkeitsarbeit für die Kongregation im Kreis Osterode und darüber hinaus, um auf die Nöte der Menschen in den Missionsgebieten aufmerksam zu machen. Ebenso streckte sie ihre Hände zur evangelischen Kirche aus und ist so beispielsweise zu einem festen Bestandteil der bereits traditionellen Pilgerwege der Gemeinde Bad Grund geworden. Ob sie aber 2015 als Rentnerin den Weg noch einmal antreten wird, weiß sie nicht. Vielmehr möchte sie in ihrem neuen Zuhause, im Caritas Altenheim, Roding, der Oberin und den älteren Mitschwestern zur Seite stehen. Sie freut sich auf die Zeit in der sie ihre Hobbies, wie Wandern und Fotografieren, intensiver pflegen kann.

Schwester Anne wollte zunächst Erzieherin werden

Schwester Annes Heimatstadt ist Aschaffenburg. Nach der Schulzeit und einer kaufmännischen Lehre reifte der Wunsch als Erzieherin tätig zu sein. Nach der Ausbildung und einer kurzen Zeit im Beruf entschloss sie sich bei den Missionsdominikanerinnen in Strahlfeld einzutreten. Von dort ging es weiter nach Simbabwe, wo sie an verschiedenen Orten in der Schule als Lehrerin tätig war. Eine bereichernde Zeit erlebte sie in Süd Afrika mit einem Studium in Theologie und Erwachsenenbildung. Nach dieser Zeit wurde ihr Wunsch erfüllt, in einer Gemeinde zu arbeiten.
Nach 20 Jahren in Simbabwe ergab sich die Gelegenheit, in London als Gemeindereferentin den Menschen nahe zu sein und diese in den verschiedenen Lebenslagen zu begleiten. Nach einer persönlichen Anfrage entschloss sich Schwester Anne zum Neubeginn in Osterode. Hier erlebte sie eine erfüllte Zeit mit vielen Begegnungen, sei es im Krankenhaus in Herzberg als Seelsorgerin, in der Hospizarbeit, in der Gemeinde bei Hausbesuchen oder in Gesprächen und Begleitungen.
Jetzt wird sie sich zum Kloster Strahlfeld auf den Weg machen und sie ist sicher, dort auf Aufgaben zu stoßen, denen sie sich gerne stellen wird. Vielleicht ist da auch ein Gärtchen, das sich nach einer pflegenden grünen Hand sehnt.

Schwester Adele fand schnell Kontakt zu den Menschen

Schwester Adele wurde am Bodensee geboren, wo sie erst einmal den Beruf der Schneiderin erlernte. Ihren Traumberuf der Krankenschwester konnte sie aus vielen Gründen nicht antreten. Auch der spätere Traum von Afrika veränderte sich dahin, dass sie erst als Erzieherin, später als Heilpädagogin im Kinderdorf „Die Gute Hand“ – nahe bei Köln gelegen – mit verhaltensauffälligen Kindern arbeitete.
Nach 25 Jahren dachte sie, dort als ehrenamtliche „Oma“ weiter zu bleiben. Doch nun kam die Anfrage für Osterode. Zuerst dachte sie, wie sie sich mit ihrem Beruf dort einbringen könnte. Schnell fand sie Kontakt zu den Menschen und versuchte dort „Da zu sein“ wo Hilfe nötig war. Ihre Erfahrung mit Bachblüten-Therapie sprach sich ohne Werbung herum und war für viele Hilfe. Auch die Ökumene war ihr ein Herzensanliegen. Sie ist die Zweite im Bunde, die zurück nach Strahlfeld geht. Was sie dort erwartet, lässt sie in aller Ruhe auf sich zukommen, ihre Bachblüten nimmt sie in jedem Falle mit.

Schwester Pru trat Ausbildung im Alter von 18 Jahren an

Schwester Pru ist eine gebürtige Regensburgerin. Sie besuchte die Mittelschule. Durch eine Zeitschrift kam sie in Kontakt mit der Ordensgemeinschaft der Missionsdominikanerinnen in Strahlfeld. Im Alter von 18 Jahren trat sie die Schwesternausbildung an. Danach hieß ihr Ziel Simbabwe, wo sie in Harare, Bulawayo und Gweru in privaten Grundschulen unterrichtete. Ihr Weg zweigte aber auch nach Südafrika zur Erwachsenenausbildung ab, um dann nach Simbabwe zurückzugehen, um junge Erwachsene sowie Frauen und Männer aus den Pfarreien, zu Predigern auszubilden. Sie weilte 36 Jahre auf dem „schwarzen“ Kontinent.
Krankheitshalber nach Deutschland zurückgekehrt, kam auch ihr das besagte Projekt zu Ohren. Daraus sind jetzt 19 Jahre geworden. In der Zeit begab sie sich auf Schusters Rappen in diverse Altenheime und hörte den Bewohnern gerne zu.
Auch sie wird nach Strahlfeld gehen. Dort wird sie sich der Malerei, dem Zeichnen, dem Sticken, und den Scherenschnitten widmen. Langeweile dürfte keine der vier Schwestern bekommen.