Voll besetztes Gotteshaus beim Benefizkonzert

Die Gastredner, die Gastgeber und die Leiter der vier Chöre waren zufrieden mit dem Verlauf des Konzertes und des Empfangs. Pfarrer Gerhard Wagner erzählte aus Alba Julia. (Foto: Bordfeld)

Freundeskreis Rumänienhilfe hatte zu einem von vier Chören gestalteten Konzert eingeladen

Der Freundeskreis Rumänienhilfe (FRO) des Ev.-luth. Kirchenkreises Osterode hatte zu einem von vier Chören gestalteten Benefizkonzert in die St.-Jacobi-Schlosskirche Osterode geladen, welches mit dem traditionellen Jahresempfang gekoppelt war. Das voll besetzte Gotteshaus machte deutlich, wie viel Aufmerksamkeit dieser Einrichtung auch im 22. Jahr des Engagements für die Ärmsten in der siebenbürgischen Region Alba Julia entgegengebracht wird.
Der stellvertretende FRO-Vorsitzende Karsten Dannenberg mahnte in seinem Rückblick an, dass der Vorstand der Rumänienhilfe ein schwieriges Jahr hinter sich habe. Er selbst sei etwas enttäuscht davon, dass einflussreiche Menschen ihre Versprechungen nicht eingehalten hätten. Die Einrichtung am Schlossplatz in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Treff mit dessen umfangreichem Potential zur Eingliederung von Migranten musste geschlossen werden.
Man habe um die Fortführung der Migrationsarbeit – wenigstens im kleinen Rahmen – kämpfen müssen. So habe man mit der Unterstützung des Unternehmens „STArQ für Menschen“ (Selbstbestimmte Teilnahme durch Arbeit und Qualifizierung), dem Job-Center des Landkreises Osterode und den Harz-Weser-Werkstätten die Arbeit der Rumänienhilfe mit Annahmestelle Rollberg 10 in geänderter Form fortgesetzt.
In der Schlesischen Straße 11a sei mit viel Geld und Mühe ein Kinder- und Familienzimmer sowie ein Sprachlabor für Migranten eingerichtet worden. Aber nach nur sechs Monaten sei da schon die erste Kürzung erfolgt. Somit könnten die Integrationstreffen nicht mehr wöchentlich sondern nur noch 14-tägig stattfinden. Auch verdiente Mitarbeiter mit Erfahrung in der Migrationsarbeit hätten nicht weiter beschäftigt werden können. Das sei ein großes Dilemma und ein Armutszeugnis für die Politik.
Er dankte seinen Vorstandskollegen dafür, dass sie trotz des ganzen Hin und Her immer wieder nach vorne geschaut und ihn damit aufgerichtet hätten. Er hoffe, dass 2013 wieder ein Weg gefunden werde, um die Arbeit fortsetzen zu können, und dass die Politik zukünftig zu ihrem versprochenen Wort stehen werde.
Superintendent Volkmar Keil hieß alle im Namen des Kirchenkreises Herzberg und Osterode willkommen und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass im nächsten Jahr die Rumänienhilfe eine Einrichtung des neuen Kirchenkreises Harzer Land sein wird. Er wünschte sich eine gute Gemeinschaft und der Rumänienhilfe weiterhin die Möglichkeit, ihre segensreiche Tätigkeit fortzusetzen.
Schließlich versuche sie in großartiger Weise Unterstützung in Alba Julia zu leisten. Wenn er so nachrechne, seien allein 2012 rund 150 Tonnen Hilfsgüter transportiert worden, was nicht nur eine enorme logistische Leistung sei. Ein wichtiges Element der Lebendigkeit dieser Aktion sei die klare Beziehung der Menschen von hier und von Alba Julia. Denn es werde keine anonyme Hilfe geleistet, die irgendwo in irgendwelchen anonymen Bereichen versandet. „Wir wissen, wo alle diese Hilfsgüter ankommen und wir wissen auch, dass sie gebraucht werden“.
Die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Osterode, Helga Klages, sprach auch im Namen des Schirmherrn Bürgermeister Klaus Becker all denen ein persönliches Dankeschön aus, die sich seit vielen Jahren unermüdlich und selbstlos für das Projekt „Rumänienhilfe“ mit vielen unterschiedlichen Aktionen engagieren. Der Begriff „ehrenamtliches Engagement“ gehe vielen Menschen leicht über die Lippen, sei aber oft nur ein Lippenbekenntnis. Ein Ehrenamt mit Leben und Taten zu erfüllen, hätten sich alle in der Rumänienhilfe zu eigen gemacht. Leider habe sie aber den Eindruck, dass bei höher angesiedelten Entscheidungsträgern ehrenamtliches Engagement schon als selbstverständlich vorausgesetzt werde. Sie wünschte Heinrich Lau und seinen zahlreichen Unterstützern, Helfern, dass er trotz aller bürokratischen Hemmnisse und Verweigerungen sich nicht entmutigen lassen und an dieser so wichtigen Aufgabe weiterarbeiten möge.
Karl-Heinz Hausmann trat als stellvertretender Landrat ans Mikrophon und mahnte an, dass es zwei Arten von Freundschaft gebe: Die eine sei käuflich, die andere dahingegen unbezahlbar. Und letztere beweise der Freundeskreis Rumänienhilfe, der auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken könne. Die Migrationsberatung im Internationalen Treff sei seit 2008 auch über Leistungen des Landkreises finanziert worden. Hier dürfe von einer positiven Zusammenarbeit gesprochen werden. Im Juli des zurückliegenden Jahres sei dieser Treff als Bestandteil in STArQ übergegangen, nachdem eine Förderung dieses Treffs als eigenständiges Projekt durch das Jobcenter des Landkreises aus Budgetgründen nicht mehr möglich gewesen sei. Darüber hinaus seien die kommunalen Mittel des Landkreises aufgestockt, um die weitere Arbeit der Migrationsberatung durch STArQ und die Rumänienhilfe sicherstellen zu können. Allein für diesen Zweck zahle der Landkreis jährlich 35.400 Euro.
Als Letztes ergriff Pfarrer Gerhard Wagner aus Alba Julia das Wort. Er gab zu bedenken, dass Kommunikation der Grundstein der Christengemeinschaft sei, denn man sollte sich bei der Durchführung von Korrekturen in die Augen schauen können.
Die Gemeinschaft Rumänien und Rumänienhilfe liegt im Geben und Nehmen, was sehr gut funktioniert. Deswegen gebe es nicht viel Neues, schon gar nicht Schlechtes über die Diakonia und deren Arbeit zu berichten. So seien Arbeiten an den Häusern, in welchen die Schutzbefohlenen wohnen, renoviert worden. Während das Altenheim voll besetzt sei, wäre das Haus, in dem pflegebedürftige Menschen der älteren Generation wohnen, überbelegt und im Behindertenheim der jungen Menschen gebe es freie Plätze, weil die Politik in Rumänien jetzt staatliche Zuwendungen an Familien mit behinderten Kindern gibt. Und viele Eltern machten davon Gebrauch, womit sie den Kindern den Kontakt zur Außenwelt verbauten.
In Rumänien habe sich in den letzten 22 Jahren im Grunde nichts geändert. Im Prinzip müsste das Leben dort und im gesamten Ostblock wieder neu erlernt werden. Bestechungen werden immer noch groß geschrieben, und Gesetze seien dazu da, sie zu umgehen oder sie zu überschreiten. Der Werteverfall nehme sogar zu und sei dem im Westen weit voraus. So könne man nicht in die Zukunft planen, sondern müsse sich auf das Jetzt konzentrieren. Aus dem Grunde sei man sehr dankbar schon jetzt von zwei weiteren Lkw zu wissen, die bald gen Alba Julia rollen werden.
Den Wortbeiträgen wurde mit großem Interesse gelauscht, den Liedbeiträgen dahingegen mit Begeisterung. Während „Sing along Friends“ aus Dorste zu Beginn unter Leitung von Andrea Illgen-Syré einen musikalischen Blumenstrauß a Capella präsentierte, gelang dieses dem Gemischten Chor Concordia Eisdorf unter Leitung von Hilmar Merkel am Schluss. Aber auch der Jugendchor des Tilman-Riemenschneider-Gymnasiums unter Leitung von Maik Gerlach und der Frauenchor Satz-Art Osterode unter Leitung von Arno Janssen faszinierten die Gäste mit ihren stimmlich astreinen Darbietungen zwischen den Wortbeiträgen. Der Applaus zwischen den einzelnen Liedern und die Beifallskundgebungen am Schluss bewiesen den Künstlerinnen und Künstlern, dass sie die richtigen Töne getroffen hatten.
Abschließend überreichte Pastor Heinrich Lau, der in die Rolle des Moderators geschlüpft war, den Dirigenten ein blumiges Dankeschön und dankte auch allen Förderern und Spendern.