„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans in der VHS“

Die vier Trudes sorgten für mächtige Stimmung.

Saison-Eröffnung der Kreisvolkshochschule Osterode / Die vier Truden ernten kräftigen Beifall

Auch wenn sich der Leiter der Kreisvolkshochschule Osterode sicher war, dass die meisten Gäste der Saison-Eröffnungsfeier nicht wegen ihm oder dem Verwaltungschef Gero Geißlreiter, sondern wegen der vier Hamburger Truden ins Forum gekommen waren, hieß Rüdiger Brakel alle mit einem Zitat von J. F. Kennedy willkommen: „Der Fortschritt unserer Gesellschaft wird nicht größer sein, als der Fortschritt unseres Bildungssystem“.
Bevor er aber dem ersten Kreisrat das Mikrofon überließ, kam er auf die aus seiner Sicht weniger attraktiven Damen aus der Hansestadt zu sprechen. Die vier träumten von Afrika, die KVHS von mindestens 4.000 Hörern in der neuen Saison. Wer noch keine Kurs-Entscheidung getroffen habe, sollte ruhig noch einmal über das Kennedy-Zitat nachdenken, zumal KVHS-Kurse immer eine gute Alternative zur drohenden Winterdepression sein könnten.
Dann ergriff Gero Geißlreiter das Wort – ebenfalls mit einem Zitat: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Dieser Satz, der einst als Mahnung und Warnung dazu gedient habe, Kinder und Jugendliche zum Lernen zu motivieren, sei längst überholt. Denn mittlerweile sei mittels Gehirnforschungen bewiesen worden, dass Erwachsene viel besser Wichtiges von Unwichtigem und Nützliches von Nutzlosem unterscheiden können. Deswegen müsse lauten: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans in der Volkshochschule“. Denn dort spiele das lebenslange Lernen ebenso, wie das Lernen im Alter, das Weiterlernen, sich noch einmal neu orientieren oder einfach mit der Zeit mitgehen können, eine große Rolle.
Einen ganz bedeutenden sozial-integrativen Anteil hätten dabei die zahlreichen Alphabetisierungskurse, die Kursangebote für behinderte Menschen, die Vorbereitungskurse zum nachträglichen Haupt- und Realschulabschluss sowie Wiedereingliederungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose.
Geißlreiter dankte all denen, die mit Rat und Tat oder durch die finanzielle Unterstützung dazu beigetragen haben, dass es gelungen sei, der Bevölkerung im Landkreis Osterode auch in der 41sten Saison ein ansprechendes Weiterbildungsprogramm mit rund 500 Angeboten an Kursen, Kabarettabenden, Konzerten, Lesungen, Vorträgen und Exkursionen bieten zu können.
Dieses breit gefächerte Angebot zeige einmal mehr, dass die KVHS auf der Höhe der Zeit sei und damit sehr nahe an den Bildungswünschen der Landkreisbevölkerung. Ohne diese Dynamik wäre es der KVHS sicherlich nicht so leicht gefallen, in diesem Jahr wieder für vier Jahre das LQW-Qualitäszertifiakt zu erhalten, das ihr bis 2016 einen Landeszuschuss von mehr als einer halben Million Euro sichert. Dafür müsse den haupt- und nebenamtlichen Kräften, denen er wünschte, dass sie gestärkt und neu motiviert an die wichtige, anspruchsvolle und sicherlich auch sehr erfüllende Arbeit gehen mögen, herzlich gedankt werden.
Nach einer kurzen Verschnaufpause, die nur so lange dauerte, bis das Rednerpult von der Bühne geräumt war, übernahmen die vier Truden das Zepter mittels bissiger Wortspielereien sowie heißer Mimik und Gestik. Das Faszinierende dabei war die atemberaubende Technik, mit der sie ihren Trommeln Töne entlockten, die viel zu sagen hatten. Damit öffneten sie auch den Weg in die Traumwelt, die allerdings nicht nur nach Afrika führte, sondern hier und da auch einen frechen Abstecher in den Alltag machte.
Ob sie nun Aerobic mit dem Wischmopp machten, oder sie von einer Kreuzfahrt träumten, welche sie von Osterode über Jamaica und an Mallorca vorbei zurück in die Kreisstadt brachte, es stimmte alles. Zum einen war die Bühne blitzeblank, zum anderen schunkelten die Zuschauer so von Begeisterung getragen mit, dass der eine oder die andere fast seekrank geworden wären. Die vier stellten aber auch Atemübungen vor, mit denen man den Kosmos in sich einfließen lassen konnte, und sie „sinfonierten“ hier und da.
Waren ihre Wortspielereien schon vom Allerfeinsten, so toppten sie diese mittels der Aufführung eines Mozartstückes, welches auf Flaschen und einer Blockflöte geblasen wurde. Sehr erquickend auch der Wettstreit zwischen dem Schlagzeug und eben dieser Blockflöte. Die modisch zeitlos glücklich gekleidete Anke Hundis, die virtuose Blockflötistin Gunhild Wulf, die Frau von Welt, Eva Roßberg, und der frühere Stolz der Heilsarmee, Annette Kayser, sorgten stets für überaus gute Stimmung, gleich in welcher Sprache.