Wege aus der häuslichen Gewalt können gegangen werden

Pastor André Dittmann überreichte Diakonin Cornelia Renders den symbolischen Schlüssel.

Wanderausstellung hatte das Interesse von fast 1900 Besuchern geweckt / Drei Wochen Revue passieren lassen

Pastor André Dittmann hatte bereits im Rahmen einer liturgischen Feier in der St.-Marien-Kirche den übergroßen Schlüssel zur Rosenstraße 76, der Ausstellung zum Thema „Häusliche Gewalt überwinden“ an Diakonin Cornelia Renders, Referentin des Frauenwerkes der ev.-luth. Landeskirche Hannover im Sprengel Hildesheim-Göttingen überreicht. Denn diese Wanderausstellung, welche das Interesse von fast 1900 Besuchern geweckt hatte, wird in diesem Monat, im November, in Hildesheim ihre Türen öffnen.
Jetzt trafen sich aber die Mitglieder des Steuerkreises der „Rosenstraße 76“ im Gemeindezentrum St. Jacobi, um die drei Ausstellungswochen Revue passieren zu lassen und Erkenntnisse zu sammeln: Dirk Schubert und Volker Hahn (Polizeiinspektion Northeim/Osterode), Walter Röhl (Weißer Ring), Astrid Rademacher (Frauen für Frauen), Susanne Mende (Diakonische Werke Herzberg und Osterode), Iris Fahnkow (Evangelischer Kreisjugenddienst Osterode).
Man war sich einig darüber, dass in dem dreiviertel Jahr vor der Ausstellungseröffnung ein gutes Konzept erarbeitet wurde, denn sonst hätten nicht so viele Bürger den Weg in die Kurt-Schröder-Halle der BBS I gefunden. Allein an den drei Wochenendöffnungstagen seien rund 150 Frauen und Männer gekommen. Wenn man das gegen die zuvorige Ausstellung in der Landeshauptstadt hochrechne, stünde Osterode wesentlich besser da, so Pastor André Dittmann. Letztendlich hat Hannover 20 mal mehr Einwohner als die Kreisstadt. Dort seien am Ausstellungsende aber nur 1300 Laufgäste zu verzeichnen gewesen. Bemessen an der Einwohnerzahl habe Osterode also knapp das dreifache an Besucherzahlen aufzuweisen. Dieses kleine Rechenbeispiel zeige doch auf, dass man mit der „Rosenstraße 76“ einen Nerv in der Stadt getroffen habe.
Zu den Gästen zählten übrigens auch über 80 Schulklassen, die von Lehrkräften begleitet wurden, und etwa zehn Erwachsenengruppen aus Kirche und Vereinen. Aber auch viele, die Opfer professionell in Beratungsstellen – wie Frauenhäuser und Opferhilfebüros – begleiten und betreuen, haben die Ausstellung besucht. Außerdem hätten Lehrkräfte und Gemeindliche Diakoniebeauftragte den Besuch als Fortbildung zum Thema „Häusliche Gewalt“ genutzt.
Die bereits vor dem Start der Ausstellung von Bäckereien, welche der Innung angehören, vergebenen 15.000 Bäckertüten, sind alle an die Frau und den Mann gebracht worden. Denn mit Spruch und Rosenstraßen-Logo sowie dem Aufruf „Gewalt kommt bei uns nicht in die Tüte“ wurde nicht nur für den Besuch der Ausstellung geworben haben, sondern auch die Neugier geweckt.
Ein besonderes Augen-, beziehungsweise Ohrenmerk hätten auch die Audioguides erfahren, die in Osterode eine Premiere erlebten. Auf ihnen waren die Texte zu hören, welche von Schauspielern des Jungen Theaters Göttingen eingesprochen und von einheimischen Komponisten vertont wurden.
In jedem Falle habe die Ausstellung bei den Besuchern intensive Auseinandersetzungen hervorgerufen, die inhaltsreiche Gespräche mit sich gebracht hätten. Das gesamte Team habe sehr viel Erfahrungen sammeln und auch bereits umsetzen können, der Spaß sei aber auch nicht zu kurz gekommen, so die Meinung des gesamten Steuerkreises. Man kenne sich jetzt besser, so die einhellige Meinung. Mittlerweile seien beispielsweise Mitarbeiterinnen aus Kindergärten und Kindertagesstätten gekommen, weil sie sich weiterbilden wollten. Und man habe gehört, dass Nachbarn sensibler geworden sein sollen.
Auch nähmen jetzt deutlich mehr Frauen, auch junge Frauen, die Beratung des Vereins Frauen für Frauen in Anspruch, so Astrid Rademacher. Dann ist ein Anfang gemacht: Wege heraus aus der häuslichen Gewalt können jetzt gegangen werden.