Zeit der schlechten Milchpreise vorbei

Hartmut Danne informiert während der Bezirksversammlung des Landvolks Northeim-Osterode.
 
Landvolk-Sprecher Friedhelm Herpich.

Landvolk Northeim-Osterode trifft sich zur Bezirksversammlung / Agrarwirtschaft trägt zur Stabilisation der Wirtschaft bei

„Die Bundesrepublik Deutschland hat bislang ihre Arbeit richtig gemacht, deshalb steht sie nach der Europa- und der Weltwirtschaftskrise sehr gut da”, so Hartmut Danne, der Vorsitzende des Kreisvolk-Bauernverbandes. Der Verband traf sich zu seiner Bezirksversammlung in Katlenburg.

In seinem agrar- und verbandspolitischen Bericht vor Mitgliedern und Gästen aus dem Kreis Osterode kritisierte er aber, dass eine Rüge aus Brüssel nicht zu überhören gewesen war: Deutschland hatte zu viel exportiert und somit stehen im Gegenzug andere Länder besser da.
Erfreulich war, dass das Wirtschaftswachstum, welches im letzten Jahr noch bei 0,4 Prozent lag, nach Prognosen der Wirtschaftsweisen auf 1,6 Prozent steigen soll. Auch der Binnenmarkt darf nicht außer Acht gelassen werden. Denn ein Wachstum ist direkt in der Landwirtschaft zu spüren und die Nachfrage nach landwirtschaftlichen, höher veredelten Produkten steigt somit an.
Nach recht desolaten Jahren bei Veredlungsbetrieben gehe es dort etwas aufwärts. Es herrscht allerdings noch großer Nachholbedarf. Die Futterbaubetriebe mussten leichte Rückgänge in Kauf nehmen. Dahingegen ist die Zeit der schlechten Milchpreise wohl vorerst vorbei.
Kontraproduktiv sind die Überlegungen der Politiker, Agrarexporte zu verbieten. Dieses Vorhaben könne nicht funktionieren, weil dann auch Importe verboten werden müssten. „Wir hätten beispielsweise Milch, Hähnchenfleisch und Schweine im Überfluss, im Gegenzug aber keinen Tee und keinen Kaffee”, so Hartmut Danne.
Des Weiteren darf nicht vergessen werden, dass die Bundesrepublik ein Nettoimporteur von Nahrungsmitteln ist. Die Agrarwirtschaft trägt durch Exporte zur Beruhigung und Stabilität der Wirtschaft bei. Noch vor einigen Jahren wurden Produkte im Wert von 45 Milliarden Euro exportiert. 2014 sollen es bereits Waren im Wert von 66 Milliarden Euro sein.
Diese Bedeutung der Landwirtschaft hatte sich wie ein roter Faden durch Diskussionen und Verträge auf der Grünen Woche in Berlin und auf der weltgrößten Landtechnik-Messe, der Agritechnica in Hannover gezogen.
Es müssen große Anstrengungen unternommen werden, um die Nahrungsmittel auf der Welt gerecht zu verteilen. Momentan leben sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Bereits in wenigen Jahren könnten es neun Milliarden sein. Die Flächen für den Nahrungsmittelanbau werden hingegen immer kleiner. „Wir müssen in Teilen noch intensiver wirtschaften, um mehr Nahrung zu erzeugen und das Verteilungsproblem zu lösen”, so Danne weiter. Immer wieder ist der Vorwurf zu vernehmen, dass der europäische Export die Märkte der armen Länder kaputt macht. Wenn aber die Exporte wegfallen, gibt es noch mehr Hunger auf der Welt.
Das Erreichen von Rechten und deren Sicherheit ist ebenso wichtig, wie die richtige Ausbildung der Landwirte.
Auf die Politik zu sprechen kommend betonte Danne, dass sich die große Koalition nach den Bundestagswahlen eingespielt hat. Der neue Landwirtschaftsminister Friedrich hatte auf der Grünen Woche verkündet, dass für ihn die Landwirtschaft in erster Linie Wirtschaft sei – auch was den Handel und den Wettbewerb angeht. Leider erschweren immer mehr Auflagen und Bürokratie die Arbeit in der Landwirtschaft.
National steht die Novellierung der Düngeverordnung an. In Niedersachsen wird sich der Berufsstand mit dem Thema „Nährstoffströme“ befassen. In den viehstarken Regionen werden erhebliche Überschüsse an Wirtschaftsdüngern produziert, im vieharmen Süden Niedersachsens wird ein Bedarf an Nährstoffen ermittelt. Jeder Betrieb hat für sich zu entscheiden, ob er Wirtschaftsdünger aufnimmt und einsetzt. Die Landesregierung vertritt mittlerweile die Ansicht, dass die Überschüsse in die Zuschussregionen investiert werden könnten.
Anschließend stellte sich Friedhelm Herpich als neuer Steuerberater in der Geschäftsführung der LVBH-Steuerberatungsgesellschaft vor. Er betreut im Wesentlichen die landwirtschaftlichen Mandanten im Verbandsgebiet.
Abschließend hielt der Landesbauernverband einen Vortrag zum Leitbild „Landwirtschaft Niedersachsen“. Der Vortrag machte deutlich, dass sich der Verband beispielsweise für familien-bäuerlich geführte Betriebe stark macht. Von externen Investoren in der Landwirtschaft distanziert er sich hingegen.