Holger Liebig meistert die „Race Around Austria Challenge“

Nach dem Zieleinlauf (von links): Franz Liebig, Burkhard Omland, Holger Liebig, Ines Liebig, Oliver Wüstefeld.

In 22 Stunden und 24 Minuten Abenteuer, Teamgeist, Navigation und Radfahren erlebt

Das Race Around Austria ist eins der härtesten Radrennen Europas – gleichzeitig auch eine Qualifikationsmöglichkeit für das legendäre Race Across America (RAAM), welches auch für den „Hobbyfahrer“ Holger Liebig aus Walkenried das absolute Nonplusultra ist: 4.800 Kilometer und 52.000 Höhenmeter an einem Stück quer durch die USA. Den Beobachter-Lesern ist Holger Liebig bekannt als Serviceleiter im VW- und Skoda-Betrieb der Wentorf & Schenkhut GmbH in Osterode.
Das Rennen in Österreich, bei dem 560 Kilometer und 6.500 Höhenmeter zu bewältigen sind, verlangt Fahrern und Betreuern einiges ab. Das Regelwerk schreibt vor, dass während der Nachtstunden das Begleitfahrzeug (Pace Car) ständig unmittelbar hinter dem Radfahrer zu fahren hat um die Sicherheit der Athleten gewährleisten zu können. Daraus ergibt sich, dass ständig vier Teammitglieder an Bord des Pace Cars sind: Fahrer, Navigator und zwei zusätzliche Betreuer.
Beobachtet man Holger Liebig, wenn er mitten in einem Rennen steckt oder von diesem spricht, ist schnell klar, dass er ein großes Feuer für Ultradistanzrennen in sich trägt. Nach einigen längeren Tages- und 24-Stunden-Rennen versuchte er sich dieses Jahr erstmalig bei der Challenge des Race Around Austria – ein veritabler Einstieg in die Welt der Ultraradsportveranstaltungen. Das Ziel lautete, in weniger als 24 Stunden zu finishen.
„Mein Respekt vor dem RAA ist sehr groß, die vielen Berge des Rennens, das unsichere Wetter, die Belastung insgesamt. In Österreich ist man durch die vielen kleinen Orte, die winkeligen Straßen, das dauernde Navigieren durch Kreuzungen und Kreisverkehre auf einem ganz anderen Konzentrations-Level als auf einer 100 Kilometer langen geraden Strecke. Trotzdem bin ich zuversichtlich, das ganze gut zu überstehen“, so Holger Liebig vor dem Rennen. Jederzeit in Begleitung des Teams über Funk lief das Rennen sogar besser als geplant.
Nach 22 Stunden und 24 Minuten erreichte Holger Liebig die Ziellinie und beschrieb die Zieleinfahrt in St. Georgen als einer der schönsten Momente seines Radfahrer-Lebens. Emotional war diese Tour sehr bewegend, wie Holger Liebig zu berichten weiß: „Die vergangenen 22 Stunden waren wohl das schönste, was ich auf dem Rad erlebt habe. Das ist alles dann möglich, wenn die Motivation stimmt. Und die kam in diesem Moment aus mir selbst, von außen und von meinem Team. Sogar in der Nacht waren Zuschauer vor Ort und jubelten mir zu – und das um Punkt Mitternacht. Dieser Zuspruch war schon irre und beflügelte mich immer wieder! Nach vielen Teilnahmen bei anderen Wettkämpfen war diese Tour etwas total anderes, weil ohne Gegner aber mit viel größeren Hindernissen - inneren Ängsten, Blockaden und Ausreden! In mir sind wohl noch einige Tage, Wochen und vielleicht noch sehr viel länger die Eindrücke unserer Tour sehr präsent. Ich möchte mich auch noch einmal bei meinem großartigen Team bedanken, ohne deren Unterstützung und selbstlosen Einsatz diese Leistung nie möglich wäre.“
Schließlich ging es bei diesem Rennen auch um Freundschaft, Teamgeist und darum, sich seine eigene Bequemlichkeit auszutreiben und an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit heranzuwagen; darum, Teil eines großen Ganzen zu sein, kurz: um einen Road Trip der ganz besonderen Art.