Ostlutters Pilzberater Marcus Golis klärt über Pilzmythen auf

Der geprüfte Pilzberater und Pilzsachverständige Marcus Golis (rechts) stand den Lutteranern Rede und Antwort. Als Anschauungsmaterial hatte er verschiedene Pilzarten mitgebracht. (Foto: Süpke)
 
Die Besucher konnten sich die Pilze genau anschauen. (Foto: Süpke)

Drei informative Tage gab es im Heimatmuseum Lutter / Besucher stellten unterschiedliche Fragen

Der letzte große, kritische Einsatz vom geprüften Pilzberater und Pilzsachverständigen Marcus Golis liegt gut drei Wochen zurück. Ins Krankenhaus nach Salzgitter wurde er gerufen, da sechs Personen unter erheblichem Brechdurchfall litten.  Selbstgesuchte Pilze hatten sie gemeinsam gegessen, sofort wurde der Fachmann verständigt. Schnell stellte Marcus Golis fest, dass die Dreifarbige Korelle in der Pfanne gelandet war. „Der Verzehr ist nicht lebensbedrohlich, doch die Vergiftung löst schnell Verdauungsstörungen aus”, sagt Marcus Golis. Zudem wurden die weiteren Mitglieder der Gruppe, die aus dem Ruhrpott kommen und zu Besuch waren, verständigt, ins Krankenhaus zu gehen.
Solche Fälle sind zum Glück die Ausnahme. Vorsicht ist dennoch geboten, denn laut Golis sind in den Wäldern mehr Pilze giftig als essbar. Auf was die Leute achten müssen, darüber informierte er ausführlich im Heimatmuseum Lutter. Erstmals wurde hier eine dreitägige Veranstaltung rund ums Thema Pilze abgehalten. Das Besondere, der Pilzberater beantwortete Fragen nicht anhand von Bildern sondern hatte gut 60 Arten mitgebracht. Die Besucher durften Fragen stellen, die waren sehr unterschiedlich.
Etwas mit der Stirn runzeln muss Marcus Golis immer, wenn er von solchen Pilzmythen hört, die schon die Großeltern erzählten. Auch sie wurden bei der Veranstaltung wieder geäußert. So lassen sich angeblich giftige Pilze ausmachen, wenn ein Silberlöffel hineingegeben wird, weil dieser dunkel anlaufen würde. Dass gleiche mit einer Zwiebel. Zudem würde Pilze, die von Schnecken oder anderen Tieren angefressen würden, nicht giftig sein. „Alles quatsch”, betont der geprüfte Pilzberater. Die Tiere haben laut Golis einen vollkommen anderen Verdauungstrakt, sie würden das Gift anders aufnehmen, als der Mensch. Solche Geschichten gehören ganz klar ins Reich der Märchen und Mythen, der Wahrheitsgehalt ist gleich Null. Vorsicht ist geboten. 
Marcus Golis kommt es darauf an, aufzuklären. Europaweit gibt es gut 10.000 Pilze, in Niedersachsen sind gut 3.500 Arten beheimatet. Jeden Pilz persönlich kennt auch Marcus Golis nicht. Muss er auch nicht, wie er betont, wichtig ist es, die Arten in zwei Gruppen zu klasssifizieren – essbar oder giftig.
Nicht jeder Pilz, der genießbar ist, muss den Leuten auch schmecken. Bei Äpfeln oder dem Bier ist es ja genauso. Daher hält er die Fragen, ob der Pilz genießbar ist, schwierig zu beantworten. Wie viele er in dieser Hinsicht bekommt, weiß Golis selbst nicht so genau, die zählt er auch nicht. In seine Statistik nimmt er zu aller erst die Fälle auf, wo er den Anrufer bittet, sich an einem Ort zu treffen. Zur Not direkt vorm Krankenhaus, wenn die geschickten Bilder und die Schilderungen zu uneindeutig sind. Zehn solcher Fälle hatte er bisher schon. Zudem zwei sehr kritische, zum einem den bereits erwähnten, zum anderen einen Vergiftungsnotruf aus Hildesheim. Auch hier wurde er ins Krankenhaus gerufen. Gegessen wurde der Gifthäuptling.
Im Jahr 2006 entschied sich Marcus Golis für die Ausbildung zum geprüften Pilzberater, zwei Jahre später hatte er die Prüfung erfolgreich bestanden. Seit 2008 ist der als Fachmann gefragt. Gut 40 Kilometer rund um Lutter ist er im Einsatz, denn seine Kollegen, Pilzberater, gibt es unter anderem auch in Goslar und Hildesheim. Darüber hinaus bildete er sich selber zum Pilzsachverständigen weiter, schließlich dauert die Pilzsaison das ganze Jahr – vom 1. Januar bis zum 31. Dezember.
Viele Tipps gab er dem Lutteraner Publikum mit auf den Weg, darunter das richtige Gefäß zum Pilzesammeln. Geeignet ist ein Körbchen, bei dem viel Luft an die Pilze kommt. Abraten tut Marcus Golis von einer Plastiktüte, für die Pilze ist es hier wie in einem Treibhaus.

Verhalten bei Pilzvergiftungen:

1. Erbrechen auslösen und den Mageninhalt aufbewahren
2. Arzt aufsuchen und hier Mageninhalt, Speisereste und Pilzfragmente mitnehmen
3. Pilzsachvertständigen informieren
4. Ruhe bewahren und Symptome aller Personen, die mit am Tisch saßen, beobachten