Auf Irene Pülm folgt Ernst Pahl

Der Gemischte Chor Germania Rhüden umrahmte die Ortsratssitzung in Rhüden mit Liedern. Später brachte der Musikzug der Feuerwehr schmissige Klänge zu Gehör.
 
Der Ortsrat Rhüden: Ernst Pahl, Tobias Kliem, Volker Harenberg, Ralf Klusmann, Andreas Thelen, Frank Henken, Malte Sander und Thorsten Struß. Es fehlt: Bernd Schwarz.
 
Rhüdens neuer Orstbürgermeister Ernst Pahl verabschiedete Irene Pülm mit einem Wappenteller.

Neuer Ortsbürgermeister in Rhüden gewählt / Vielfältige und langjährige Verdienste gewürdigt

Ernst Pahl ist erwartungsgemäß zum neuen Ortsbürgermeister Rhüdens gewählt worden und tritt damit die Nachfolge von Irene Pülm an, die im Dezember für alle Beteiligten doch sehr überraschend ihr Amt zur Verfügung gestellt hatte. Irene Pülm wurde am Freitagabend vom Ortsrat, von Seesens Bürgermeister Erik Homann und auch von den Vertretern der Rhüdener Vereine und Institutionen würdevoll verabschiedet.

„Gern hätten wir mit Dir die Legislaturperiode noch zu Ende gebracht“

Für den Ortsrat würdigte Volker Harenberg die Verdienste der langjährigen Bürgermeisterin im größten Seesener Stadtteil. „Nach fast 25 Jahren kommunalpolitischen Wirkens müssen wir nun Abschied von Dir nehmen. Gerne hätten wir mit Dir die Legislaturperiode noch zu Ende gebracht, aber dein Entschluss stand leider fest, und wer Irene kennt, der weiß auch, dass man sie dann auch nicht mehr umstimmen kann“, erläuterte Harenberg.
1986 wurde Irene Pülm erstmals in den Ortsrat gewählt, zu einer Zeit als Karl Rühmann noch Bürgermeister von Rhüden war. Im Vorfeld war Irene Pülm im Vorstand der katholischen Kirche aktiv, dadurch auch so bekannt, so dass der Sprung in den Rat des Dorfes fast sicher war. Es folgten die Ratsjahre mit Burkhard Heunecke an der Spitze des Dorfes und dann auch mit Gustav Ahrens und Friedel Henne als Ortsbürgermeister.
Bei der Kommunalwahl 1996 wurde Irene Pülm wieder in den Ortsrat gewählt und gleichzeitig auch zur Stellvertretenden Ortsbürgermeisterin gewählt, dieses Amt hatte sie dann bis 2001 inne. In dieser Zeit wurde Irene Pülm kooptiertes Mitglied in der CDU-Fraktion der Stadt Seesen – ihr Interesse an der Kommunalpolitik wurde immer intensiver und so wurde sie 2001 auch in den Rat der Stadt Seesen gewählt und gleichzeitig in Rhüden zur neuen Ortsbürgermeisterin gewählt.
Zwölf Jahre übte sie dieses Amt aus, lediglich Kurt Dietrich und Friedrich Kölle bekleideten das Amt etwas länger. „Man muss auch sagen, dass das Verhältnis der Parteien im Ortsrat zueinander immer sehr gut war – es wurden fast alle Beschlüsse einstimmig getragen und Du hast dieses Verhältnis auch zueinander immer sehr gepflegt“, sparte Harenberg nicht mit Lob.
Er erinnerte im weiteren an die Themenschwerpunkte der Lokalpolitik in den vergangenen Jahren unter der Ägide Irene Pülms, und da an die vier Hochwasser, die Rhüden seit 1998 stark getroffen hatten. Damit verbunden war der Bau des Stauwerkes bei Mechtshausen. Jetzt haben die Rhüdener die Hoffnung, dass durch den Bau des Rückhaltebeckens Rhüden zu 100 Prozent geschützt wird.
„Irene Pülm hat sich für den Hochwasserschutz immer wieder stark gemacht“, erläuterte Harenberg. Ein anderes Thema war die Dorferneuerung in Rhüden, auch dort hatte sich Irene Pülm im Arbeitskreis beteiligt und viele Ideen eingebracht. Zeitgleich war auch die Flurbereinigung in den Gemarkungen Klein- und Groß Rhüden in vollem Gange, auch dieses Thema hat Irene Pülm interessiert verfolgt.
In dieser Zeit wurde auch die ehemalige Bahntrasse durch Rhüden in einen Radweg umgewandelt. Harenberg: „Ein unschönes Thema war die Abwasserdruckleitung nach Seesen, die ewigen Diskussionen begleiteten die Orstratsarbeit ständig. Das war eine schwierige und sehr intensive politische Zeit“, erinnerte Harenberg. Weitere Themen waren der Neubau der Grundschule in Rhüden und die A7-Erweiterung und die damit auftretenden Belastungen und zuguterletzt die Frage, ob in Rhüden Windparks entstehen sollen oder nicht. Langweilig ist es Irene Pülm in Rhüden nie geworden, ob Geburtstage oder Jubiläen, auch hier war Irene Pülm stets zur Stelle.
Der neue Ortsbürgermeister Ernst Pahl hatte sich zuvor für das Vertrauen bedankt, dass ihm mit der einstimmigen Wahl (bei zwei Enthaltungen) entgegengebracht wurde und dankte allen Kollegen des Ortsrates sowie den Rhüdener Bürgern, die ihn zur Wahl ermuntert hatten.
„Anfang Dezember ist in Seesen einiges an Porzellan zerschlagen worden. Die Scherben lagen vor den Füßen des Rhüdener Ortsrates“ so Pahl. Alle Mandatsträger habe dies sehr betroffen gemacht. Eine Ermutigung für die Arbeit in einem Ortsrat sei dies nicht gewesen. Vertrauen sei verloren gegangen. Pahl dankte Thorsten Struß, der als stellvertretender Bürgermeister die Aufgaben Irene Pülms ab dem 1. Januar übernommen hatte und die Vakanz mit Elan ausgefüllt hatte.
„Lasst uns, dort wo unser Rhüden liebenswert ist, es fördern und erhalten“, forderte Pahl seine Ratskollegen auf. Kommunalpolitik auf der Ebene der Ortsräte sei ein ständiges Bohren von dicken Brettern, zumal die Etathoheit bei anderen Gremien liegt. „Wir als Mandatsträger und auch Bürger sollten nicht unterschätzen, dass das Ohr am „einzelnen Bürger“ und das Wissen um die örtlichen Gegebenheiten und Probleme wichtig ist, um als Ortsrat auf der Ebene der Verwaltung und Stadtrat die richtigen Entscheidungen einzuleiten“, schloss Pahl seine Antrittsrede.

Erik Homann: „Du hast dich mit Rhüden stets identifiziert!“

Bürgermeister Erik Homann, der das Ergebnis der geheimen Wahl verkündet und Ernst Pahl zur Wahl gratuliert hatte, würdigte die Verdiente Irene Pülms ebenfalls. Sie habe viel Herzblut in ihre politische Arbeit einfließen lassen. Obwohl sie keine gebürtige Rhüdenerin sei, habe sie sich mit dem größten Stadtteil mehr als identifiziert, so dass Homann vielmehr von einer „geborenen Rhüdenerin“ sprach.
Er und die Mitarbeiter der Verwaltung hätten Irene Pülm stets als verlässlich, wahrhaftig und ehrlich kennengelernt. Ihre Beharrlichkeit in der Sache und ihr unermüdlicher Einsatz hätten sie zu einer außergewöhnlichen Ortsbürgermeisterin werden lassen. Ihr Rücktritt sei ein großer Verlust. Homann zeigte Verständnis für die Entscheidung, und verabschiedete Irene Pülm mit der Hoffnung, „dass bei Dir kein Groll zurückbleibt. Ich bedanke mich bei Dir, für alles, was Du in den zurückliegenden Jahren getan hast, und wünsche Dir für deinen Ruhestand mit Deiner Familie alles, alles Gute!“
Zahlreiche Blumensträuße, Bilder, Präsente und mehr wurden im Anschluss überreicht. Ob Feuerwehr, die Sportvereine, die Gesangvereine oder die Schützen – alle verabschiedeten sich mit herzlichen Worten von Irene Pülm, die sichtlich gerührt war. Gesanglich untermalten zunächst der Gemischte Chor Rhüden und später die Feuerwehrmusiker die besondere Ratssitzung im Hotel Zum Rathaus. Beendet wurde diese mit einem gemeinsamen Essen und der Gewissheit, dass die unruhigeren Zeiten nunmehr der Vergangenheit angehören dürften.