Brücke soll vor Weihnachten fertig werden

Baggerakrobatik am Morgen. Mit einem geschickten Manöver wuchtet der Arbeiter seinen tonnenschweren Bagger auf die Brücke.

Rhüdener müssen Verkehrsbehinderungen noch länger hinnehmen / Zeitkorsett ist sehr eng

Die Rhüdener haben es zurzeit nicht leicht. Denn die Erneuerung der großen Brücke im Verlauf der Katelnburgstraße (L 466) über die Nette, und die damit verbundene Vollsperrung, hat massive Verkehrseinschränkungen zur Folge.

Vor allem Lastwagenfahrer und die Landwirte haben es aktuell besonders schwer. Die Lastwagenfahrer müssen große Umwege in Kauf nehmen und über Bockenem und Lamspringe fahren. Und auch die Landwirte haben beim Einfahren der Ernte längere Strecken zu akzeptieren, da sie mit ihren großen Maschinen Probleme haben, die teils sehr engen, noch passierbaren Straßen zu durchqueren. Parkt dann noch ein anderer Verkehrsteilnehmer ungünstig, ist ein Durchkommen überhaupt nicht mehr möglich.
Die Bauarbeiten hatten schon bevor sie überhaupt begannen für einige Meldungen gesorgt. Wie der „Beobachter“ Ende Juli und Anfang August berichtete, musste der Beginn der Erneuerung zwei Mal nach hinten verschoben werden, so dass der tatsächliche Startschuss erst Mitte des vergangenen Monats fiel.
Nun laufen die Bauarbeiten seit rund vier Wochen, und stellen die Geduld der Rhüdener ob der „sehr, sehr schlechten Verkehrssituation“, wie es Ortsbürgermeisterin Irene Pülm formuliert, auf die Probe.

Große Brücke ist ein Nadelöhr


Die große Brücke über die Nette ist nämlich so etwas wie ein Nadelöhr, und spielt beim Verkehrsfluss in Seesens größtem Ortsteil eine entscheidende Rolle. Auch Ulrich Volmer, Projektleiter bei der durchführenden Hensel Ingenieur GmbH (HIG) aus Kassel, räumt ein, dass die Situation für die Rhüdener höchst ungemütlich sei, eine andere Verkehrsführung aber nicht durchführbar gewesen sei. Mit der Stadt Seesen, als zuständige Verkehrsbehörde, wurde im Vorfeld lange ausbaldowert wie der Verkehr letztlich umzuleiten sei.
Und auch die Verzögerungen vor Baubeginn hatten triftige Gründe wie Volmer gegenüber dieser Zeitung erklärte: „Im Brückenbereich liegen Fernleitungen, die Wasser und Gas transportieren. Vor dem Beginn der Brückenerneuerung mussten diese Leitungen umgelegt werden, was aber aus technischen Gründen nur im Sommer geschehen kann, um Versorgungsengpässe während der Heizperiode zu verhindern.“
Erst nach Abschluss dieser Arbeiten, die Leitungen verlaufen jetzt fünfzig Meter weiter nördlich unter dem Flussbett der Nette, konnte die Erneuerung der Brücke in Angriff genommen werden. Die Bauarbeiter arbeiten seither unter Hochdruck, um die verlorene Zeit und das ohnehin sehr eng gesteckte Zeitkorsett einzuhalten.
Gegenwärtig peilt die Kasseler Firma eine Fertigstellung noch vor Weihnachten an. Der bisher vorgesehene Fertigstellungstermin Ende November ist nach Aussagen des Projektleiters nicht mehr realisierbar. Natürlich hängt der erfolgreiche Abschluss der Bauarbeiten noch in diesem Jahr auch vom Wetter ab. „Sollten wir im November Frost bekommen, wird das vor Weihnachten natürlich nichts mehr“, prognostiziert Ulrich Volmer.
Am Montag konnten die Arbeiter die Einbringung der sogenannten Spundbohlen (Stahlbohlen), die als Widerlager für das neue Bauwerk dienen, abschließen. Diesen Bauschritt werden einige Anwohner aus der näheren Umgebung durchaus mitbekommen haben, da dieser Vorgang nicht ganz ohne Lärm und Erderschütterungen vonstatten ging.
Als nächster Schritt wird der Abriss der alten Brückenkonstruktion folgen, um Platz für den deutlich größeren Neubau zu machen. Denn die Brücke über die Nette wird künftig nicht mehr nur 10,50 Meter, sondern ganze 14,50 Meter betragen. Ein Schritt, der auch dem Hochwasserschutz dient, da ein längeres Bauwerk über die Nette, die sich wie im Mai beim Hochwasser geschehen, zu einem reißenden Fluss entwickeln kann, deutlich größere Mengen Wasser durchlässt.
Auch die Optik der Brücke soll sich verbessern. Die bereits erwähnten Spundbohlen sollen noch mit einem Betonvorsatz versehen werden, der nicht nur besser aussieht, sondern auch die Langlebigkeit der Brücke verbessert.
Und auch auf die Frage eines Lesers, warum der Fußgänger- beziehungsweise Fahrradweg entlang der Nette von Norden her gesperrt ist und nicht an der Baustelle vorbeigeführt wird, hat Volmer eine Antwort. „Aktuell kann man durchaus den Eindruck gewinnen, dass der Platz rund um die Baustelle groß genug ist, um den Fahrradweg einfach daran vorbeilaufen zu lassen. In den nächsten Wochen werden wir diesen Platz aber brauchen, um die Baustelle noch ein wenig auszuweiten“, so der Projektleiter.
Die Kosten für die Erneuerung belaufen sich nach Angaben von Projektleiter Volmer auf mehr als eine halbe Millionen Euro. Geld, das auch vom Land aufgebracht werden muss.
Für die weiteren Bauarbeiten und den damit verbundenen Behinderungen bitten der Projektleiter und die zuständige Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr im Geschäftsbereich Goslar die Anwohner und Verkehrsteilnehmer um Verständnis.