Chorkonzert zum 135. Geburtstag begeistert

Der Einzug des Gemischten Chores „Germania Rhüden“ in die St.-Martini-Kirche. (Foto: bo)
 
Für den Mandolinen-Verein „Neiletal“ gab es stehende Ovationen. (Foto: bo)

Gemischter Chor Rhüden hat in die St.-Martini-Kirche eingeladen / Ehrungen für langjährige Mitgliedschaften

Am vergangenen Sonntag feierte der Gemischte Chor Germania Rhüden seinen 135. Geburtstag. Dazu veranstaltete er ein Konzert in der St.-Martini-Kirche. Im Rahmen des Konzerts wurden auch einige Ehrungen vorgenommen.
Zu einem Geburtstag gehören ein Jubilar, zahlreiche Gäste, schöne Musik, leckere Speisen und Getränke, ein nettes Ambiente und – last but not least – auch Geschenke. All das war beim Wiegenfest der Germania vertreten. Leider kam ein trauriger Aspekt hinzu: Der Vorsitzende – Andreas Vogt – musste das schöne Geschehen aus dem Klinikum in Hildesheim in Gedanken verfolgen. Petra Behnke sprang als Vorstandsmitglied in die Bresche und damit mitten hinein ins kalte Wasser. Sie meisterte die ihr kurzfristig gestellte Herausforderung mit Bravour und handelte die geforderten Regularien in gekonnter Manier ab.
Damit wären wir schon beim zweiten Punkt, den zahlreichen Gästen. Insgesamt hatten sich in der St.-Martini-Kirche gut 300 Personen eingefunden. Sie durften sicher sein, dass sie ein sehr abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm erleben würden. Angelika Minks führte mit ihrer kleinen Handpuppe witzig durch den Abend und wusste das Auditorium immer wieder neugierig zu machen und zu fesseln.
Der Gemischte Chor Germania zog mit einem lustigen Kanon in das voll besetzte Gotteshaus ein und eröffnete den bunten Reigen mit einer musikalischen Reise durch die Welt. Claudia Schaare begleitete diesen anspruchsvollen Part, für den der Chor gute acht Wochen geprobt hatte, in mit der ihr eigenen Professionalität.
Der Frauenchor Mahlum, den Angelika Minks ebenfalls leitet, schloss sich mit eingängigen „American Folk Songs“ an, darunter auch solche Ohrwürmer wie „Oh My Darling“ und „Eine Rose blüht in Texas“.
Der MGV von 1861 Groß Rhüden unter der Leitung von Friedjof Pallasdies wartete mit einem Potpourri aus der Feder von Klaus Tietze (Thale) sowie mit den „Schönen Stimmen“ von Karl Bartel auf.
Und dann kam ein Teil des Konzertes, der eigentlich etwas unfair gegenüber den Sängern war: Der Mandolinen-Verein „Neiletal“ unter der äußerst engagierten Leitung von Maren Ziegenbein griff in die Saiten. Bekannte und beliebte Melodien, etwa von Karel Gott und Helene Fischer oder auch von Frank Sinatra gingen so unmittelbar unter die Haut, dass frenetischer Beifall und sogar Standing Ovations die Kirche buchstäblich von den Bänken hob. Unfair insofern, dass Chormusik niemals das gleiche Klangerlebnis erzeugen kann wie instrumentale Musik. Auch die schönste Arie hat es schwer gegen ein exzellent geblasenes Trompetensolo. Angenehm zu empfinden war, dass sich keiner der Sänger „auf den Schlips“ getreten gefühlt, sondern selbst begeistert mit applaudiert, hat.
Nach soviel toller Musik bekommt man zwangsläufig Lust auf eine Pause und freut sich auf die Speisen und Getränke. Draußen im Pfarrgarten hatte sich Hans-Günther Behnke mit seinen Mitarbeitern auf den zu erwartenden Ansturm angemessen vorbereitet. Das Wetter war zwar alles andere als hochsommerlich, aber immerhin blieb es von oben trocken. Und so genossen die Festgäste Bratwurst, Sekt, Bier und weitere Getränke.
In der zweiten Halbzeit wurde der vorletzte Aspekt einer Geburtstagsfeier noch einmal besonders deutlich: das Ambiente. Das Klangerlebnis des heraufziehenden Abends lässt sich vielleicht am besten so beschreiben: wunderschöne Momente in einem wunderschön geschmückten Raum in vollen Zügen genießen. Zu diesen besonderen Eindrücken kommt noch die unvergleichliche Akustik hinzu. Die Baumeister der Gotik haben mit ihrer subtilen Erfahrung schon vor vielen Jahrhunderten gewusst, wie man Musik und Sprache in großen schönen Räumen vom Musikanten in die Herzen transportiert.
Schließlich stand noch der Punkt Geschenke aus. Bürgermeister Ernst Pahl sprach den Rhüdenern aus dem Herzen, als er, als aktiver Sänger, dem Chor nicht nur ein Flachgeschenk überreichte, sondern auch ein lyrisches Gedicht aus dem Weltklassiker „Der kleine Prinz“ rezitierte. Der kleine Prinz, so Ernst Pahl, habe durch die Begegnung mit dem Fuchs verstanden, dass Begeisterung und Treue sich dann am tiefsten entfalten können, wenn es verlässliche Strukturen gibt.
Geschenke gab es auch für einige Mitglieder aus dem Chor selbst. Beate Wittenberg vom Chorverband war eigens erschienen, um die anstehenden Ehrungen vorzunehmen. Beate Wiebking ist passiv seit 25 Jahren dabei. Ernst Pahl hatte vor Jahren mit reichlich Weitblick dafür gesorgt, dass auch passive Mitglieder mit einer vereinseigenen Urkunde öffentlich geehrt werden. Guido Lück konnte in gleicher Eigenschaft leider nicht für 50 Jahre geehrt werden, weil er nicht anwesend sein konnte. Andrea Vogt ist seit 40 Jahren aktive Sängerin und erhielt folgerichtig eine Urkunde vom Niedersächsischen Chorverband nebst hübscher Ansteckbrosche. Andreas Vogt wurde in Abwesenheit für 15-jährige Vorstandstätigkeit ausgezeichnet.
Ganz aus dem Rahmen fiel die letzte der Ehrungen. Heinz Müller ist seit 60 Jahren aktiver Sänger bei der Germania. Dafür erhielt er eine Urkunde vom Deutschen Sängerbund aus Berlin. Er kennt den Chor fast die Hälfte der Zeit seines gesamten Bestehens.
Heinz Müller hat als junger Mann im damaligen Männerchor begonnen und eilt immer noch Woche für Woche am Donnerstagabend zu seiner mittlerweile „gemischten“ Germania.