„Das wird mein Jahr – ich mach’ das klar“

Christian, Tobi, Martin, Til und Sascha (von links) sorgten für Begeisterungsstürme. (Foto: Koch)

„Fünf vor der Ehe“ räumen in Rhüden kräftig ab

Am vergangenen Sonntag trat die in Rhüden mittlerweile bestens eingeführte Formation „Fünf vor der Ehe“ vor einem rund 300-köpfigen Publikum aller Altersstufen – darunter auch Ortsbürgermeister Ernst Pahl – in der St. Martini-Kirche auf.

Ihr sehr emotionales Gig wurde mit ausgedehntem Beifall bedacht.
Die meisten Besucher kamen natürlich aus Rhüden, nicht zuletzt wegen der verwandtschaftlichen Beziehungen zur Musikgruppe. Aber auch aus Seesen und dem Ambergau hatten sich viele auf den Weg ins Rhüdener Gotteshaus gemacht, um ein weiteres Mal die hohe Qualität der Musik und die spritzige Vortragsweise zu genießen. Und sie alle wurden reich belohnt. Unter dem vielversprechenden Motto „Tigerbaby“ entfalteten die charmanten jungen Männer ein buntes Programm rund um die Beziehungen, die Mann und Frau miteinander verbinden, wenngleich sie nach Ausweis der vortragenden Experten nicht immer frei von Störungen und Krisen sind.
Jedoch: Wie können fünf vor der Ehe schon über derartig fundierte Kenntnisse verfügen? Dieses gesunde Misstrauen weckte die tiefgründige Neugier der Besucher. In Halbzeit eins begann es zunächst recht neutral mit dem mitreißenden Song „Das wird mein Jahr!“, gefolgt von einer Reflektion über deutsche Spätromantik zwischen Kioskverpflegung und Hartz IV. Dann jedoch ließen die Tiger-Babys ihre Masken fallen und stiegen steil ins Thema ein. Wie kann man am besten von eigenen Problemen ablenken? Indem man seine eigenen zu denen der anderen macht. Und so kam es auch: „Was haltet Ihr von Sex vor der Ehe?“ wurde das Publikum scheinheilig gefragt. Die Abstimmung erfolgte auf Zuruf, der im positiven Bescheid unschlagbar deutlich ausfiel. Damit war den Sängern die nötige Absolution erteilt und sie konnten unbeschwert aufspielen.
Nach der Manier des guten alten Mitmach-Konzerts mussten die Besuchenden zum Haupttitel „Tigerbaby“ ihre Hände und Arme mitbewegen, um den Streifzügen der bärtigen Raubtiere durch die Savanne zu folgen. Im großen Ganzen folgten dann überwiegend poppige Lieder, die für reichlich Beifall sorgten, wie etwa die subtilen Überlegungen zur Feststellung: „Obwohl sie meine Sprache spricht, verstehe ich sie nicht.“
Kurz vor der Pause überraschten die fünf quirligen Mitzwanziger das Publikum mit einer gesummten Grundmelodie, auf deren Grundlage sie die unterschiedlichsten Hits und Schlager darüber intonierten. Das sorgte für reichlich Überraschung und frische Erheiterung. Man war fast geneigt zu glauben, dass die Sänger dieses Phänomen als Gleichnis für die verschiedenen Gestalten von Liebe präsentieren wollten.
Nach der Pause ging’s dann weiter mit der guten alten Beziehungskiste: „Gestern warst du noch ein Mädchen, heute bist du meine Frau, doch morgen hast du mich vergessen“ und „Hör auf dein Herz, gib meinem Leben deinen Sinn“ waren die nächsten Beiträge. Danach räumte die Band in ihrer eigenen Beziehungskiste humorvoll auf: Sascha, so war zu erfahren, sei der einzige, der kein Internet besitze. Daher würde er auch keine Frauen kennenlernen, geschweige denn mit ihnen chatten können. So sei er auf die gute alte Anmache angewiesen, was aber in rund 300 Fällen bei Konzerten nicht zielführend gewesen sei – bis auf eine einzige Ausnahme. Es sei sogar zum Date in einem Restaurant gekommen. Dies aber verlief für die Partnerin sehr irritierend, da Sascha zu der äußerst seltenen gewordenen Spezies gehöre, die sich die ganze Zeit bei Tisch tatsächlich unterhält. Das war für die Angebetete so ungewohnt, dass sie das Lokal noch vor dem Dessert verlassen habe, um dies alles brühwarm ihrer Freundin per Whats-App zuzutexten. Jedoch: Es war niemand in der Kirche, der diese Version ernsthaft geglaubt hätte, obwohl sie doch in einer Stätte des Glaubens erzählt worden war.
Nach dieser frischen Einlage bogen die fünf Musiker in die Zielgerade ein. Dabei stellten sie auch ihr tänzerisches Können unter Beweis und gaben noch einige Zugaben, die in das Abendlied mündeten, bei welchem bekanntlich Brüder Abschied nehmen und über eine ungewisse Rückkehr räsonieren. Doch genau an diesem Punkt hatten – wenngleich nicht laut, wohl aber innerlich – alle sofort protestiert. Denn das darf doch wohl als ganz sicher angenommen werden, dass die „Fünf vor der Ehe“ wieder nach Rhüden kommen werden, sobald sie ein neues Programm erarbeitet haben. Das dürfte so etwa in zwei Jahren der Fall sein.
Weil diejenigen, die einen solch tollen Abend im Hintergrund begleiten, niemals Beifall erhalten, seien die beiden Techniker der Band hier namentlich erwähnt: Für die sehr einfühlsam gesteuerte Ausleuchtung und die passgenaue Abmischung der Mikrofone hatten Stephan Grote und Ralf Seidenschnur gesorgt.