Der Rhüdener Geschichte zu neuem Leben verholfen

Dieter Lignow und Herbert Timm haben zehn Jahre recherchiert. Nun ist der dritte Band ihrer Rhüdener Chronik erschienen. (Foto: bo)
 
Den Schwerpunkt im neuen Band bildet die Bedeutung der Eisenbahn für Rhüden.

Herbert Timm gibt dritten Band der Rhüdener Ortschroniken heraus

Herbert Timm und Dieter Lignow sind Experten, wenn es um die Geschichte Rhüdens, Seesens größtem Ortsteil, geht. Inzwischen haben Timm und Lignow den dritten Band über die Ortsgeschichte Rhüden herausgebracht und wieder einmal bewiesen, dass in Rhüden in der Vergangenheit deutlich mehr vonstatten ging als die verhältnismäßig geringe Einwohnerzahl vermuten lässt.

Von Maximilian Strache

Rhüden. Seit nunmehr über zehn Jahren recherchieren die beiden Chronisten über die Rhüdener Ortsgeschichte. Der erste Band erschien im März 2003 und der zweite im Dezember 2004. Nun schreiben wir das Jahr 2010, und es sind seit der letzten Veröffentlichung ziemlich genau sechs Jahre vergangen.
Bei einer Musikband gäbe eine solch lange Zeitspanne zwischen zwei Veröffentlichungen Anlass für wilde Spekulationen über die vermeintliche Auflösung der Gruppe. Anders bei Timm und Lignow. Die Beiden arbeiten immer noch zusammen, haben jedoch die letzten Jahre für intensive Recherchen genutzt, damit ihnen kein Detail der bewegten Rhüdener Geschichte durch die Lappen geht.
Das ist ihnen gelungen. Lignow und Timm haben ein 200 Seiten starkes Buch produziert. Im Kern behandelt der dritte Band die Zeit, in der die Dampfrösser das Tagesgeschehen in Rhüden mitbestimmten. „Die Landeseisenbahn“, so dem Vorwort des Buches zu entnehmen, „setzte dem Ort ihren ureigenen Stempel auf“. Mit zahlreichen Bildern können die Leser in diese Zeit eintauchen und sich anhand der detaillierten Geschichten einen lebhaften Eindruck verschaffen.
Mit großen Schwierigkeiten hatten die Gründer der Feuerwehr zu kämpfen. Ihrem Pioniergeist ist es zu verdanken, dass die Entwicklung der örtlichen Brandbekämpfung voranschritt. Mit kleinen Anekdoten verhelfen Timm und Lignow dieser Periode zu neuem Leben.
„Die Kuriositäten über den Kaiserplatz“, so die Autoren der Chronik, „lassen uns heute schmunzeln“ und schieben im nächsten Satz die Frage nach: „Wer hätte im frühen 20. Jahrhundert gedacht, dass „König Fußball“ ein halbes Jahrhundert später die Welt regiert?“ Welche Kuriositäten über den Kaiserplatz das Verfassergespann zum Schmunzeln bringt, und ob es sich beim Kaiserplatz um den heutigen Sportplatz in Rhüden handelt, wird auf 15 amüsanten Seiten erzählt.
700 Jahre war Rhüden geteilt. Noch heute sind Groß- und Klein-Rhüden fest im Sprachgebrauch der Bevölkerung verankert. Die Geschichte über einen desertierten Landsoldaten, der fast eine Staatstragödie auslöste, erzählt die Geschichte der geteilten Gemeinde. Friedlich ging es zwischen Groß- und Klein-Rhüden nicht immer zu.
Von den Herrschaften wurde die Arbeit des Scharfrichters Schwarz geschätzt. Die Öffentlichkeit wollte jedoch nichts mit den Diensten seiner Zunft zu tun haben. Auch den ehemaligen kleinen Orten widmen sich Timm und Lignow in ihrem dritten Band.
Bei ihren Recherchen haben die beiden Chronisten zahlreiche Originaldokumente verwendet, die aus heutiger Sicht sehr schwer lesbar sind. Dennoch wurden zahlreiche „Originalschriften“ in die Artikel eingebunden, um den Zeitgeist, wie die Autoren sagen, einzufangen. Mit dem dritten Band schließen Herbert Timm und Dieter Lignow ihre Arbeiten ab.
Erhältlich ist das unterhaltsame und informative Werk für 18 Euro in der Lotto-Annahmestelle Heise und bei Tabakwaren Aue in der Frankfurter Straße.