Die fröhliche Zeit des Kegelns ist nun Geschichte

Heinz Müller, Andreas Adorf, Hartmut Pischke und Peter Ehrsam, im Vordergrund kegelt Michael Aue. (Foto: Koch)

Rhüdener Kegelverein „Scharfe Kante“ löst sich nach 60 Jahren auf / Letzte Jahreshauptversammlung

Rhüden (JK). Am vergangenen Dienstag leitete Michael Aue, erster Vorsitzender des Rhüdener Kegelvereins „Scharfe Kante“ die letzte Jahreshauptversammlung des Vereins, denn nach 60 Jahren wurde diese örtliche Institution aufgelöst.
In seinem Jahresbericht erinnerte Aue zunächst an die Ereignisse des vergangenen Jahres. Unter anderem rief er das vereinsinterne Preiskegeln in Erinnerung, aus dem Gerhard Barsch als Neunerkönig und Pokalsieger hervorging. Den Vizemeistertitel sicherte sich Michael Aue. Den dritten Platz belegte Heinz Müller.
Auch beim Wettstreit um den „Hermann-Wolter-Gedächtnispokal“ hatte Gerhard Barsch im vergangenen Jahr die Nase vorn. Hermann Wolters war Kegelvater des Vereins „Scharfe Kante“ und verstarb im Jahre 2006 im hohen Alter von 99 Jahren.
Der letzte Tagesordnungspunkt löste dann Wehmut bei den Mitgliedern des Vereins aus. Es wurde die Auflösung des Vereins behandelt.
In den letzten Jahren haben die Vereinsmitglieder stets versucht neue Mitglieder für den Verein zu begeistern; leider ohne Erfolg. Deshalb musste letztendlich der Entschluss gefasst werden, den Tatsachen ins Auge zu blicken und die Auflösung des Vereins zu beschließen.
In der langen Vereinsgeschichte, so Schriftführer Andreas Adorf bei einer kleinen Vereins-Chronik, durchliefen insgesamt 68 Kegelbrüder den Verein. Die Kegelabende fanden immer dienstags im Rhüdener Hotel „Zum Rathaus“ statt. Auch der frühere Wirt, Fritz Wienrich, gehörte dem Kegelverein viele Jahrzehnte an. Zu den Gründern des Vereins gehörten Karl Pülm, Erich Junge, Werner Sommer, Albert Schlie, Wilhelm Probst, Hugo Kahmann, Fritz Illers, Wilhelm Bierwirth, Otto Buchholz, Walter Heunecke, Wilhelm Behrens, Horst Mügge, Wilhelm Steinhoff, Karl Rademacher und Ernst Ruhe.
Zum ersten Vorsitzenden wurde 1952 Erich Junge gewählt. Die Mitgliederzahl wurde auf maximal 20 begrenzt. Aus heutiger Sicht eine unvorstellbare Perspektive, zeigt sich derzeit doch, dass man heute eher eine Mindest-Mitglieder-Zahl festschreiben müsste. Der Monatsbeitrag betrug seinerzeit eine Deutsche Mark. In den Anfangsjahren wurden die Kegel noch von sogenannten „Kegeljungen“ nach jedem Schub wieder aufgestellt. Die Kegeljungen erhielten für diese Arbeit vier Deutsche Mark sowie einen Verzehrbon in Höhe von 80 Pfennig.
Zu den Kuriositäten im Vereinsleben gehört ganz sicher, dass es im Jahr 1966 Wilhelm Behrens zwei Mal gelang, eine „Acht ums Vordereck“ zu kegeln. Nachdem im Jahre 1968 eine vollautomatische Kegelbahn eingebaut wurde, gelang es bis jetzt keinem Kegelbruder des Vereins mehr, diesen seltenen Wurf zu wiederholen.
Die im Jahre 1974 ins Leben gerufenen Dorfmeisterschaften sowie das Preiskegeln gehörten bis zur Einstellung beider Wettbewerbe im Jahr 1985 zu den Höhepunkten des Rhüdener Kegelsports. In diesen Jahren gab es in Rhüden satte 17 Kegelvereine, die Rhüden als „Kegelhochburg“ weit über das Nette-Ufer hinaus bekannt machten. Karl Pülm gelang es im Jahre 1976 (damals selbst 66-jährig!) als einzigem Kegler in der Vereinsgeschichte „Dorfmeister in der Einzelwertung“ zu werden.
Weitere Ergebnisse der Vereinsmeisterschaften aus den Anfangsjahren, so Andreas Adorf, lassen sich aufgrund der Aktenlage leider nicht mehr befriedigend rekonstruieren. Aber aus den Unterlagen geht hervor, dass sich unter anderem Karl Pülm (10 Mal), Horst Adorf (9 Mal), Reinhold Hammann und Walter Leupold (je 7 Mal) und Hermann Krumm, Wilhelm Bierwirth sowie Gerhard Barsch (je 4 Mal) über den Titel „Vereinsmeister der Scharfen Kante“ freuen konnten.
Die scheidenden Kegelbrüder sind allesamt Realisten der Gegenwart und können das Pendelspiel zwischen nostalgischer Wehmut und nüchterner Gegenwartsanalyse relativ entspannt schultern. Und daher taten sie eins, was vermutlich das Beste in einer solchen Situation ist: Sie ließen sich von Monika Wienrich noch ein leckeres Pils einschenken.