Es war „wie ein Wunder“

 

Germania und Spontan-Chor runden das Konzert mit den Mandolinen aus Lutter angenehm ab

Am vergangenen Sonntag konzertierte der Mandolinen-Verein Neiletal im Rahmen eines Konzertes in der Rhüdener St.-Martini-Kirche. Im weiten Vorfeld zu diesem hörenswerten Konzert hatte man aus den Reihen des mitgestaltenden Gemischten Chores Germania Rhüden die Fühler nach Lutter am Barenberge ausgestreckt und die Künstlerinnen nach Rhüden an die Nette eingeladen. Der Spontanchor trat gern mit in das gemeinsame Boot, allerdings nicht in voller Besetzung.

Rhüden (JK). In der Tat: Es war eine Premiere. Die Rhüdener hatten bislang noch nie die Gelegenheit, ein Mandolinen-Konzert zu hören. Ortspfarrer Johannes Koch jedenfalls konnte unter Zustimmung des gespannten Publikums keine andere Feststellung treffen. Daher hob er in seiner kurzen Begrüßung diesen Umstand besonders hervor. Maren Ziegenbein, Leiterin des Mandolinen-Vereins Neiletal, nahm diese Nachricht besonders gern auf, denn das, was die zwölfköpfige Musikerformation in den dann folgenden 90 Minuten auf die Bühne brachte, übertraf die Erwartung aller Anwesenden. Dabei sollte mit eingerechnet werden, dass die rund 80 Personen umfassende Gemeinde auch selbst genügend Musikverstand mitgebracht hatte, um das Präsentierte in die eigene Erfahrungswelt angemessen einordnen zu können.
In drei Blöcken zu je vier Stücken brachten die Saitenartistinnen Melodien zu Gehör, die den meisten zwar bekannt waren, die aber unter den sonoren und zugleich präzise und filigran gezupften Klängen zu völlig neuem Glanz auferstanden. „Ball-Saal-Atmosphäre unter neugotischem Gewölbe“ – so ließe sich der Hör-Eindruck vielleicht angemessen spiegeln. Ein weiteres Mal bewies die St.-Martini-Kirche ihre hervorragende Akustik, wenn es um Chorgesang und kleinere Instrumentalgruppen geht.
So präsentierten die Mandolinen-Spielerinnen im ersten Block „Rote Rosen, roter Wein“, „I Just Called“, „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ sowie weit ausladende und zum Tanz einladende „Walzerklänge“. Nach diesem ersten, mit reichlichem Beifall bedachten Debüt, setzte der Spontan-Chor unter der Leitung von Organistin Claudia Schaare in angenehmer Art einen kirchlichen Akzent. Der leider nicht vollzählig erschienene Spontan-Chor überzeugte mit fünf Beiträgen aus seinem Repertoire, das auch auf die Gospel-Tradition zurückgriff.
Danach waren wieder die Mandolinen dran. Mit „Butterfly“, „Sun of Jamaica“, „Schön ist es, auf der Welt zu sein“ und „Heimweh“ eroberten sie erneut die Herzen der musikbegeisterten Gemeinde. Standing Ovations ließ bereits jetzt erahnen, dass das Konzert nicht ohne Zugabe über die Bühne gehen würde. Dieser Umstand störte die Germania, die in diesem Gotteshaus seit Jahrzehnten Heimrecht hat, durchaus nicht. Chorleiterin Angelika Minks (Binder) aus Mahlum hatte zur Verstärkung des nach wie vor hörenswerten Chores noch einige Damen aus ihrem Mahlumer Frauenchor gebeten, bei diesem Konzert mitzuwirken. In dieser etwas breiter aufgestellten Formation zeigte sich die Germania erneut von ihrer besten Seite. Der Applaus nach ihren vier Beiträgen sprach seine eigene Sprache.
Der letzte Block der Mandolinen-Spielerinnen setzte einen imposanten Schlusspunkt unter den schönen Spätsommerabend. „Tanze mit mir in den Morgen“ sowie „Tanzen möcht ich gern mit dir“ animierte das Auditorium alsbald dazu, sich an eigene „Goldene Zeiten“ erinnern zu lassen. Als dann schließlich Udo Jürgens quasi live mit dem unvergesslichen Titel „Ich war noch niemals in New York“ in die Kirche hereinspazierte, gab es unter den Anwesenden kaum jemanden, der nicht aus voller Überzeugung gern mitgesummt oder mitgesungen hat.
„Wie ein Wunder“ hieß dann auch konsequenter Weise die durch frenetischen Beifall eingeforderte Zugabe. Maren Ziegenbein wies im Vorfeld dieser Zugabe darauf hin, dass sie sich sehr freue, die beiden mitwirkenden Chöre einmal persönlich kennen gelernt zu haben. Zugleich kündigte sie an, dass der Mandolinen-Verein Neiletal gern wieder an das Nette-Ufer reisen würde.
Pastor Koch bat am Ende dieses gelungenen Abends um eine Spende am Ausgang zugunsten des Aktions-Bündnisses „Rhüdener helfen Rhüdenern“. Zwar können sich die „Neiletaler“ nur sehr schwer vorstellen, bei anhaltend widrigem Wetter schlichtweg abzusaufen, aber die Rhüdener haben durch eine freundliche Spende am Ausgang dafür gesorgt, dass „ein Wunder“ manchmal auch sehr urwüchsige Wurzeln haben kann.
Im Nachgang zu diesem geschmeidig- aufmunternden Konzert bleibt natürlich die eine Frage, die alle bewegt, die gegenwärtig öffentliche Veranstaltungen planen, durchführen und verantworten. Die leidige Frage nach den Gründen für ein eventuell bewusstes Fernbleiben. Andererseits gilt auch dies: Diejenigen, die dabei waren, hatte reichlich Spaß und zugleich einen aktuellen Eindruck davon bekommen, dass Kirchenmusik in neuen Kleidern auch gern in Kirchen stattfinden darf. Noch gibt es sie ja – Gott sei Dank!