Freundschaftssingen in Rhüden ein Erfolg

Die Chöre beim Schluss-Chor: „Ein schöner Tag voll Harmonie!“ Foto: Koch (Foto: Koch)

MGV von 1861 Groß Rhüden und sieben weitere Chöre begeisterten in St. Martini-Kirche

Am vergangenen Sonntag hatte der MGV von 1861 Groß Rhüden aus Anlass seines 150-jährigen Jubiläums sieben der insgesamt 40 befreundeten Gesangvereinigungen aus der näheren und weiteren Umgebung zu einem Auftakt-Singen im Rahmen der vier geplanten Freundschafts-Begegnungen eingeladen. Veranstalter, Chöre und Gäste kamen zu dem einhelligen Urteil einer absolut gelungenen Veranstaltung.
Rhüden (JK). Auf der langen Liste der während des Jubiläums-Jahres eingeladenen Chöre standen bei der Premiere in der Rhüdener St. Martini-Kirche der Frauenchor Badenhausen, der gemischter Chor Teichhütte (leider nicht singfähig und daher nicht angetreten), die Singgemeinschaft der MGV aus Gittelde und Lasfelde, der gemischter Chor Oberhütte, der MGV Badenhausen sowie aus Bornhausen der Singkreis sowie der Gesangverein „Eintracht“.
Um 14 Uhr eröffnete der Jubiläums-Chor unter der musikalischen Leitung von Walter Fuchs mit seinem „Festgesang“ die rund dreistündige Großveranstaltung. Immerhin 240 Aktive und Gäste hatten in der Kirche Platz genommen. Vorsitzender Werner Klauke begrüßte als prominenten Gast Seesens Bürgermeister Hubert Jahns, der im Rahmen seiner Ansprache die Glückwünsche von Rat und Verwaltung der Kernstadt überbrachte.
Werner Klauke dankte dem Kirchenvorstand für die exzellente Zusammenarbeit im Rahmen der umfangreichen Vorbereitungen, insbesondere dessen Vorsitzenden Pfarrer Johannes Koch für seine freundliche Mithilfe bei der Erstellung der umfangreichen Festschrift. Dieser wiederum hob in seiner kurzen Grußadresse die aus seiner Sicht absolut vorbildliche Weise hervor, mit der es Werner Klauke über einen Zeitraum von weit über 20 Jahren verstanden hat, den Chor zusammenzuhalten, zu fördern und am frischen Leben zu halten. Der Applaus der Anwesenden durfte vermutlich als ungeteilte Zustimmung gewertet werden.
Dennoch kam Vorsitzender Klauke nicht umhin, mit dem ihm eigenen Scharfsinn auch diejenigen Fakten zu benennen, die so gar nicht zu einem stolzen Jubiläum passen möchten. Gemeint ist der Bestand an aktiven Mitgliedern. In den vergangenen 25 Jahren ist die Zahl der aktiven Sänger von 42 auf 25 gesunken. Diese etwas melancholisch stimmende Bilanz, die auf klare Nachwuchssorgen weist, konnte auch nicht durch die Tatsache verdrängt werden, dass es in den Nachbarorten Seesen und Bockenem sowie in Wohlenhausen gar keine Chöre mehr gibt. Eine andere statistische Zahl machte ebenfalls die deutlich veränderte Lage gegenüber früheren Zeiten deutlich: Beim 125jährigen Jubiläum des MGV Groß Rhüden waren seinerzeit 45 Chöre mit insgesamt 2000 Sängern/innen zu Gast in Rhüden, heute hingegen sei die Anzahl der Chöre mit 40 zwar immer noch erfreulich hoch. Die Zahl der Aktiven habe sich aber nahezu halbiert.
Wer die Familie der Musiktreibenden näher kennt, weiß, dass Statistiken nur ganz am Rande zu den wahren Gründen einer ungebrochenen Motivation gehören. Im Gegenteil: Das einzige, was Woche für Woche und Jahr für Jahr zählt, sind runde, gefüllte Bäuche mit langen, schlanken Hälsen. Um jedoch keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Rede ist nicht von Randerscheinungen der in den Chören gepflegten Geselligkeit, sondern ausschließlich von gedruckten Noten auf weißem Papier.
Dass dies der Wahrheit entspricht, stellten die Chöre in zwei Halbzeiten von je einer Stunde, unterbrochen durch eine angemessen lange Verzehr- und Begegnungs-Pause im Martin-Luther-Haus sowie in eigens aufgebauten Zelten im Pfarrgarten, absolut professionell unter lebendigen Beweis. Anders kann man sich den jeweils engagierten Applaus der Hörenden gar nicht erklären.
Die angenehme Mischung aus weltlicher und geistlicher Musik in der hervorragenden Akustik der Rhüdener Kirche überzeugte durch tiefes Engagement und dargebotene Brillanz.
Werner Klauke überreichte zum Schluss noch die liebevoll ausgesuchten Präsente in Form einer Gedenk-Statue, ergänzt durch frische Frühlingsblumen. Als dann noch der Schluss-Chor von den drei Chören Oberhütte, MGV und Frauenchor Badenhausen erklang, waren nicht nur alle Anwesenden ergriffen; vielmehr erinnerten sich sehr viele an eine Zeit, in der jeder einzelne Chor noch über eine solche Stimmgewalt verfügen konnte. Quasi als Protest-Chor gegen die Zeichen der Zeit vereinigte sich die Sing-Gemeinde in einem durch Walter Fuchs dirigierten Choral zu einem gemeinsamen Resonanzkörper. „Ein schöner Tag voll Harmonie“ ist eben wie ein Edelstein.