Fünf vor der Ehe: „Das wird mein Jahr!“

Die Band „Fünf vor der Ehe“ zusammen mit dem Girls-Club. (Foto: Koch)

Kirchenchor der besonderen Art begeisterte ein großes Rhüdener Publikum

Die fünf Jungs aus Hannover „vor der Ehe“ musizierten ganz ohne Playbacks und Instrumente, allein mit fünf Mikrofonen. Nur mit ihren Stimmen schafften sie in St. Martini-Kirche in Rhüden am Samstag den Sound und die Klangfülle einer kompletten Band. So viel Live-Erlebnis bekommt ein Publikum heute nur sehr selten geboten.
Tobias Tiedge, Tilmann Weiss, Christian Thiemig, Sascha Rittgerodt und Martin Jordan – besser unter dem Band-Namen „Fünf vor der Ehe“ bekannt – haben drei Dinge gemeinsam: sie sind attraktiv, auf dem Heiratsmarkt noch zu haben und unglaublich musikalisch. Vielleicht ist es gerade diese Mischung von Eigenschaften, die ihnen ihre Strahlkraft verleiht. Denn nur sehr selten ist es bislang gelungen, das Rhüdener Gotteshaus durch ein Konzert-Angebot bis auf die Empore zu füllen.
Auf dem breit gefächerten neuen Premiere-Programm stand ein frischer Mix aus traditionellen Weihnachtsliedern, die in teils überraschenden Variationen dargeboten wurden, und jahreszeitlich unabhängigen Ohrwürmern der gehobenen Klasse. Aber auch tänzerische und pantomimische Einlagen rührten tief an die Emotionen des altersmäßig bunt aufgestellten Publikums in der in warmes Licht getauchten St. Martini-Kirche.
Bei derartig hervorragenden Eingangsbedingungen kann es gar nicht anders kommen: Als die quirligen Jungs durch das Seitenportal in die Kirche sprangen, umhüllte sie eine langanhaltende Welle von tosendem Applaus. Schließlich waren sie in Rhüden keine Unbekannten: Sascha stammt aus dem schönen Ort und die Band war vor zwei Jahren schon einmal hier. Daher waren die Konzertbesuchenden schon innerlich vertraut mit dem varianten-reichen Programm, das sie zu erwarten hatten.
Im ersten Teil des rund zweistündigen Live-Events waren Titel wie „Marry Christmas“ sowie weitere vorweihnachtliche Melodien zu hören. Als frische Auflockerung veranstaltete die Band noch zwei Wettbewerbe: Zum einen verdingten sie sich aus dem Publikum Franziska Müller, die in der Pause möglichst viele E-Mail-Abonnenten für die eigene Zeitschrift oder den Newsletter zusammentragen musste. Da ihr das dann auch gelang, wurde sie mit einer brandneuen CD mit den aktuellen Stücken belohnt. Zum anderen wetteiferten Til und Sascha um die Frage, wer von beiden wohl tiefer singen kann. Til, der von der Stimmlage her eher im Bereich eines hellen Tenors anzusiedeln sein dürfte, gab sich alle Mühe und schaffte es bis hinab zu einem freundlichen Brummen im mittleren Bass-Bereich. Sascha besaß die freundliche Frechheit, mit seiner unglaublichen Bass-Stimme da anzusetzen, wo Til mühevoll aufgegeben hatte, und sattelte eine satte Oktava nach unten noch oben drauf.
In der Pause bewirtete der „Girls-Club“ der evangelischen Kirchengemeinde Konzertgäste mit heißen Getränken im Martin-Luther-Haus.
Im Anschluss daran kehrten die Gäste wieder in die gut beheizte Kirche zurück und freuten sich auf die zweite Hälfte des Konzerts. „Das wird mein Jahr“, war die Botschaft dieses Teils. Daneben ging es auch um das Thema des Erfolgs. Zu viel Erfolg ist schlecht – so einer der Titel. Und zwar für diejenigen, denen es dadurch schlechter geht. Ein sozialkritischer Ansatz, der vollständig in den vorweihnachtlichen Rahmen passte.
Am Ende des Konzert-Abends standen nach lang anhaltendem Applaus natürlich noch zwei Zugaben ins Haus. Danach sangen alle gemeinsam noch das Lied „Stille Nacht“. Währenddessen hatten sich alle schon von ihren Plätzen erhoben, um die „Fünf vor der Ehe“ um „Fünf vor halb Zehn“ mit Beifall zu verabschieden.