Jetzt bleibt viel Zeit fürs Angeln und Trike-Fahren

Der eine geht, der andere kommt: Der Leiter des Polizeikommissariats Seesen, Erster Polizeihauptkommissar Helmut Fischer (Mitte), mit dem scheidenden Stationsbeamten in Rhüden, Klaus Nordmann (rechts), und dessen Nachfolger Axel Koch.

Polizeioberkommissar Klaus Nordmann geht in den Ruhestand / Axel Koch künftig Stationsbeamter in Rhüden

Meine Berufswahl habe ich nie bereut; ich würde mich heute wieder genauso wie damals entscheiden“, sagt Klaus Nordmann. Und das will schon was heißen nach sage und schreibe 42 Dienstjahren. Mit Ablauf des Monats August hängt Nordmann seine Polizeiuniform an den Nagel. Jetzt locken die Wonnen des wohlverdienten Ruhestands.
Polizeivollzugsbeamter? Das stand zunächst gar nicht auf dem beruflichen Wunschzettel von Klaus Nordmann. Er, der seinem Heimatdorf Bornum am Harz bis heute die Treue gehalten hat, absolvierte nach der Schulzeit erst einmal eine Lehre als Maschinenschlosser. Erst danach, mit 20 Jahren, ging’s zur Polizeiausbildung nach Hann. Münden. Schon 1972 begann Nordmann schließlich seine Tätigkeit im Streifendienst beim Polizeirevier in Seesen. Als zwölf Jahre später bei der Polizeiaußenstelle Rhüden Gustav Hille in den Ruhestand verabschiedet wurde, nahm Klaus Nordmann seine Stelle ein. „Das war genau am 25. Juli 1984“, erinnert sich der Ordnungshüter und schaut vorsichtshalber nochmal im persönlichen Aktenordner nach. Ordnung muss schließlich sein.
Seit dieser Zeit gehört Klaus Nordmann zu dem größten Seesener Stadtteil so charakteristisch dazu wie die Nette oder der St.-Martini-Kirchturm. Ein Großteil der Einwohner nennt ihn beim Vornamen, die jüngere Generation begrüßt ihn auch schon mal mit „Onkel Klaus“, bei wieder anderen ist er einfach nur der „Orts-Sheriff“. Wie viele Verkehrsunfälle und Sachbeschädigungen er aufgenommen und wie viele Laternenumzüge er absichernd begleitet hat, wie oft er zu Stift und Formular griff, um den nötigen „Papierkram“ – wenn nötig auch mal über die Dienstzeit hinaus – zu erledigen, und wie hoch die Zahl der angeforderten Hilfeleistungen war, das weiß der künftige Ruheständler natürlich nicht genau. Manche Vorkommnisse aber sind im Gedächtnis haften geblieben. Dazu zählen die ein oder andere Verfolgungsfahrt oder Geschichten wie die eines jungen Mannes, der in einer Rhüdener Gaststätte ein wenig zu tief ins Glas geschaut hatte und den Heimweg antreten wollte. Es war ein später Winterabend und draußen herrschten etwa 20 Grad minus, als der Mitbürger im Dunkeln wohl die Hildesheimer Straße mit der Nette verwechselte und prompt auf Tauchstation ging. In die Kneipe, vor der er völlig durchnässt und halb erfroren Einlass begehrte, ließ man ihn nicht mehr hinein und so suchte er Zuflucht in einer Telefonzelle an der Großen Brücke. Von dort nahm man ihn mit zum Polizeirevier nach Seesen, wo der Durchfrorene derart zitterte und mit den Zähnen klapperte, dass er die ihm angebotene heiße Tasse Kaffee glatt verschüttete.
Und was fängt der Pensionär nun mit der vielen Freizeit an? „Langeweile wird bestimmt nicht aufkommen“, betont Nordmann. Das glaubt man ihm gern. Vor etwa einem Jahr hat er sich ein Trike zugelegt, also ein motorradähnliches Fahrzeug mit einem Vorderrad und zwei Hinterrädern. Und das will schließlich auf der Straße bewegt werden. Außerdem ist Nordmann schon seit langer Zeit begeisterter Angler. Diese Leidenschaft verbindet der Petrijünger auch gern mit Reisen, beispielsweise nach Mecklenburg-Vorpommern. Dafür bleibt nun endlich genügend Zeit.
Nicht minder bodenständig und im Vorharz verwachsen wie Klaus Nordmann ist sein Nachfolger als Stationsbeamter in Rhüden, Polizeikommissar Axel Koch. Der gebürtige Kirchberger, der auch heute noch in dem Seesener Stadtteil wohnt, ist ein äußerst erfahrener Ordnungshüter. Er hat mittlerweile schon 32 Dienstjahre auf dem Buckel. 1980 begann er seine Ausbildung in Hann. Münden und trat im Februar 1983 den Einzeldienst in Celle an, bevor es ein Jahr später zur Autobahnpolizei Braunschweig ging. Im Jahr darauf gründete er die damalige Verkehrspolizeistaffel Salzgitter mit, und 1986 schließlich nahm er seine Tätigkeit im Streifendienst in Seesen auf. Dort blieb der zweifache Familienvater dann fast 20 Jahre. Mitte 2005 zog es Koch beruflich in die Kreisstadt, genauer gesagt zum Zentralen Kriminaldienst der Polizeiinspektion Goslar. Im 2. Fachkommissariat befasste er sich vor allem mit Rauschgiftdelikten.
„Jetzt bin ich erstmals seit sieben Jahren wieder in Uniform“, sagt Axel Koch, der sich auf seine neue Aufgabe in Rhüden sichtlich freut. Offiziell wird der Wachwechsel in Rhüden zwar erst am 1. September vollzogen, doch die Übergabe der Amtsgeschäfte lief schon während der vergangenen Wochen. Da musste beispielsweise über laufende Vorgänge gesprochen und auch mit den Ansprechpartnern vor Ort der Kontakt gesucht werden. Außerdem wurde die Übergabe genutzt, um die Räumlichkeiten der Polizeistation Rhüden in der Katelnburgstraße 14 einmal gründlich zu renovieren.
Die Geschäftszeiten der Dienststelle sind montags bis freitags jeweils von 8 bis 16 Uhr, Telefon (05384) 370.