Lag es an Oktopus Paul, dass wir nicht gewinnen konnten?

Am vergangenen Mittwoch erlebte die Rhüdener Fan-Gemeinde im Schein der Abendsonne im fantastischen Freiluft-Ambiente des Pfarrgartens wieder einen durch und durch spannenden Fußball­abend. Der einzige Haken dabei war, dass Deutschland nicht den Weg in das von allen sicher geglaubte Finale geschafft hatte. Ob es an der dusseligen Krake, die erstmalig gegen das Weiterkommen der Deutschen ihren nationalfarbigen Fraß herunter-oktopussiert hatte, ob es am Fehlen des gelbgesperrten Thomas Müller, am fehlenden Vor-Kapitän Michael Ballack oder an der Einwechselung von Mario Gomez in der zweiten Halbzeit lag, wollte kaum jemand, weder im Vorfeld noch im Nachhinein, letztgültig beantworten. Fakt nach 90 Minuten war: Wir werden demnächst wohl wieder mehr Fisch als Fleisch essen, in der Hoffnung, dass „Oktopussi“ bei der kommenden Europameisterschaft durch natürliches Ausscheiden seine Bannkraft verloren hat.
So viel zu den Munkeleien am Biertisch. In Wahrheit haben die meisten Fans, nachdem sie ohne Abendbrot zu Bett gegangen waren, die Fakten letztlich nüchtern und fachgerecht beurteilt. Die Deutsche National-Elf hat unter Kapitän Philipp Lahm und Bundestrainer Jogi Löw einen fantastischen Job gemacht. Immerhin ist es die seit Jahrzehnten jüngste Nationalmannschaft, die die Welt gesehen hat. Man bedenke dabei auch, dass die meisten Spieler zwar über reichlich Bundesliga-Erfahrung verfügen, aber ansonsten noch nie im Rampenlicht eines fernen Kontinents und unter allerschärfster Medienverfolgung die gesammelten Emotionen ihres heimischen Millionenpublikums erfolgreich zu bedienen hatten.
Eine Aufgabe, die Jogi Löw zwar durch die gesamte Vorrunde bis ins Halbfinale aller bestens bedient hatte. Doch dann kamen die „Torero-Jabulanis“. Wer deren kläglichen Ergebnisse – man denke nur an die desaströse Hitzfeld-Begegnung gegen die Schweiz – einigermaßen nüchtern mit angesehen hatte, sah im Vorhinein Deutschland – wie etwa gegen Erzrivale England und Angstgegner Argentinien – kurz nach dem Halbfinal-Spiel das Flugzeug für die Heimreise besteigen.
Ein „drei zu null“ oder gar ein „vier zu eins“ hatten die Sachkundigen daher siegesgewiss im Vorfeld der dann leider tragisch endenden Begegnung bereits fest in ihre Wett-Listen eingetragen.
Entsprechend gut gelaunt und siegessicher erschienen dann rund 200 schwarz-rot-gold Geschminkte und ebenso Beflaggte, um die frischgezapften Braumeister-Pokale zu leeren und leckere Brezeln sowie Knusper-Griller zu verspeisen. Doch dann kippte die Stimmung, als das erste Tor für die Spanier fiel. Knallhart traf in einem taktisch geprägten Rumpel-Spiel Spaniens Abwehrspieler Carles Puyol in der 73. Minute nach einer Ecke per Kopf das heilig gehütete „Eckige“ von Manuel Neuer. Anstelle der ansonsten bis in den ganzen Ort zu hörenden Jubelschreie, die viele bei ihrer Gartenparty über den aktuellen Spielstand informiert hatte, herrschte nunmehr eisiges Schweigen, begleitet von gedrückten Minen.
Alle Versuche, das Publikum zum Fahnenschwenken und weiteren Hobby-Magie-Ritualen anzuheizen, nutzten (nach kurzem Aufflackern der Hoffnungen) am Ende dann doch leider nichts. Deutschland ist einfach raus! Jedoch: Jogi Löw und sein „Hunnensturm“ fahren noch nicht nach Hause. Denn sie müssen noch einmal tun, was sie absolut professionell können: Fußball spielen. Und das tun sie auch, bevor sie alle in den Urlaub (und leider nicht zu einem Empfang nach Frankfurt) fahren. Es geht am heutigen Sonnabend gegen Uruguay um den 3. Platz.
Dieses kleine Finale sowie das Endspiel am Sonntag überträgt der Rhüdener Kirchenvorstand in der gewohnten und von der Dorföffentlichkeit geschätzten Qualität im Rahmen des Public Viewings jeweils um 20.30 Uhr. Die Infra-Struktur steht natürlich schon rund eine Stunde vorher parat, damit man sich bei der Vorberichterstattung angemessen auf die jeweiligen Events einstimmen kann.
Etwas unklar ist derzeit noch die Übertragungsmöglichkeit der nächsten Weltmeisterschaft. Sie findet bekanntlich im Jahr 2014 in Brasilien statt. Man kann aus Deutscher und Europäischer Perspektive aufgrund der enormen Zeitdifferenz nur hoffen, dass die (europäischen) Sponsoren dafür sorgen, dass wir in vier Jahren nicht nachts um zwei Uhr ganz allein und völlig übernächtigt „in die Röhre“ gucken müssen.