Stolpersteine auch in Rhüden verlegt

Stolpersteinverlegung „Auf den Steinen“: Im Mittelpunkt der Künstler Gunter Demnig. (Foto: Koch)

Aktion „Gegen das Vergessen – aber für die Mitmenschlichkeit“ mit Künstler Gunter Demnig

Am vergangenen Montag wurden am frühen Abend drei Stolpersteine auf den Straßenzügen „Auf den Steinen“ und „Schlackenstraße“ für Hermine Bierwirth, geborene Oppenheimer, sowie für Hermann und Rudolf Plaut verlegt. Mit dabei: der Eventkünstler Gunter Demnig aus Köln.
Gunter Demnig erinnert mit seiner durch Sponsorengelder finanzierten Aktion an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing auf dem Bürgersteig einlässt. Inzwischen liegen solche Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas.
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagte Gunter Demnig vor Ort. Und: „Mit den Steinen vor den Häusern bleibt die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.“
Zur Verlegung der Steine waren etliche engagierte Bürger aus Rhüden sowie der Mitinitiator aus dem Seesener Stadtgebiet, Rolf Ballof, erschienen. Auch Seesens Bürgermeister Erik Homann sowie der Rhüdener Ortsrat und weitere Mitglieder Rhüdener Vereinsvorstände, aber auch Mitglieder des Kirchenvorstandes waren mit dabei. Rolf Ballof berichtete zu Beginn davon, dass eigentlich neun Steine hätten verlegt werden können. Aber auch die akribische Recherche im Vorfeld habe leider zu keinen letztlich gesicherten Daten geführt. Erschreckend sei aber, dass unter diesen sechs Namen offenbar auch ermordete Schüler des Jacobson-Gymnasiums gewesen sein müssen.
Ernst Pahl verlas begleitend zur Verlegung der Steine passende Passagen aus dem in Rhüden vielbeachteten Buch der Rhüdener Autorin Lieselotte Dörschel, das sie 1998 im Martin-Luther-Haus bei einer Autorenlesung der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Durch das Rezitieren von Ernst Pahl wurde drastisch deutlich, wo­rum es in Rhüden bei dieser Aktion eigentlich nur gehen kann: Das Oberthema bei der Retro-Perspektive der Zeitgeschichte ist mittlerweile überhaupt nicht mehr eine Art Bilanzierung der Geschichte oder gar eine Abrechnung mit den Mächten der Historie, sondern im Vordergrund steht allein das Menschliche. Dies jedenfalls bezeugten vor Ort diejenigen, die aktuell noch eigene Erinnerungen an die oder Briefzeugnisse aus der genannten Zeit besitzen.
Natürlich sind die Meinungen über diese zweifellos engagierte und der wechselvollen Geschichte Deutschlands geschuldeten Aktion auch in Rhüden geteilt. Aber das gehört zu einer lebendigen Demokratie. Wenn alle Bürger in politischen Fragen immer einer Meinung sind, läuten alle Alarmglocken! Dann nämlich dürften sich Verhältnisse eingeschlichen haben, die an die Zeit erinnern, die schon einmal bedauerlicherweise nicht nur in Rhüden geherrscht hat. Oder anders ausgedrückt: Vergessen kann leicht zur Leichtfertigkeit führen.