Vom „Vaterunser“ zum Schwarzwälder Mädel

Der Schluss-Chor singt das „Vaterunser“.
 
Werner Klauke (links) führte durch das Jubiläumsprogramm.

Kirchenchor Rhüden feiert 75-jähriges Bestehen (und Hans Binders 90. Geburtstag) mit buntem Liedernachmittag

Es ist schon eine steile Vorlage, die der Rhüdener Kirchenchor am Samstag aufs Parkett des wohl singfreudigsten Orts zwischen Nette und Oker aufs Parkett gelegt hat. Satte 75 Jahre hat der stets den kirchlichen Werten treu gebliebene Chor sein quirliges Leben im Konzert der gesellschaftlichen Kräfte entfaltet und sich im Wandel der Gesellschaft ein immer noch fast jugendliches Klima bewahrt. Das liegt nicht zuletzt an zahlreichen Fahrten und Ausflügen, auf die alle, die zu diesem (bisweilen auch erweiterten) Kreis gehören, gern zurückblicken.
Diese Erweiterung wurde auch ins Programm des Liedernachmittags übernommen. Daher musizierten die Sängerinnen und Sänger gemeinsam mit dem Gemischten Chor Germania und dem MGV von 1861 Groß Rhüden. Kirchenchor-Leiter Hans Binder sorgte mit der Einbindung seiner hochmusikalischen Familie schließlich dafür, dass der 90. Geburtstag, den er an diesem Tag begehen konnte, auch privat zu einem sehr gelungenen Fest werden konnte.
Am Vorabend des wichtigen Ereignisses gab es am heißesten Wochenende des Jahres eine Generalprobe in der angenehm temperierten St. Martini-Kirche. Hier zeigten sich die allseits bekannten Mängel, die eine Generalprobe zu einem dann gelungenen Letzt-Auftritt kennzeichnen.
Der nächste Tag zog nach fast tropischer Nacht herauf und mit ihm ein wunderbares Konzert im Rhüdener Gotteshaus. Pünktlich begann Halbzeit eins bei sonniger Laune der rund 100 Besucher, in der Lieder wie „Herr, deine Güte“, „Das Wandern ist des Müllers Lust“ und „Hoch auf dem gelben Wagen“ sowie weitere volkstümliche Weisen, begleitet von Jubilars-Sohn Burkhard Binder am Konzert-Akkordeon, vorgetragen wurden. Durch das Programm führte mit der gekonnten Routine Werner Klauke, langjähriger Vorsitzender des MGV Groß Rhüden.
In der Pause sorgten die Mitarbeitenden der Kirchengemeinde unter der Federführung von Margret Sansone für eine pünktliche und zügige Versorgung der Entspannungssuchenden. Leckere Bratwurst und knusprig aufgebackene Brezeln mundeten allen. Dazu gab es gekühlte Getränke zum angemessenen Preis.
Und dann kamen alle frisch gestärkt „aus der Kabine“ zurück und freuten sich auf die zweite Hälfte der Begegnung. Hier stand zunächst eine kleine Chronik des Kirchenchores auf der Agenda. Werner Klauke erinnerte daran, dass im Jahre 1937 die Gründung durch Pastor Günther Habenicht erfolgte. Von 1939 bis 1945 ruhte die Chorarbeit unter den Kriegswirren. Danach wurde die Arbeit wieder aufgenommen durch den Ortsgeistlichen. Im Jahre 1962 übernahm Dorothea Stolowy Leitung des Chores. 1989 stand die Übernahme des Chores durch Hans Binder zur Diskussion. Da er im Laufe seines wechselvollen Lebens einen Platz im Herzen der Rhüdener Bevölkerung gefunden hatte, waren etwaige Zweifels rasch ausgeräumt. Er war der Mann der Zukunft.
Unter Binders Leitung konnte der Chor ordentlich nachlegen: Im Jahre 2002 stand das Jubiläum 65 Jahre Kirchenchor an, im Jahre 2007 das Jubiläum 70 Jahre Kirchenchor. Und jetzt im Jahre 2012 waren satte 75 Jahre des Bestehens zu würdigen.
Über viele Jahre war Anni Steinemann die „Chor-Mutter“. Zurzeit übt dieses Amt Ingrid Fricke aus. Mitten in diese nostalgischen Überlegungen mischte sich das aktuelle Programm des Nachmittags. Von Regensburg führte die musikalische Reise – quer durch Deutschland – direkt in den Schwarzwald. Am Rhein ist es unter Insidern genau so schön wie in der Lüneburger Heide. Klar durfte die weltoffene Hansestadt Hamburg mit ihrer Hafenstadt und der immer noch nicht vollendeten Elb-Oper dabei nicht fehlen.
Friedjof Pallasdies, der über weite Strecken die Aufgabe des Dirigenten übernommen hatte, sorgte auf seine unnachahmliche Art dafür, dass die Feiernden musikalische Grüße an das Geburtstagskind Hans Binder übermitteln konnten. Und vor dem gemeinsam musizierten Abschlusslied nahmen Anni Steinemann, Margret Sansone und Chormutter Ingrid Fricke die anstehenden Danksagungen vor. Hans Binder, Angelika Minks, Burkhard Binder und Werner Klauke erhielten ein kleines Präsent. Mit geladenen Gästen feierte das Geburtstagskind Hans Binder noch bis in die frühen Morgenstunden in einem Rhüdener Gasthaus das seltene Wiegenfest von 90 oftmals sehr bewegten Lebensjahren.