Willkommen in „Türingen“!

Die zwölf Gemeindemitglieder setzten sich im „Haus am Steinberg“ mit der wirklichen und symbolischen Bedeutung von Türen und Toren vor dem Hintergrund der biblischen Überlieferung auseinander. (Foto: Foto: Koch)

Rhüdener evangelische Kirchengemeinde auf Freizeit in Goslar

Am vergangenen Wochenende fuhren zwölf Gemeindeglieder unterschiedlichen Alters unter der Leitung von Pastor Johannes Koch nach Goslar in das „Haus am Steinberg“, um sich in aller Ruhe vor herrlichster Winterkulisse im Tagungsraum „Pavillon“ einem biblischen Thema zu widmen. Dabei ging es vor allem um die Tür.
In der Tat: Die Tür spielt in der biblischen Überlieferung eine recht zentrale Rolle. Wo immer sie an exponierter Stelle auftaucht, teilt sie mehr als nur zwei Stuben in einer Wohnung oder die Bereiche vor und in einem Haus. Vielmehr öffnet oder trennt sie zwei Welten voneinander.
Am deutlichsten wurde das bei dem Bericht von der Grab­legung Jesu. Hier wird berichtet, dass ein sehr großer Stein vor des Grabes Tür gewälzt wurde, nachdem der Leichnam Jesu in Leinentücher eingewickelt worden war. Das Wickeln in Tücher – an sich ein Akt im Rahmen der Mumifizierung – macht es dem Menschen völlig unmöglich, für den Fall, dass er etwa nur scheintot gewesen sein sollte, sich daraus zu befreien. Und selbst wenn dieses schier Unmögliche dennoch gelingen sollte – der große Stein wäre zum unüberwindbaren Hindernis geworden.
Daher trennt diese Tür das Leben vom sicheren Tod. Kein Wunder also, dass die Frauen, die sich am Ostermorgen zum Grab begeben, nur die einzige Sorge plagt: „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“ Voller Erstaunen stellen sie dann fest, dass er bereits weggewälzt und der Leichnam nicht mehr zugegen war. Dadurch wurde die Tür, die tags zuvor noch Leben und Tod glasklar getrennt hatte, zum Tor zum Leben.
Nachdem sich die Teilnehmenden am Freitag intensiv mit der biblischen Überlieferung beschäftigt hatten, stand am Samstag eine Exkursion in die Goslarer Altstadt auf dem Programm. Hier galt es, in kleinen Gruppen einige der zahlreichen Türen, Tore und Portale mit digitaler Fototechnik einzufangen. Durch die klare Winterluft herrschten hierzu optimale Lichtbedingungen. Bei der nachmittäglichen Präsentation wurde dann deutlich, dass auch im Alltagsleben durch die Jahrhunderte die Haustüren eine wesentliche ästhetische Rolle gespielt haben und viel über das Selbstverständnis der Bewohner auszusagen vermögen.
Natürlich wurden die beiden Abende des Wochenendes zur fröhlichen Geselligkeit genutzt. Schließlich dienen Freizeiten ja auch dazu, die vom Alltagstrott befreite Zeit entspannt zu genießen. Dabei kommt aber der thematische Aspekt dennoch voll zum Zuge und weicht nicht einer allgemeinen Ausgelassenheit.
Am Sonntag feierte die Gruppe dann einen gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst im Tagungsraum, der in kleinen Gruppen inhaltlich sorgsam vorbereitet worden war. Dabei öffnete sich für die Gruppe eine weiter Tür: die Tür zum gemeinsamen Erleben gottesdienstlicher Gemeinschaft. Es ist eben doch ein wesentlicher Unterschied, ob man zuhause in seinem stillen Kämmerlein die Hände zum Gebet zusammenlegt oder ob man vielmehr sein eigenes Leben gemeinsam mit anderen vor Gott bedenkt. Beides hat zweifellos seinen eigenen Ort und sein eigenes Recht. Nur gegeneinander ausspielen sollte man beides auf keinen Fall. Sonst nämlich schließen sich Türen, die doch gerade erst weit aufgestoßen worden sind.