Von Rhüden bis ins Weltall

Detlef Zingel ist Galvaniseur- und Metallschleifermeister. Seine Arbeit hat es bis ins Weltall geschafft. (Foto: Strache)
 
Manfred Böhm ist Unternehmer mit Leib und Seele. Der Senior-Chef zeigt erläutert hier das Präzisions-Gehäuse für Navigationsgeräte auf Schiffen. (Foto: Strache)

Firma Böhm liefert Teile für das europäische Navigationssystem Galileo

Von Maximilian Strache,
Rhüden

In der zweiten Oktoberhälfte war es endlich soweit: Die ersten beiden Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo wurden nach jahrelanger Vorbereitung erfolgreich ins All geschossen. Mit an Bord der Satelliten, die von einer russischen Sojus-Rakete in die Weiten des Alls geschleppt wurden, sind Teile der Rhüdener Firma „Böhm Feinmechanik und Elektrotechnik“.
Manfred Böhm, der die Firma gemeinsam mit seinem Sohn und Nachfolger Dr. Elmar Böhm führt, ist sichtlich stolz auf die Leistungen seines kleinen Unternehmens und seiner Mitarbeiter; prahlen liegt ihm aber nach eigener Aussage fern. „Es ist nicht meine Art unsere unternehmerischen und entwicklerischen Leistungen über Gebühr anzupreisen. Aber als ich den Artikel über den erfolgreichen Start des Galileo-Satellitensystems gelesen habe, dachte ich, dass unser Beitrag zu dieser Entwicklung vielleicht ganz interessant ist“, so Böhm Senior im Gespräch mit dem „Beobachter“.
Dabei ist es bei weitem nicht das erste Mal, dass das Rhüdener Unternehmen einen Beitrag zum Bau von Luftfahrtgeräten leistet. Schon seit den achtziger Jahren sind die Rhüdener mit ihrer Technik am Bau von Satelliten beteiligt. Egal ob bei amerikanischen, russischen oder chinesischen Projekten, an der Vorharzer Fachfirma führt fast kein Weg vorbei.
Das liegt vor allem daran, da die Firma über Herstellungs-Techniken verfügt, die weltweit einmalig sind. Konkret handelt es sich dabei um ein Galvanisierungs-Verfahren, dass unter dem Namen „Boehm-Alstan-Verfahren“ firmiert. Diese Technik ermöglicht es Aluminium so zu bearbeiten, dass es für die Anforderungen in der Raumfahrt geeignet ist.
Aluminium ist vor allem aufgrund seines Gewichtes ein gefragter Werkstoff in der Raumfahrttechnik; die galvanische Bearbeitung von Aluminium ist jedoch relativ kompliziert und galt in Fachkreisen lange als sehr schwer umsetzbar. Dem Rhüdener Unternehmen ist auf diesem Gebiet aber schon vor etwa 50 Jahren der Durchbruch gelungen. Die Rhüdener Fachleute sind in der Lage Aluminium derart zu bearbeiten, dass es nicht nur gelötet werden kann sondern auch mindestens 15 Jahre vor Oxidation geschützt ist.
Konkret liefert Böhm das Gehäuse für das Kreiselsystem, das die Satelliten in der vorgeschriebenen Lage zur Erde hält. Dieses Gehäuse, ein kreisrundes Gebilde mit einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern, wird heliumdicht verlötet und raumfahrtgeeignet vergoldet. Eine Präzisionsarbeit, die neben technischem Know-How auch jede Menge Fingerfertigkeit erfordert. Manfred Böhm spricht bei seinen Mitarbeitern auch von wirklichen „Meistern“ ihres Fachs. „Unsere Meister haben nicht nur den Handwerkstitel erreicht, der sie befähigt Lehrlinge auszubilden. Bei jedem einzelnen unserer Mitarbeiter handelt es sich wirklich um „Meister“ ihre Fachs. Da sind wir sehr stolz drauf“, so der erfahrene Unternehmer.
Neben der Technik für die Raumfahrt ist das Rhüdener Unternehmen aber auch noch in vielen anderen Sparten aktiv. Unter anderem hat „Böhm Feinmechanik“ ein Gehäuse für ein Navigationsgerät entwickelt, dass vor allem in der Schiffahrt zum Einsatz kommt. „Dieses Navigationsgerät ist den herkömmlichen Radarsystem an Bord von großen Schiffen um ein Vielfaches überlegen. Mittels dieses Systems sind sogar Schwimmer auf offener See zweifelsfrei auszumachen“, berichtet der Senior-Chef.
Und auch die weitere umfangreiche Produkpalette ist vor allem durch eines gekennzeichnet: Präzision. Da werden in Rhüden keinerlei Kompromisse eingegangen.