Traurig trotz Goldmedaille

Brieftaubenzüchter Hermann Kelm aus Schlewecke freut sich sehr über den Gewinn einer Goldmedaille. Auf der Kehrseite der Medaille musste er allerdings in dieser Saison den Verlust von 25 Tieren hinnehmen, die von Raubvögeln geschlagen wurden.

Taubenzüchter Hermann Kelm aus Schlewecke verliert in wenigen Monaten durch Raubvögel 25 Tiere

Als Goldmedaillengewinner könnte Taubenzüchter Hermann Kelm eigentlich zufrieden sein mit der abgelaufenen Saison. Doch trotz des Erfolges blickt der Schlewecker auch ein wenig traurig auf die vergangenen Monate zurück. „25 Tiere wurden durch Raubvögel geschlagen.

Das reißt schon eine große Lücke in den Bestand“, erklärt der 74-Jährige. Doch ihm geht es nicht alleine so. Viele andere Züchter haben in der vergangenen Zeit ähnliche Erfahrungen gemacht. „Wanderfalken, Sperber oder Habichte bringen den Taubensport in Gefahr“, ist Hermann Kelm überzeugt.
Einen Grund für die Misere sieht er vor allem in den Auffangzentren und Auswilderungen. Die Tiere würden teilweise keine andere Beute mehr finden. „Sie lauern den Tauben gerade in der Nähe von Waldgebieten auf“, meint der Schlewecker, der sich seit 1969 mit der Taubenzucht beschäftigt. Im Durchschnitt werden von ihm 100 Tiere gehegt und gepflegt.
Die Flugsaison 2014 ist für ihn besonders gut gelaufen. Demnächst wird der routinierte Züchter mit der Goldmedaille des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter ausgezeichnet. Zu verdanken hat er diese besondere Ehrung einer seiner Tauben, die im Juni die 590 Kilometer aus der polnischen Stadt Klodawa in Rekordzeit zurückgelegt hat. An dem Flug beteiligten sich seinerzeit 22 Züchter. Gegen 5.35 Uhr wurden 450 Tauben aufgelassen. Die erste landete dann um 12.55 Uhr wieder in der Langen Straße in Schlewecke. „Die Wetterbedingungen waren bei 16 Grad Celsius sehr gut. Bei schwachem Ostwind konnte es für die Tiere kaum besser laufen“, erläutert der Fachmann. Auch bei den übrigen zwölf Flügen landete Hermann Kelm, der seit vielen Jahren Mitglied im Verein „Auf zum Wohldenberg“ ist, gute Ergebnisse. Sechs Tiere müssen jeweils vorbenannt werden. Dabei handelt es sich um die besten Tauben, die für eine Medaille in Frage kommen. Die drei schnellsten zählen am Ende.
Für Hermann Kelm ist es in seinem langen Leben als Züchter mittlerweile die fünfte Medaille, die natürlich einen Ehrenplatz im Trophäenschrank erhält. Eine Sache liegt ihm sehr am Herzen. Immer wieder kommt es vor, dass sich Tauben verirren und an einem fremden Ort aufgefunden werden. „Jedes Tier muss einen Ring mit der Telefonnummer des Züchters haben“, erklärt der 74-Jährige. Der Finder habe die Möglichkeit, direkten Kontakt mit dem Besitzer aufzunehmen. Auf diese Weise könne sichergestellt werden, dass die Brieftaube wieder den Weg in die Heimat findet – wenn auch nicht in der Luft.