1. Seesener Kopfschmerz Symposium

Die Referenten des 1. Seesener Kopfschmerz Symposium (von links nach rechts): Prof. Dr. Katsarava, PD Dr. Dagny Holle, PD Dr. med. Charly Gaul und PD Dr. Mark Obermann. (Foto: Katharina Hölscher)
 

Mitte Juni hatte PD Dr. med. Mark Obermann, Direktor des Zentrums für Neurologie, gemeinsam mit dem Ärzteverein Seesen zum Fachsymposium in die Asklepios Kliniken Schildautal geladen. Diese Veranstaltungsreihe im Mehrzwecksaal der Klinik gehört zum regelmäßigen Fortbildungsangebot. Mehr als 50 Ärzte, Mitarbeiter und Interessierte waren der Einladung zum hochaktuellen Thema gefolgt.

Renommierte Kopfschmerzexperten aus ganz Deutschland haben die Zuhörer über Neuigkeiten auf dem Gebiet der Migräne- und Kopfschmerzbehandlung Informiert. Den Anfang machte PD Dr. med. Charly Gaul mit neuen Therapieoptionen bei Migräne. Dr. Gaul ist Chefarzt der Migräne- und Kopfschmerzklinik in Königstein und Generalsekretär und Pressesprecher der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)und beschäftigt sich schon seit mehr als 15 Jahren mit der Behandlung von schwierigen und langjährigen Verläufen von Migräne und anderen Kopfschmerzarten. Er berichtete im Rahmen seines Vortrages von neuen und sehr effektiven Medikamenten zur Behandlung von Migräne. Hierbei handelt es sich um Autoantikörper gegen ein schmerzauslösendes bzw. schmerzförderndes Molekül im menschlichen Körper, dem Calcitonin-gene related peptide (CGRP). Anders als bei der Therapie mit Tabletten die zur Migräneprophylaxe täglich eingenommen werden müssen, reichen bei der neuen Therapie eine kleine Spritze unter die Haut alle 14 Tage oder sogar nur einmal im Monat. Besonders für Patienten mit Medikamentenunverträglichkeit oder vielen anderen Therapien erscheint diese neue Therapieform vielversprechend. Herr Dr. Gaul betonte aber, dass die Ergebnisse der großen klinischen Studien erst abgewartet müssen bevor man diese Therapie weiter empfehlen kann.

Der nächste Redner, Herr Prof. Dr. Katsarava, ist Chefarzt im Evanglischen Krankenhaus in Unna und Vize-Präsident der Europäischen Kopfschmerzföderation (EHF) berichtete über die Häufigkeit von chronischen Kopfschmerzen. Etwa 3 Prozent der Allgemeinbevölkerung leide unter täglichem, oder fast täglichem Kopfschmerz – in einer Stadt wie Seesen leben also immerhin 600 Menschen mit chronischem Kopfschmerz. Besonders die Übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Aspirin, Paracetamol, Novalgin, etc. führe nach einiger Zeit selber zu Kopfschmerzen. Wenn Patienten an mehr als 15 Tagen im Monat solche Mittel einnehmen, besteht eine große Gefahr, dass der Kopfschmerz nicht besser sondern sogar schlechter werde. Hier hilft nur eine gute Aufklärung und adäquate Therapie bevor es soweit gekommen ist. Betroffene Patienten würden sich laut Prof. Katsarava zu spät an spezialisierte Neurologen oder Schmerztherapeuten wie im Zentrum für Neurologie der Asklepios Kliniken Schildautal wenden. Bei rechtzeitiger und richtiger Therapie könnte man schlimme Verläufe aber meist verhindern.

Frau PD Dr. Dagny Holle, Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums am Universitätsklinikum Essen berichtete über seltene und kuriose Kopfschmerzformen wie den Cluster Kopfschmerz, den New Daily Persistent Headache (NDPH) und den primär schlafgebundenen Kopfschmerz der auch Hypnic Headache genannt wird. Hierbei kommt es zu dumpf-drückenden Kopfschmerzen, die den Betroffenen jede Nacht um die gleiche Uhrzeit aufwecken und zum Teil über mehrere Stunden andauern können. Tagsüber sind die Patienten vollkommen Beschwerdefrei, werden nachts aber dann wieder vom Kopfschmerz heimgesucht. Linderung bringt häufig eine Tasse starken Kaffee vor dem Einschlafen zu trinken.

Den Abschluss des Symposiums macht dann Herr PD Dr. Mark Obermann, Direktor des Zentrums für Neurologie, der Asklepios Kliniken Schildautal mit den neuesten Therapieoptionen der Trigeminusneuralgie und anderen Gesichtsschmerzen. Während für einige Patienten eine Neurochirurgische Operation hier in der Klinik in Frage kommt, profitieren andere von der rein medikamentösen Therapie. Denn trotz jahrelanger Erfahrung und sehr guten operativen Ergebnissen kommt es manchmal vor, dass Patienten nach mehreren Jahren Schmerzfreiheit, plötzlich doch wieder die typischen, elektrisierenden, einschießenden Schmerzattacken einer Trigeminusneuralgie bekommen. Zurzeit wird hiergegen ein neues Medikament entwickelt, das deutlich besser verträglich aber mindestens genauso wirksam ist wie herkömmliche Medikamente. Die Entwicklung dieses Medikamentes wird von Dr. Obermann schon seit mehreren Jahren aktiv begleitet und er ist sehr gespannt wann die nächsten Studienergebnisse zur Zulassung des Medikamentes fertig sind. Obermann berichtet weiter, dass derzeit der Einsatz von Botulinumtoxin für die Behandlung der Trigeminusneuralgie getestet wird und erste Studienergebnisse hoffnungsvoll erscheinen. Für Patienten mit Trigeminusneuralgie stehen hier jedenfalls gute und wirksame Behandlungsmethoden bereit.