100 Kilometer in 27,42 Stunden quer durch den Harz

   

Fermacell Firmen-Team nahm am Oxfam-Trailwalker teil – Start und Ziel in Osterode - Knapp 310.000 Euro wurden eingenommen

Sie können stolz auf sich und ihre Leistung sein, die sie beim zweiten Oxfam Deutschland Trailwalker – einer 100-Kilometer-Wanderung quer durch den Harz, für die der Veranstalter den Teilnehmern 30 Stunden Zeit gab – erbracht haben: vier Mitarbeiter des Münchehöfer Fermacellwerkes, die am vergangenen Samstag als Fermacell-Greenliner-Team um 7.30 Uhr in Osterode an den Start gingen und nach 27 Stunden und 42 Minuten am Sonntag gegen Mittag glücklich und erschöpft die Ziellinie in Osterode überschritten. Eine 100-Kilometer-Marathon-Wan­derung am Stück mit vielen zu bewältigenden Bergen und Tälern ohne Schlaf und langen Ruhephasen – das ist eine absolute Herausforderung, aber auch eine ganz starke Leistung, wenn man gemeinsam die Ziellinie überschreitet.
Die vier Mitarbeiter von Fermacell, das sind Harald Ahfeldt (56 Jahre alt) aus Münchehof, Kai Strobel (40) aus Bad Grund, Andreas Mau (38) und Cord Meyerhoff (37). Und als Supporter, also Betreuer und Versorger des Teams, fungierten die Münchehöfer Heinrich Rohlfs und Ingo Walter.
Oxfam ist eine gemeinnützige Vereinigung mit weltweiten Standorten, die viele verschiedene Projekte initiieren und durchführen, um das Elend/ die Armut auf dieser Welt zu lindern. Unter anderem werden weltweit diese 100-Kilometer-Marathon-Wanderungen durchgeführt, von Osterode quer durch den Harz zum zweiten Mal und der Termin für den dritten Trailwalk von Osterode aus steht auch schon fest (8./9. September 2012). Um am Trailwalk teilnehmen zu können, muss jedes Team, das aus vier Personen besteht, mindestens 2000 Euro als Spende vorweisen. Durch diese Spenden ergibt sich für dieses Jahr eine Einnahme von fast 310.000 Euro für Projekte zur Existenzsicherung in Afrika und Asien. Wer mehr über die zahlreichen Aktionen von Oxfam wissen möchte, kann sich im Internet unter www.oxfam.de einen sehr guten Überblick verschaffen.
Was bewegt Menschen, eine solche Strapaze auf sich zu nehmen. Für den Stauffenburger Harald Ahfeldt, der im Leitstand des Fermacellwerkes Münchehof arbeitet, war es einerseits die Herausforderung eines solchen Gewaltmarsches, andererseits die Möglichkeit, einen gemeinnützigen Zweck zu unterstützen. Er sprach Geschäftsführung und Marketingabteilung des Fermacellwerkes an und fand hier die nötige Unterstützung, was den finanziellen Rahmen und die Ausrüstung betraf. Die Akteure, auf die die harten 100 Kilometer zukommen sollten, waren schnell gefunden. Kai Strobel, ebenfalls aus dem Münchehöfer Fermacellwerk sowie Cord Meyerhoff und Andreas Mau, beide aus Braunschweig und im Fermacell-Info-Zentrum Bad Grund tätig, sagten sofort zu.
Eine derartige Strecke ohne Training zu absolvieren, ist kaum möglich. Allerdings wurde die Zeit knapp. Am 26. Juni wurde mit einem 20-Kilometer-Marsch im Harz gestartet, am 21. August mit einer fast 50 Kilometer langen Strecke vom Torfhaus über Schulenberg, Hahnenklee und Wildemann zum Prinzenteich der Höhepunkt der Vorbereitung erreicht. Da wussten alle, was auf sie zukommt, denn schon diese 50 Kilometer hatten es in sich.
Sehr wichtig ist beim 100- Kilometer-Trailwalk die Ausrüstung, die richtigen Schuhe, die erforderliche Bekleidung, die Trekking-Stöcke und ein funktionierendes Betreuerteam. Trekkingstiefel oder –schuhe sowie bequeme, hochwertige Turnschuhe kommen in Frage. Andreas Mau bevorzugte robuste Turnschuhe, ein Paar zum Wechseln, und Kompressionsstrümpfe, wie sie vielfach zu sehen waren, während die anderen Teammitglieder Wanderstiefel als für sie bessere Lösung wählten. Trekkingstöcke, von vielen vielleicht belächelt, sind ein wesentliches Hilfsmittel bei langen Steigungen und Abgängen. Außerdem helfen sie bei unwegsamem Gelände und matschigem Untergrund. Das Supporterteam mit Heinrich Rohlfs und Ingo Walter hatte alle Hände voll zu tun, die „Wanderer“ zu verpflegen und zu versorgen. Ein fast genauso anstrengender Job, wie direkt auf der Strecke zu sein.
Alle fieberten dem Start am 3. September zu. Tags zuvor war Anmeldung in der Stadthalle in Osterode, Startnummern, Zeiterfassungs-Chip und GPS-Sender für alle wurden empfangen. Am Samstag starteten 130 Teams, also 520 Wanderer/Läufer. Da herrschte ein ganz schönes Gedränge, aber der Veranstalter hatte natürlich auch mit der nötigen Erfahrung alles professionell geplant und so konnte es beginnen. Auch das Fermacell-Greenliner-Team um Harald Ahfeldt ging die Strecke gespannt, mit dem nötigen Respekt und nicht ganz ohne Bangen, was da auf einen zukommt an.Über Hanskühnenburg, Altenau, Torfhaus, Schulenberg, Wildemann und Buntenbock, ging es bergauf und bergab. Das Fermacell-Greenliner-Team hatte seine Geschwindigkeit nicht zu hoch angesetzt, schwierig waren die langen Aufstiege zur Hanskühnenburg und von Altenau zur Wiese am Lichtenborn. Beim Check-Point 4 (CP 4) in Schulenberg sollte es warmes Essen geben. Das war leider schon ausgegangen, als das Team dort eintraf. Neben diesem Manko muss insbesondere noch bemängelt werden, dass bei den CP zu großes Gedränge herrschte und kaum Möglichkeiten des Ausruhens vorhanden waren.
Nun wurde es langsam dunkel. Der Start war um 7.30 Uhr und 50 Kilometer steckte dem Team schon in den Füßen. Über Kreuzeck durch das sehr schlecht zu gehende Pisstal ging es weiter nach Wildemann. Hier machten Müdigkeit und Dunkelheit dem Team besonders zu schaffen. Cord Meyerhoff musste mit einer dicken Blase am Hacken von DRK-Kräften versorgt werden und Kai Strobel hatte mit Müdigkeit und Muskelverhärtungen zu kämpfen. Und noch lagen circa 30 Kilometer vor dem Team. Hier zeigte sich der ausgezeichnete Teamgeist und der Wille, als Viererteam auch tatsächlich ins Ziel zu kommen. Cord Meyerhoff wurde ein kleines Nickerchen gegönnt und das Team bereitete sich in Wildemann mit einer fast 90minütigen Pause auf das Finale vor.
Das Wetter hatte es bisher mit den Teilnehmern gut gemeint. Es herrschten angenehme Außentemperaturen. Jetzt setzte allerdings ein Nieselregen ein, aber der konnte den Teams auch nicht mehr sehr viel zusetzen. Das Fermacell-Greenliner-Team erreichte als 98. Mannschaft nach 27:42 Minuten das Ziel in Osterode, Stadthalle, wo ein Massenan­drang herrschte. Viele, viele Interessierte wollten den Zieleinlauf sehen. Nur 78 Viererteams, von 130 gestarteten, erreichten komplett das Ziel. Es gab doch sehr viele Ausfälle aus den verschiedensten Gründen (Blasen, Krämpfe, Muskelschmerzen und Kreislaufproblemen). Glücklich, erschöpft und mit den Kräften nahezu am Ende war sich das Fermacell-Greenliner-Team einig, eine mannschaftliche Höchstleistung vollbracht zu haben. Auf die Frage, ob das Team im nächsten Jahr wieder teilnimmt, sagte Harald Ahfeldt allerdings: „Wenn ich die Frage jetzt beantworten soll, dann eher nein“. Das zeigt, welchen Strapazen die Teilnehmer ausgesetzt waren. Die reine Laufzeit des Teams betrug 19 Stunden 30 Minuten. Das Siegerteam „Die Waldgeister – Das Runners Wordteam“ ein professionelles Joggerteam, kam bereits kurz nach Mitternacht in 16 Stunden 31 Minuten ins Ziel. So hoch waren die Ansprüche der Greenliner nicht – ankommen hieß die Devise. Ein unvergessliches Ereignis.
100 Kilometer in 30 Stunden quer durch den Harz: Das ist ohne Vorbereitung auch für gut Trainierte kaum zu schaffen. Mit der entsprechenden Vorbereitung und einigem Training kann die Strapaze erheblich gelindert werden.
Das Fermacell-Greenliner-Team hatte sich gut vorbereitet und ist deshalb auch komplett über die Ziellinie gekommen. Neben den 520 Starten und 250 Supportern haben 350 freiwillige Helfer aus den verschiedensten örtlichen Einrichtungen und Vereinen die Durchführung der Veranstaltung ermöglicht. Auf ein Neues im nächsten Jahr.