112 Millionen Euro für 13 Kilometer

Im Bereich der Anschlussstelle Seesen schlängelt sich der Verkehr derzeit auf einer Fahrspur. (Foto: Hinz)
 
Christine von Velsen, zuständige Projektleiterin für den Ausbau des zweiten Teilstückes im Geschäftsbereich Gandersheim der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Stephan Fürsten, Leiter der Autobahnmeisterei Seesen und Ralf Trümper, der für die Projektsteuerung des A 7-Ausbaus in diesem Teilabschnitt verantwortlich ist, präsentieren einen Querschnitt der Fahrbahn – es wird offenporiger Asphalt verwendet, der geräuschärmer ist.

Sechsspuriger Ausbau der A 7 zwischen Bockenem und Seesen stellt Autofahrer weiterhin auf die Geduldsprobe

„Autobahn 7: Zwischen den Anschlussstellen Rhüden und Seesen staut sich der Verkehr auf einer Länge von sechs Kilometern“.

Autofahrer hassen solche Meldungen aus dem Verkehrsfunk, und hegen stets die Hoffnung nicht von ihnen betroffen zu sein. Doch wer die Bundesautobahn 7 im Bereich der Anschlussstellen Seesen und Rhüden passieren muss, der ist inzwischen seit etwas mehr als zwei Jahren leidgeprüft, denn so lange schon wird am sechsstreifigen Ausbau auf diesem Teilstück gearbeitet.
In den zurückliegenden 24 Monaten wurden Bäume gefällt, Brücken abgerissen und neu gebaut, die Fahrbahnen provisorisch verbreitert, Lärmschutzwände aufgebaut und vieles mehr.
Insgesamt werden sich die Kosten allein in diesem Bauabschnitt auf rund 112 Millionen Euro belaufen. Auf der Baustelle ist aktuell Halbzeit. Die Ausbau­­-strecke beträgt rund 13 Kilometer. Christine von Velsen, zuständige Projektleiterin für den Ausbau des zweiten Teilstückes im Geschäftsbereich Gandersheim der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, erklärt gegenüber dem „Beobachter“: „Als Projektleiterin bin ich mit dem Baufortschritt hochzufrieden, auch wenn es vereinzelt Schwierigkeiten gab wie beispielsweise beim Bau der Brücke entlang der K 53 zwischen Bornhausen und Mechtshausen. Das gehört aber nun der Vergangenheit an. Im Großen und Ganzen liegen wir weiter voll im Zeitplan.“
In einem gemeinsamen Pressegespräch mit Stephan Fürsten, dem Leiter der Autobahnmeisterei Seesen und Ralf Trümper, der für die Projektsteuerung des A 7-Ausbaus in diesem Teilabschnitt verantwortlich ist, wurde deutlich, dass die Erweiterung der Autobahn auf sechs Fahrspuren ein Projekt ist, das den Verantwortlichen ein Höchstmaß an organisatorischem Geschick abverlangt – vor allem auch, weil der fließende Verkehr so wenig wie möglich beeinträchtigt werden soll.
Der Abriss von allein fünf Brücken lässt erahnen, dass das nicht so einfach ist. Kein Wunder also, dass in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Beeinträchtigungen auftraten und die Autobahn bei Seesen fester Bestandteil der Verkehrsmeldungen ist.
So musste die Auffahrt Seesen bereits mehrfach gesperrt werden. Auch bis zum Wochenende stehen aufgrund von Bauarbeiten wieder Vollsperrungen bevor. Diese sogenannten verkehrslenkenden Maßnahmen sind aber unumgänglich. Schließlich ist die Autobahn 7 die längste und wohl wichtigste Nord-Süd-Verbindung in der Bundesrepublik. Im Transitland Deutschland hat die A 7 eine außerordentliche Bedeutung für den internationalen und überregionalen Verkehr.
Um die Anwohner entlang des Teilstücks künftig so wenig wie möglich mit dem Lärm der Autobahn zu belästigen, werden Schutzmaßnahmen getroffen. Dazu zählt die Verwendung von offenporigem Asphalt (OpA) und der Bau von Lärmschutzwänden. Über dieses Vorhaben wurden die Anlieger – beispielsweise die Einwohner aus Bilderlahe – bereits informiert.
Und auch in Sachen Umweltschutz wird einiges getan. Um die Beeinträchtigung durch Schadstoffe zu verringern, werden die Böschungen entlang der Fahrbahn mit Gehölzen bepflanzt. Und zur Vermeidung von Verschmutzungen und Überlastungen der Gewässer werden mehrere Regenrückhaltebecken errichtet.
In Spitzenzeiten sind bis zu 100 Personen an den Arbeiten in dem Teilabstück beschäftigt. Wenn alles nach Plan läuft, werden die Bauarbeiten im Südabschnitt zwischen der Anschlussstelle Seesen und der Tank- und Rastanlage in diesem Jahr fertiggestellt sein. Restarbeiten folgen im Jahr 2015. Das endgültige Ende der Baumaßnahme zwischen Bockenem und Seesen ist für Mai 2016 avisiert. Das sind noch mehr als eineinhalb Jahre – Zeit die gebraucht wird, um den Streckenabschnitt auf sechs Autobahnspuren zu erweitern. Zwar wird im Detail geplant, aber natürlich gibt es auch immer wieder unvorhergesehene Ereignisse, die die Arbeiten beeinflussen. Beispielsweise die Witterung. So gab es in diesem Sommer bis in den Juli hinein verhältnismäßig viel Regen, der das Aufbringen der Asphaltschicht verzögerte. Und wenn es im Baustellenbereich kracht, dann kann auch nicht weitergebaut werden. Die Unfälle sind zwar zurückgegangen, auch weil die Planer darauf Acht geben, dass die Autofahrer möglichst selten die Fahrspuren wechseln müssen. Wenn alles fertig ist, werden schließlich noch die Baustraßen zurückgebaut und die beanspruchten Flächen in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt.
Bis dahin sind es aber noch fast zwei Jahre hin. Und so lange müssen sich die Autofahrer, die die A 7 tagtäglich nutzen, noch in Geduld üben.