„2. Seesener Lachnacht“ beim Kulturforum

2. Seesener Lachnacht begeistert das Seesener Publikum

Die Seesener Lachnacht 2016 in der fast voll besetzten Aula im Schulzentrum präsentierte fünf komödiantische Künstler als Einzelkämpfer auf einer ungewohnt leeren Bühne: Die Bühnendekoration war bei einem Autounfall auf dem Weg in die Harzstadt – gottlob ohne Personenschaden – wahrhaft „auf der Strecke geblieben“.

Bei den Erwartungen an das Bühnengeschehen, an Sprache, Witz und verarbeitetem Inhalt muss man sich vorab vor Augen halten, dass das Ganze eine „Comedy“-Kollektion und kein „Kabarett“ werden würde. Nach einem „roten Faden“ war also erst gar nicht zu suchen, aber vielleicht im Sinne von „Patchwork“ zwischen den einzelnen, sehr individuellen Kreationen und Kreativen zu unterscheiden.

Ole Lehmann aus Berlin ist als Conferencier der Nahtstellenverknüpfer. Der Schnellsprecher vermischt auf pampige Berliner Art Hartz 4 und Adlon mit der hanseatischen Fröhlichkeit seiner Mutter aus Hamburg: „Wenn Sie von mir heute Abend Niveau erwarten, kommen wir nicht zusammen!“ – Trotzdem funkt es mit ihm im Saal, zugegeben: im ersten Teil mehr als nach der Pause.
Die gelernte „Finanzbeamtin“ Jaqueline Feldmann vertritt dann sozusagen das Vorprogramm des Abends. Zunächst hat sie einige Startschwierigkeiten: Witz ist da, wie aber ihn rüberbringen? Ernster wird es beim „Smalltalk“ mit der ersten Reihe. „Viele Leute hier im Saal haben ein Halbwissen bezüglich Steuern.“ Die Finanzbeamtin klärt auf: „Bei Brutto und Netto handelt es sich nicht um Supermärkte“.

Ole kündigt den nächsten Gast an. Der entwickelt sich dann wohl zum künstlerischen Highlight des Abends beim Seesener Kulturforum: Martin Zingsheim spielt den schüchternen Altkugen, ist sprachlich brilliant und spielt zunächst mit schönen Germanismen, ehe er sich an den Steinway-Flügel setzt und ihn mit einem kurzen Zwei-Verser in vier Takten voll beherrscht. Intellektuelle Fußballkommentare und dazu kardinale Gregorianik sind Ausgeburten blühender Quatsch-Comedy. Ein Medley am Steinway zu den Schlagern der 90er ist eine spielerische Domino-Kaskade zwischen „Paradise“ und „Maschendrahtzaun“.

Dagegen zu bestehen, fällt auch bei den Künstlern nach der Pause nicht leicht. Martina Brandl befasst sich mit Implantationszuschüssen für die Armmuskeln, mit Frauen-, Mode- und Körperproblemen. Gesungen heißt es dann: „Ich lass mir´n QR-Code auf den Arsch tätowieren“ und befasst sich rappend mit der „Haar-Phobie im Schritt“.

Groß kommt dann noch der Kleine raus: Hennes Bender aus Bochum misst 1,62 und erzählt aus seiner Kindheit“ „Als ich klein war…“ Ist Martina Brandl direkt deutlich in ihren Anspielungen, so betont Hennes die Zweideutigkeiten hinter seinen Wörtern.

Zum Schluss geht Ole Lehmanns „Dank an die netten Betreuer“. Das Publikum im Saal beim Seesener Kulturforum geizt nicht mit Applaus, verteilt aber durchaus wertend die Kraft des Applauses auf die Highlight-Künstler. Ganz laut an der Spitze dröhnt er dem Martin Zingsheim entgegen.

Joachim Frassl