21-jähriger Exhibitionist verurteilt

Amtsrichter Rüger verurteilt Seesener Wiederholungstäter zu sechs Monaten auf Bewährung

Seesen. Ein 21-jähriger Seesener musste sich gestern wegen des Vorwurfs, exhibitionistische Handlungen in der Öffentlichkeit vollführt zu haben, vor dem Amtsgericht verantworten. Der junge Mann, der in seinem Alter schon ein stattliches Vorstrafenregister auf dem Buckel hat, ist wegen derartigen Handlungen schon mehrfach auffällig geworden. Zudem wurde er in der Vergangenheit auch wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und der Erschleichung von Leistungen rechtskräftig verurteilt. Am Ende der gestrigen Sitzung verurteilte Amtsrichter Rüger den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.
Die Staatsanwaltschaft legte dem arbeitslosen Seesener zur Last, dass er am 3. Oktober vergangenen Jahres gegen 19.20 Uhr einer 29-jährigen Frau aus Seesen in der Verlängerung der Fürstenhagener Straße bei Münchehof aufgelauert habe und sie grob beleidigte. Dabei spielte er an seinem erigierten Geschlechtsteil herum und fragte sie, „ob sie nicht Bock habe mal so richtig „ge*****“ zu werden.“ Als die Frau auf diese vulgären Äußerungen nicht reagierte rief er ihr zu, „komm her, dann „****“ ich dich mal richtig durch.“
Die Frau drehte sich ob dieser erneuten Beleidigung schockiert um, und sah, dass der Mann mit seinem entblößten Penis in der Luft herumfuchtelte. Angewidert und beschämt trat die 29-jährige Logistikerin schnellstens den Heimweg an. In ihrer Zeugenaussage konnte das Opfer den Tathergang genau so bestätigen. Der Angeklagte war zwar geständig, führte aber an, dass er zum Tatzeitpunkt unter erheblichem Drogeneinfluss gestanden habe. Auf die Frage von Richter und Staatsanwalt welche Drogen er denn konsumiert habe, konnte der Exhibitionist aber nur vage mit „Kräutermischungen“ antworten, die er sich im Internet besorgt hatte.
Staatsanwalt und Richter Rüger werteten diesen Versuch der Rechtfertigung als äußerst schwach. Vielmehr versuchten sie dem 21-Jährigen deutlich zu machen, dass er ein psychisches Probleme habe, das dringend behandelt werden müsse. „Ansonsten kann die Situation bei ihnen schnell kippen“, so Rüger und spielte mit dieser Einschätzung auf ein weiteres Gerichtsverfahren an, das am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit als sogenannte Jugendschutzsache verhandelt wurde. In dieser Verhandlung musste sich der 21-Jährige ebenfalls wegen des Vorwurfs des Exhibitionismus verantworten. Zu einem unwesentlich früheren Zeitpunkt hatte er ein 15-jähriges Mädchen verfolgt, sie bedrängt, beleidigt und ihr ebenfalls seinen erigierten Penis präsentiert. Jugendrichter Stratmann verurteilte den Angeklagten deswegen zu einer dreimonatigen Freiheitsstrafe, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wurde.
Richter Rüger folgte bei seinem Urteil fast vollständig der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese plädierte für eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Als Auflagen solle ein Bewährungshelfer bestellt und Arbeitsstunden geleistet werden. Rüger erweiterte diese Forderung in seinem Urteil noch mit der Auflage, dass sich der Angeklagte binnen einer Frist von sechs Monaten einer ambulanten psychischen Behandlung zu unterziehen habe, um die Wurzel seiner exhibitionistischen Tendenzen zu ergründen. Zudem muss er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit beim Bauhof Seesen absolvieren.