22-Jährigen aus dem Verkehr gezogen

Seesener Fahranfänger verliert wegen vorsätzlicher Gefährdung seinen Führerschein für sieben Monate

Mindestens sieben Monate muss ein 22-jähriger Seesener auf seinen Führerschein verzichten. Ob er überhaupt in der Lage ist, am Straßenverkehr teilzunehmen, scheint nach der Verhandlung im Amtsgericht in Seesen mehr als fraglich.
Der junge Mann war am 5. Juni dieses Jahres auf der Bundesstraße 248 auf dem Weg von Lutter nach Seesen unterwegs und fuhr – warum auch immer – derart langsam, dass die hinter ihm fahrenden Autos zum Überholen ansetzten. Kaum getan, gab auch der Angeklagte in seinem Opel Gas, so dass der Fahrer eines Fiat 500, gezwungen wurde, den Überholvorgang abzubrechen. Der 22-Jährige zeigte dem Paar am Steuer des Fiat den Stinkefinger, bremste dann plötzlich ab, und gab wieder Gas. Das gleiche Szenario ereignete sich kurz darauf, als ein Passatfahrer den Angeklagten überholen wollte. Der Seesener drückte auch diesmal wieder aufs Gaspedal, zeigte erneut den Mittelfinger und zwang den Überholenden, das Manöver abzubrechen.
Was folgte, waren Anzeigen bei der Polizei. Wie ein Polizist des Kommissariats Seesen mitteilte, musste die Vernehmung abgebrochen werden, da der Angeklagte wohl gar nicht verstand, worum es ging. Sein Erinnerungsvermögen war stark eingeschränkt und offenbar war er bereits überfordert zu verstehen, was es bedeute, die Aussage zu verweigern.
Ein vom Gericht beauftragter Diplom-Ingenieur sollte beurteilen, welche Gefahren durch das merkwürdige Verhalten ausgegangen sind.
Dieser stufte die Situation als extrem gefährlich ein, was den Anwalt des Angeklagten, Stephan Barz, veranlasste, die Einschätzungen des Experten zu hinterfragen. Letztlich ohne Erfolg, und so folgte der Vorsitzende Richter Frank Rüger dem Staatsanwalt, der ausführte, dass der Angeklagte die Straßenverkehrsgefährdung bewusst herbeigeführt habe. „Er wollte sein Umfeld disziplinieren“, erläuterte der Staatsanwalt.
Das sah auch Richter Rüger so, der ausführte, dass der Angeklagte, der im Übrigen allein fünfmal durch die theoretische Führerscheinprüfung gefallen war, mit einer simplen Überholaktion im Straßenverkehr schon überfordert gewesen sei. Der Angeklagte gab kleinlaut zu Protokoll, dass er das alles nicht gewollt habe. Warum er so reagiert habe, konnte er nicht stichhaltig erklären. Ihm wird für die Dauer der nächsten sieben Monate der Führerschein entzogen. Aufgrund seines geringen Einkommens von gerade einmal 280 Euro als Aushilfe in einem Supermarkt in Lutter am Barenberge, muss er lediglich eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à fünf Euro bezahlen. Ob er bereits nach sieben Monaten seinen Führerschein zurückbekommt, ist offen, denn die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises wurde über den Vorfall informiert und wird sich genau mit dem Verkehrsverhalten des 22-Jährigen beschäftigen.