24-Stunden in der chirurgischen Versorgung der Klinik

Stillstand gibt es in der chirurgischen Notfallambulanz nicht: Nach einem Verkehrsunfall bringt der Rettungsdienst frühmorgens eine junge Frau mit Schmerzen an der Halswirbelsäule in die Notaufnahme.
 
Kuschelbär „Hubertus“ steht bei den Kuscheltiersprechstunden im Vordergrund. Mittlerweile ist er fester Bestandteil im Team. Das Team (von links): Gesundheits- und Krankenpflegerinnen Janine Englisch und Svenja Simon, Fachärztin Dr. med. Ulrike Krebs, medizinische Fachangestellte Sabine Mädje und Schüler Marian Linnekuhle.
 
Dr. med. Oliver Rittmeyer zeigt sich mit dem Heilungsgrad der verletzten Hand sehr zufrieden.

Am Standort Seesen decken sowohl die chirurgische Notfallambulanz als auch das Medizinische Versorgungszentrums (MVZ) und die Berufsgenossenschaftlichen Sprechstunden von Chefarzt Dr. med. Oliver Rittmeyer zusammen die chirurgische 24-Stunden Versorgung ab. Für einen Tag hat der „Seesener Beobachter“ das Team der Ärzte und Pflegekräfte begleitet.

Ein Bericht von Antonio Mateo, Seesen

Chirurgische Ambulanzen sind zentrale Schnittstellen zwischen ambulanter Versorgung und stationärer Behandlung. Sie sind das ganze Jahr, rund um die Uhr geöffnet um akut erkrankte Patienten und Unfallverletzte zu versorgen. Die Asklepios Kliniken Schildautal bieten neben der Notfallversorgung und stationären Behandlung auch die ambulante Betreuung im Rahmen ihrer Praxis-Sprechstunde des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) an. In diesen Sprechstunden werden allgemeinchirurgische - und unfallchirurgische Krankheitsbilder untersucht und behandelt. Unter der Leitung von Frau Dr. med. Ulrike Krebs und Dr. med. Oliver Rittmeyer hat sich ein eingespieltes Team aus Ärzten, Krankenpflegekräften und Arzthelferinnen entwickelt. „Das neunköpfige Team hat sich in den letzten fünf Jahren bestens auf die speziellen Bedürfnisse hier eingearbeitet und ist zu einer wichtigen Säule in unserem System geworden“, hebt die Ärztin gegenüber dem „Beobachter“ hervor. Die ambulante Versorgung chirurgischer Patienten ist in der Klinik rund um die Uhr sichergestellt. Tagsüber, neben der Versorgung von Arbeits- und Schulunfällen, auch im Rahmen der „Chirurgischen MVZ-Sprechstunde“. Beide Ärzte unterhalten einen gemeinsamen Kassensitz als Fachärzte für Chirurgie. Während der Bereitschaftsdienstzeiten ist immer mindestens ein Facharzt für Chirurgie im Hintergrunddienst erreichbar. Für die Seesener Ärztin ist es selbstverständlich, dass auch Kinder mit Verletzungen oder chirurgischen Erkrankungen behandelt bzw. erstversorgt werden. „Falls erforderlich, erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den umliegenden Kinderkliniken und kinderchirurgischen Abteilungen, sollten speziellere Untersuchungen oder Therapien notwendig werden“, erklärt sie mir. Die medizinische Fachangestellte im MVZ Sabine Mädje kümmert sich um die administrativen Dinge von der Patientenaufnahme bis zu den Abrechnungen. Insbesondere um den „kleinen“ Patienten die Angst vor dem Krankenhaus zu nehmen, werden regelmäßig „Kuscheltiersprechstunden“ für Kindergartengruppen angeboten.

Beide Ärzte kommen am Freitagvormittag direkt aus der Morgenbesprechung und nehmen mich in Empfang. Als erstes hänge ich mich an diesem Tage an Frau Dr. med. Ulrike Krebs dran. Das Wartezimmer hat sich bereits gut gefüllt und es bleibt nicht viel Zeit zum Kennenlernen. Ein „Kasak“ übergestreift geht es sofort los. Doch die Patienten im Wartezimmer müssen sich noch ein wenig gedulden. Bei einem Verkehrsunfall in der Seesener Innenstadt, fährt ein Kurierfahrer fast ungebremst auf das Fahrzeug einer jungen Frau auf. Der Rettungsdienst fährt in diesem Augenblick mit der Verletzten vor. Die junge Frau klagt über Schmerzen an der Halswirbelsäule und wird direkt in der Notaufnahme in Empfang genommen und versorgt. Nebenbei erklärt mir die Ärztin womit wir es zu tun bekommen könnten. Es kommen Patienten mit Schmerzen, Sturzverletzungen, Verkehrs- und Arbeitsunfällen oder einfach mit Verletzungen vom „Heimwerken“ oder „Hausarbeit“ in die chirurgische Ambulanz. Es wird geröntgt, gegipst, Blut entnommen, geschnitten, verbunden, verlegt oder auch stationär aufgenommen. Nach dem die Notfälle versorgt wurden beginnt um 10 Uhr der normale Praxisablauf mit der kassenärztlichen Sprechstunde. Nach und nach sehen wir Patienten, die zur Nachkontrolle nach Knochenbrüchen, Arthrosebeschwerden oder zur Abklärung notwendiger operativer Eingriffe in die Praxis kommen. Auch Patienten mit akuten Beschwerden, die zur Weiterversorgung stationär eingewiesen werden. Die Weiterbehandlung erfolgte dann auf der chirurgischen Station oder in einer anderen Abteilung.

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Nicht immer können die Ärzte sofort helfen, denn die Stellung der Diagnose ist manchmal schwierig. So auch im Fall einer Seesenerin, die mit starken Schmerzen im Wadenbereich in die Sprechstunde kam. Seit Ende Dezember klagt die Patientin über Schmerzen bis hin zu Taubheitsgefühlen. Da ihr Hausarzt im Urlaub war, wählte sie den Gang in die Klinik. Zur sicheren Diagnosestellung waren eine Reihe von Untersuchungen notwendig, von der Kontrolle der Laborwerte bis hin zur Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspintomographie). Diese Patientin müsste stationär eingewiesen werden.

Die nächste Patientin wartete schon im Wartebereich. Vor genau einer Woche hatte sich die 13-jährige Schülerin beim Handballspielen den Finger gebrochen. Dieser Termin zur Nachkontrolle ist einer der vielen Routinefälle, die gleich mehrfach an diesem Tag anfallen. Häufig werden Behandlungen parallel durchgeführt. In einem Behandlungsraum ist die leitende Schwester der chirurgischen Ambulanz Ines Künzel mit Gipsen beschäftigt, während in einem weiteren Behandlungsraum die Ärztin Fäden entfernt. Die 60-jährige Patientin aus dem Oberharz hatte sich bei einer Fahrradtour in Hannover nach einem Zusammenstoß mit einem Verkehrspoller ein Hämatom an der Wade zugezogen, welches abkapselte und chirurgisch entfernt wurde. Anschließend bekommt eine 92-jährige Seniorin eine neue Unterschenkelschiene gegipst, während wieder in einem anderen Behandlungsraum eine Sprunggelenksfraktur behandelt wird. Obwohl in allen Behandlungsräumen versorgt wird, leert sich das Wartezimmer nur unwesentlich, doch bis zum Praxisschluss konnten die Ärzte alle Patienten versorgen. Außerhalb der Praxiszeiten geht die Arbeit für beide Ärzte an einer anderen Stelle weiter.

Nachdem ich nun schon einiges an diesem Tage erlebt habe, interessieren mich die Hintergründe eines kuriosen Arbeitsunfalles den Chefarzt Dr. med. Oliver Rittmeyer gerade behandelt. Auch Patienten nach Arbeitsunfällen, bei denen die Erstbehandlung im Haus erfolgte kommen zur Nachkontrolle, sofern diese nicht der Hausarzt übernommen hat. Vor gut einer Woche hatte eine 45-jährige Seesenerin versucht ein entlaufenes Rind einzufangen. Erst als sie dem Rind das Seil überwarf fiel ihr auf, dass sie keine Handschuhe trug. Die Folge: das kräftige Tier nimmt Reißaus und das Seil schürft durch die rechte Hand. Sie hatte Glück im Unglück, die Fingersehnen wurden dabei nicht verletzt, die Wunden mussten aber in der Notaufnahme versorgt werden. Diesen BG-Arbeitsunfall nimmt Chefarzt Dr. med. Oliver Rittmeyer als „Durchgangsarzt“ unter die Lupe. Er zeigt sich mit dem Heilungsgrad sehr zufrieden und nimmt den Verbandswechsel gleich selbst vor.

In enger Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Haus- und Fachärzten deckt die chirurgische Ambulanz der Asklepios Kliniken Schildautal das gesamte Spektrum der Grund- und Regelversorgung in den Bereichen Unfall- und Viszeral-Chirurgie ab.

Für mich als Journalist, war es ein aufregender Tag in „weiß“. Ich habe an diesem Tag gelernt, dass selbst wenn es aus der Sicht der Wartenden im Wartezimmer nicht schnell genug gehen kann, im Hintergrund pausenlos geholfen wird und Patienten nach Dringlichkeit behandelt werden. Insbesondere Patienten mit stark blutenden Wunden, mit Verdacht auf Knochenbrüche oder Gehirnerschütterung gingen sofort in die Behandlungsräume. Für viele andere ging es wie in jeder Arztpraxis, der Reihe nach. Die vielen „Storys“ hinter den Verletzungen und Beschwerden zeigten mir, wie schnell jeder von uns unvorhergesehen ärztliche Hilfe benötigen kann. Ein beruhigendes Gefühl, dass wir in Seesen auf diese Hilfe „Rund um die Uhr“ zurückgreifen können. Im Gegensatz zur Notaufnahme der Asklepios Kliniken Schildautal, die rund um die Uhr geöffnet ist, hat die Allgemeinchirurgische kassenärztliche Praxis feste Öffnungszeiten. Um längere Wartezeiten zu vermeiden, sollten sie in den Fällen in denen es möglich ist, telefonisch einen Termin unter Telefon 0 53 81 – 74 33 33 vereinbaren.