35-jähriger Seesener ist nicht zu bändigen

Wegen Körperverletzung wurde ein chronischer Straftäter zu drei Monaten Haft verurteilt

Amtsrichter Rüger bekam es am Mittwoch mal wieder mit einem alten Bekannten zu tun. Der 35-jährige Angeklagte aus Seesen hat bereits die Hälfte seines Leben hinter Gittern verbracht und wird offenbar nicht müde, sich nach erfolgter Entlassung stets um einen raschen Wiedereinzug ins Gefängnis zu bewerben. Dies ist ihm auch jetzt wieder gelungen, denn Rüger verurteilte den chronischen Straftäter wegen leichter Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten.
Vor Gericht stand auch ein mutmaßlicher Komplize. Der 37-Jährige Seesener, der erst im Juli vergangenen Jahres nach einer zweijährigen Haftstrafe wieder auf freiem Fuß war, hatte sich aber nichts zu schulden kommen lassen. Er wurde freigesprochen.
Den beiden Angeklagten wurde von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, am 10. Oktober, gegen 17.35 Uhr einen 55-jährigen Seesener auf der Jacobsonstraße grundlos zu Boden geschubst zu haben. Zu Beginn der Verhandlung mussten Richter und Staatsanwalt damit rechnen, dass der Tatvorwurf der leichten Körperverletzung auch als schwere Körperverletzung geahndet werden könnte. Dies hing damit zusammen, dass zwei Männer auf der Anklagebank saßen und eine gemeinschaftliche Körperverletzung von juristischer Seite immer als „schwer“ zu bewerten ist.
Im Laufe der Zeugenvernehmungen stellte sich aber schnell heraus, dass der 37-Jährige sich nicht an der Körperverletzung beteiligt hatte.
Wie es überhaupt zu der Tat gekommen war, schilderten die beiden Angeklagten wie folgt. Bereits um 9 Uhr morgens hatten sie sich mit einem weiteren Freund getroffen und angefangen Alkohol zu konsumieren. Bis zur Tatzeit am späten Nachmittag hatten die drei Saufkumpanen nach eigenen Angaben fünf Flaschen Wodka, eine Kiste Bier und einige Kräuterschnäpse getrunken. Zusätzlich zum Alkohol hatten sich die beiden Angeklagten Heroin gespritzt. An die angebliche Gewaltausübung wollten sich die beiden aber nicht mehr erinnern können. Die Gedächtnislücke schoben sie auf den übermäßigen Alkoholgenuss.
Die Zeugenaussagen brachten dann aber Licht ins Dunkel. Zunächst sagte eine 18-Jährige aus Lutter aus. Sie hatte mit ihren Freunden an der Bushaltestelle gegenüber des Marktkaufes gestanden. Von dort aus konnte sie den Vorfall beobachten und eilte dem Opfer zur Hilfe. Sie identifizierte den Täter ganz deutlich, obwohl dieser weiterhin alles abstritt.
Danach folgte die Aussage des Opfers, einem 55-jährigen arbeitslosen Bäcker. Auch er schilderte den Tathergang wie es zuvor die junge Frau aus Lutter tat. Seinen Peiniger konnte er vor Gericht genau identifizieren.
Staatsanwalt und Richter sahen keinen Zweifel an der Schuld des 35-Jährigen. Aufgrund seiner enormen Vorbelastungen. Der Angeklagte bringt es auf über 30 Voreintragungen, sah Rüger auch keinen Spielraum für eine Bewährung. Deshalb verurteilte er ihn unter Berücksichtigung eingeschränkter Schuldfähigkeit zu drei Monaten Freiheitsentzug. Bereits in der nächsten Woche muss sich der Mann wieder vor Gericht verantworten. Dann geht es um den Missbrauch von Notrufnummern. Mit einem anderen Kumpel hatte er vor einiger Zeit einen Rettungswagen gerufen, der ihn und seinen Freund nach Göttingen chauffieren sollte. Der 37-Jährige wurde freigesprochen, da er nachweislich nicht an der Tat beteiligt war.