35 Prozent der Weizenernte liegt noch auf den Höfen

Auf den Feldern wächst bereits die neue Ernte heran, zu lange sollten die Landwirte mit dem Verkauf nicht mehr zögern

Nach vorläufigen Zahlen des niedersächsischen Landesamtes für Statistik lagerten die Landwirte zum 31. Dezember 2016 noch rund 35 Prozent der Weizenernte in privaten Silos. Unklar ist allerdings, wie viel dieser Ware bereits mit Kontrakten an den Handel verkauft ist und nur auf die Abholung wartet. Auf den Feldern wächst bereits die neue Ernte heran, zu lange sollten die Landwirte mit dem Verkauf nicht mehr zögern, berichtet der Landvolk-Pressedienst. Endgültige Zahlen zur Lagerhaltung werden vom Landesamt für Statistik im Mai veröffentlicht.
„Die Landwirte haben die vergangene Ernte recht zügig verkauft, und es liegt deutlich weniger Weizen im privaten Lager als im Vorjahr mit rund 40 Prozent“, erläutert Werner Bosse. Der Marktreferent des Landvolks Niedersachsen weiß aber auch, dass die private Lagerhaltung zwischen 2010 und 2014 deutlich geringer ausgefallen ist. „In Phasen niedriger und stark schwankender Preise hoffen die Landwirte, durch die Lagerung schließlich noch zu einem besseren Preis verkaufen zu können“, sagt Bosse. Es sei lange Zeit üblich gewesen, das Risiko zu streuen und ein Drittel des Weizens direkt in der Ernte zu verkaufen, ein Drittel mit Kontrakten abzusichern und ein Drittel einzulagern, um in Phasen besserer Preise spontan verkaufen zu können. Inzwischen ist die Risikostreuung durch die Nutzung von Warenterminbörsen und moderner Vertragsgestaltung vielfältiger aber auch komplexer geworden, erklärt Bosse. „Um das Potential ausnutzen zu können, müssen die Landwirte allerdings ständig gut informiert sein, den Markt im Auge behalten und manchmal auch starke Nerven haben“, sagt Bosse.
Bei der Lagerhaltung auf dem Betrieb entstehen zudem Kosten, die bei der Gesamtkalkulation nicht vergessen werden dürfen. Der schließlich erzielte Preis beim Verkauf muss die Kosten mit abdecken. Die Einlagerung während der Ernte auf dem Hof ist aufwendiger, als das Getreide beim Landhändler abzukippen. Die sonnenwarmen Körner müssen gekühlt werden, damit sich kein Kondenswasser und möglicherweise Schimmel bildet. Gegebenenfalls muss das Getreide getrocknet werden. Für beides fallen Energiekosten und Arbeitszeit an. Außerdem ist die Hygiene ganz wichtig. Mäuse oder Spatzen haben im Getreidelager nichts zu suchen. Wenn die Getreidesilos oder das Flachlager geräumt sind, muss alles gereinigt werden und Vorsorge gegen Vorratsschädlinge getroffen werden.