380 kV-Leitung: Auf Leukämiegefahr verwiesen

Wolfgang Schulze erklärte die Bauformen der Masten.
 
Roland Hemmann warnte vor möglichen Leukämiegefahren.

Informationsveranstaltung des Vereins Bürger PRO Erdkabel Harzvorland und Landvolkverbandes NOM/OHA

„Acker verwüstet – Landwirte geprellt?“. Am vergangenen Donnerstag ging es bei einer Infoveranstaltung für Land – und Forstwirte sowie Grund­eigentümer zur geplanten 380 kV-Höchstspannungsleitung in der Billerbecker Schinkenscheune auch um diese Horrorvision. Eingeladen hatten der Verein Bürger PRO ERDKABEL Harzvorland und der Landvolkverband Northeim/Osterode.
Erschienen waren 74 mutmaßlich betroffene Bürger, die ausführlich und kompetent zur Thematik informiert worden seien, heißt es in einer Pressemitteilung der Veranstalter.
Moderiert wurde der Abend gemeinsam von Willi Teutsch und Peter Gosslar, die unter anderen auch Dr. Wilhelm Priesmeier, MdB begrüßen konnten. Und: auch ein Fernsehteam war vor Ort.
Inhaltlich ging es zum einnen um den Vergleich der verschiedenen Systeme bei der Stromübertragung und zum anderen um Fragen rund um das Verlegen von Leitungen auf fremdem Grund und Boden.
In Sachen Technik habe es trotz rechtzeitiger Anfragen bei den namhaften Firmen niemanden gegeben, der sich für eine solche Informationsrunde zur Verfügung stellen wollte. Das spreche für sich, meinte ein PRO Erdkabel-Sprecher. So sei dieser Part vom Vereinsmitglied Wolfgang Schulze übernommen worden; er habe die Besucher umfassend über die einzelnen Techniken, Unterschiede und auch Gefahren und Risiken der Stromübertragung in Kenntnis gesetzt.
Betretene Mienen und auch Zorn hätten sich in den Reihen der Teilnehmer hinsichtlich der Strahlung, die von Wechselstromleitungen im gesetzlichen Rahmen ausgehen dürfe, breit gemacht. Die in Deutschland geltenden Werte seien teilweise um das 250 fache höher als in Nachbarländern wie Holland, Schweden und Schweiz.
Mediziner Roland Hemmann verwies auf die gesundheitlichen Gefahren für Träger von Herzschrittmachern, und rückte besonders die Leukämiegefahr bei Kindern ins rechte Licht. Hier sei klar der Gesetzgeber gefordert, nicht nur Tier- und Artenschutz gesetzlich zu verankern, sondern endlich etwas zum Schutz der Menschen zu tun.
Mit Dr. Volker Wolfram war es den Veranstaltern gelungen, einen Experten für Entschädigungszahlungen bei Infrastrukturmaßnahmen zu gewinnen. Wolfram verfügt über eine langjährige, praktische Erfahrung und ist als vereidigter Sachverständiger tätig.
Ausführlich und anschaulich erläuterte er dem potenziell betroffenen Personenkreis, was bereits im Vorfeld zu veranlassen sei, um juristische Nachteile und Schäden am Eigentum zu vermeiden. Schließlich könne das Verlegen von Versorgungsleitungen schwere Ackerfolgeschäden verursachen. Diese seien häufig auch mit langjährigen Ertragseinbußen verbunden. Zwar würden diese allgemein finanziell abgegolten, aber wie die Praxis zeige, oftmals nur unzureichend.
Wichtig seien entsprechende persönliche Dienstbarkeiten im Grundbuch, die zum Beispiel Wegerechte festlegen, Maßnahmen zum Bau und Betrieb und nicht zuletzt zum Rückbau eindeutig festschreiben würden. Es empfehle sich unbedingt, rechtzeitig Fachleute hinzuzuziehen. In diesem Zusammenhang bot auch Willi Teutsch als Vertreter des Landvolkverbandes Northeim/Osterode Hilfestellung an.