380-kv-Leitung: Kelch geht an Seesen vorüber!

Variante 2 erhält den "Zuschlag" / Mininster Lindemann teilt Entscheidung mit / "HGÜ-Technik keine Alternative"

Seesen / Bockenem / Bad Gandersheim (bo). Die raumordnerische Prüfung der Trassenvarianten für die geplante 380 kV-Höchstspannungsleitung Wahle-Mecklar ist abgeschlossen. Vorweg: Der Kelch ging an Seesen und der Samtgemeinde Lutter am Barenberge vorbei.
Der Niedersächsiche Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, Lindemann, gab am gestrigen Freitag bekannt, dass im Ergebnis der Variante V 2 im nördlichen Abschnitt in Kombination mit Variante A im südlichen Abschnitt als raumverträglichste Lösung der Vorzug gegeben worden sei.
Die geplante Leitung werde dazu dienen, Windstrom von Norddeutschland nach Süden abzuleiten. Sie sei damit ein wichtiger Baustein bei der Umsetzung der Energiewende in Deutschland.
Im Raumordnungsverfahren, so Lindemann, hätten die vom Vorhabenträger, der TenneT TSO GmbH, beantragten fünf Varianten zwischen den Umspannwerken Wahle und Hardegsen und daran anschließend zwei Varianten vom Umspannwerk Hardegsen bis zur Landesgrenze nach Hessen auf dem Prüfstand gestanden.
In die Prüfung und Bewertung seien alle raumrelevanten Belange aus den Antragsunterlagen, aus schriftlichen und mündlichen Stellungnahmen und aus örtlichen und fachlichen Einzelgesprächen einbezogen worden. Dabei sei es neben den energiewirtschaftlichen Aspekten in erster Linie um den Schutz der Bevölkerung und des nahen Wohnumfeldes, um Belange von Natur und Landschaft, des Orts- und Landschaftsbildes und der Land- und Forstwirtschaft gegangen. Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile habe sich Variante V 2 in Kombination mit Variante A durchgesetzt.
Nachdem Varianten 1 und 5 sowie B wegen vielfältiger Probleme verworfen worden seien, habe man im nördlichen Abschnitt zwischen den Varianten 2, 3 und 4 abwägen müssen.
Für Variante V 2 – davon ist die Ambergau-Metropole Bockenem betroffen – spreche, dass sie den Schutz des nahen Wohnumfeldes gewährleiste, wegen der geringen Trassenlänge vergleichsweise weniger Fläche beanspruche, weniger Betroffenheiten auslöse, eine abschnittsweise Parallelführung zur Autobahn A7 erlaube, in bereits durch die Autobahn vorbelasteten Landschaftsschutzgebieten verlaufe und eine Bündelung mit vorhandenen Leitungen zwischen Lamspringe und Bad Gandersheim ermögliche.
Ein Erdkabelabschnitt sei aufgrund von Siedlungsannäherung bei Variante A im südlichen Abschnitt im Bereich Göttingen auf einer Länge von ungefähr sieben Kilometern erforderlich. Kleinräumige Konflikte, zum Beispiel bei Sichelnstein und Laubach, hätten gelöst werden können.
Minister Lindemann machte deutlich, dass die von vielen Beteiligten im Raumordnungsverfahren geforderte Vollverkabelung in HGÜ-Technik keine Alternative sei. HGÜ-Technik komme nur über längere Distanzen als Punkt-zu-Punkt-Verbindung in Betracht. Erdkabel seien nur in dem gesetzlich vorgegebenen Rahmen im Bereich von Siedlungsannäherungen vorschreibbar. Bis auf einen Abschnitt im Bereich der Stadt Göttingen würden alle Mindestabstände zum Schutz der Bevölkerung eingehalten.
Das Raumordnungsverfahren sei in enger Zusammenarbeit zwischen den Behörden in Niedersachsen und Hessen durchgeführt worden. Somit sei der Übergabepunkt, an dem der niedersächsische mit dem hessischen Leitungsabschnitt zusammentreffe, eng mit Hessen abgestimmt.
Minister Lindemann betotne, er sei überzeugt, dass trotz aller verbleibenden Beeinträchtigungen, die mit dem Neubau einer derart großen Infrastrukturmaßnahme verbunden wären, die raumverträglichste Trasse gefunden worden sei, die im Hinblick auf den dringenden Ausbaubedarf des Stromnetzes jetzt zügig weiterverfolgt werden könne.
Der Vorhabenträger hat nun die Unterlagen für die Planfeststellung vorzubereiten. Dabei geht es um die detaillierte Festlegung des Leitungsverlaufs bis hin zu den Standorten der einzelnen Leitungsmasten. In dem Planfeststellungsverfahren werden wiederum alle Träger öffentlicher Belange, die Gemeinden und die Öffentlichkeit mit der Gelegenheit zur Stellungnahme beteiligt werden.