40 Jahre Quasimodo Knöterich

alter Kien:"Die Quasis haben in vier Jahrzenten ein musikalisches Markenzeichen entwickelt!"
 
Die Berliner Jazz Polizei bescherte den Auftrag

Schon wieder gab es beim Seesener Kulturforum einen Bühnen-Marathon: Die Seesener Kultband „Quasimodo Knöterich“ feierte ihr 40-jähriges Jubiläum auf der Aula-Bühne und – so hatte man den Eindruck – ganz Seesen war gekommen.

In der Mischung verschiedener aktueller und historischer Bandformationen mit der „Jazzpolizei-Berlin“ und „PER CASO“ wurde ein begeisternder Kessel Buntes auf der Bühne gewaschen, wobei sich das skifflige Waschbrett rhythmisch einwusch.

Die Berliner Jazzpolizei heizt bereits vor Beginn im Foyer mit „Ain´t She Sweet“ und dem „grünen Kaktus“ ein und zieht dann das Publikum Richtung Bühne. Der „Basin Street Blues“ ist der angemessene Verweis auf den New Orleans Jazz. Die drei überdrehten Polizisten mit Trompete, Sousaphon und Banjo geben ein Motto des Abends des Abends vor: nur nichts zu ernsthaft einbringen!

Zu einem Jubiläum gehört die Laudatio.Walter Kien als Kulturforums-Vorsitzender kramt in Erinnerungen und spricht Glückwünsche aus: „Die Quasis haben in vier Jahrzehnten ein musikalisches Markenzeichen entwickelt.“
Danach kommen die Knöteriche (Volker, Andreas, Thomas, Gerd, Ingo und Eberhard) zu Wort und Musik, aber es ist schwer an dieser Stelle, alle Facetten darzustellen, denn 40 Jahre passen nicht in ein paar Zeitungszeilen. Irish Folk, wie man ihn in den letzten Dezennien von der Band kennt, setzt den Start der großen Retrospektive: „Let Him Go“ und “Good People“. Die große Familie im Saal hat sich längst rhythmisch klatschend eingebracht. Die „Lambretta“ auf dem Weg zu Ebbys (!) Vetter gibt Chancen zum Mitsingen. Man sollte die Kinder einer Familie nicht gegeneinander abwiegen, aber Eberhards wandlungs- und anpassungsfähiger Gesang, wie auch sein Gitarrespiel seien hier besonders anzumerken.

An der Bühnentheke haben sich inzwischen drei Gäste eingefunden. Mit diesen, Wolfgang, Uwe und Heiri, werden die alten, sprich jungen Tage der Knöteriche als Skiffle Group reanimiert. Gerd kommentiert den Weg zurück „zu den Anfängen mit primitiven Melodien und sinnfreien Texten“. Das Lied „Der Dackel“ erzählt dann auch „vom tragischen Abgang des Vierbeiners“ Heinz-Bernhard. „Heute hier, morgen dort“ bringt Hannes Wader auf die Bühne, wenig später ist es Johnny Cash, in dessem Sinne „Sea of Heartbreak“ revivaled wird.

Erneut greift das „Trio Infernale“ der Berliner Jazzpolizei ein. Glenn Millers „Chattanooga Choo Choo“ wird zum „Sonderzug nach Seesen“. Einzigartig ist die auf „Polizei-Megaphon“ in Quiektönen produzierte Moritat um „Meckie Messer“.

Nach der Pause besingt Thomas die Fidschi-Inseln und Feigenblätter. Das sind Text und Musik der 1920er Jahre, ehe mit der deutsch-italienischen Formation „PER CASO“ ein Teil der Seesener Musikszene der frühen 90er Jahre exclusiv für den Jubiläumsabend durch Rolf, Katrin, Bruno, Ingo und Hairi wiedererweckt wird. „Mama Maria“ und „Volare“ (Highlights der End-Fünfziger Jahre), jene Ohrwürmer können sogar die nicht italienisch gebildeten Fans im Saal mitsingen. Danach erlebt das Publikum beim Seesener Kulturforum wieder die aktuellen Quasimodo-Knöteriche mit Irish Folk.

Die Uhr rückt Richtung Mitternacht, vorher aber erkämpft das begeisterte Publikum Zugaben. Schließlich stehen alle Musiker des Abends zu gemeinsamer „Session“ auf der Bühne. Dementsprechend vielfältig ist hier noch einmal das Programm: deutsch, deutsch-italienisch, englisch und boarisch: „Ich will wieder hoam!“ Aber das will eigentlich keiner im Saal. Irgendwer behauptet „Da stehen jetzt 1000 Jahre auf der Bühne.“ Ein neunstimmiger Abgesang, sehr schön (!) a capella vorgetragen, setzt den unwidersprüchlich letzten Punkt zu einem erfrischend lockeren Erinnerungsabend. „Lagerfeuer“ wird noch von der ersten Reihen lautstark gefordert. Vielleicht gibt es das ja dann in zehn Jahren zum Fünfzigsten.
Und dafür haben sie nun 40 Jahre lang geprobt und probiert: Musik, Texte und Bier (ohne Kühlschrank)! Und es wird weiter gehen, das ist auch gut so. Wir freuen uns drauf – und die ganze große Fan-Familie auch

Joachim Frassl