Ab Frühjahr „kneippen“ die Kinder professionell

Baustellen-Besichtigung im Haus am Kurpark: Architekt Prof. Dr. Wilfried Ohm (rechts) erläutert die künftige Ausstattung des Kneipp-Raumes, in dessen Mittelpunkt das Wassertretbecken steht.

Baumaßnahme bei der Lebenshilfe im Haus am Kurpark liegt voll im Zeitplan / Familienzentrum nimmt Form an

Schon seit Wochen wird bei der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen im Haus am Kurpark kräftig gebohrt, gehämmert, gezimmert und gemauert. Doch das wird im alltäglichen Betrieb keinesfalls als störend empfunden. Ganz im Gegenteil. Der Baulärm ist eher Musik in den Ohren der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wird hier doch etwas umgesetzt, worauf sie quasi schon seit Jahren hinarbeiten – das Projekt „Kneipp-Kindergarten“. Im Oktober vergangenen Jahres ist er bereits nach eingehender Prüfung zertifiziert worden.
„Nachdem wir die Gesundheitslehre nach Sebastian Kneipp bereits in unsere Arbeit integriert haben, werden wir nach der für dieses Frühjahr vorgesehenen Fertigstellung des Kneipp-Raumes mit der Arbeit beginnen können“, sagt Lebenshilfe-Vorsitzender Hans-Werner Ohlsen. Er hatte am Montag zu einem „Baustellen-Treffen“ eingeladen, um zusammen mit dem „Hausarchitekten“ Prof. Dr. Wilfried Ohm das Projekt vor Ort vorzustellen. Interessierter Gast dabei war auch der CDU-Landtagsabgeordnete Rudolf Götz. Er zeigte sich beeindruckt von dem ganzheitlichen Konzept und sicherte für den bald anlaufenden Betrieb seine volle Unterstützung zu.
Leuchtende Augen bei dem Rundgang hatte vor allem Erzieherin Sigrun Frost. Ihr Arbeitsschwerpunkt wird künftig auf dem Bereich „Kneipp-Kindergarten“ liegen. Vom Ablauf her wird sich aber nichts ändern, denn schon bisher war für Sigrun Frost und ihre Kolleg(inne)n die Gesunderhaltung und -förderung der Kindergartenkinder – auch und gerade auf „kneipp’sche“ Art – nicht einfach berufliche Aufgabe, sondern Herzensangelegenheit. Auf die fünf Säulen nach „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp – also gesunde Ernährung, Bewegung, Heilpflanzen und Kräuter, Wasseranwendung und Lebensordnung – wird im Haus am Kurpark schon seit langer Zeit großer Wert gelegt. Beispiele gefällig? Gemeinsam wird frisches Obst und Gemüse vorbereitet und „verspachtelt“; anstelle von Limonade kommen selbst zubereitete Kräutertees auf Tisch, es gibt das Tau- und Schneetreten, wie überhaupt das Bewegen in der Natur groß geschrieben wird; es werden sogar Massageöle und Duftsäckchen mittels der Pflanzen aus dem „Lebenshilfe“-Kräutergarten selbst hergestellt.
Klar ist aber auch, dass man bisher doch viel improvisieren muss. Für die Fuß- beziehungsweise Wechselbäder müssen noch große Maurerkübel und Scheuereimer erhalten; und auch bei den Güssen in der Dusche geht’s ziemlich eng zu. Das alles wird in Zukunft in den neuen Räumen viel bequemer, intensiver und bewusster gemacht werden können. Schon die Baustelle lässt etwas von der Wohlfühlatmosphäre ahnen, die hier bereits in wenigen Wochen herrschen wird. Architekt Prof. Wilfried Ohm präsentierte da in dem lichtdurchfluteten Hauptraum das große halbrunde Wassertretbecken, mehrere Duschen und Fußbecken, ja sogar Armbäder und eine Wärmebank. Daneben gibt es natürlich eine Umkleidekabine und in einem weiteren separaten Raum eine Sauna, die vor allem von den Temperaturen her exakt auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten sein wird. Nicht zu vergessen ist die vorhandene Freifläche für die „Regen-Luft-Bäder“.
Abschließend stellte Sigrun Frost klar: „Bei alldem geht es nicht etwa darum, Krankheiten zu heilen. Hier wird vielmehr vorbeugend und gesundheitsunterstützend gearbeitet, indem Körper und Seele in Einklang gebracht werden.“ Einen offiziellen Eröffnungstermin gibt es zwar noch nicht, aber auf jeden Fall in der ersten Jahreshälfte soll die Einweihung des „Kneipp-Kindergartens“ im großen Rahmen gefeiert werden.
Auf der Agenda bei dieser Baustellen-Besichtigung stand aber noch ein anderer Punkt, und auch der hat gewissermaßen mit der aktuellen Baustelle zu tun. Im Zuge der Maßnahme entsteht nämlich zwischen dem Foyer des Hauses am Kurpark und dem künftigen Kneipp-Raum auch ein etwa 50 Quadratmeter großer Mehrzweckraum. Dieser wurde mit Blick auf ein weiteres ehrgeiziges Projekt der Lebenshilfe Bad Ganersheim-Seesen gleich mit konzipiert – das „Familienzentrum“. „Wir möchten künftig Anlaufstelle für alle Kinder und Jugendlichen und deren Familien aus dem gesamten Stadtgebiet sein; sie mit Fachpersonal und anderen Eltern ins Gespräch bringen“, machte die stellvertretende Geschäftsführerin Anja Fehrmann deutlich. Sie sitzt zusammen mit Heike Reuß und Elke Stolze in der Steuerungsgruppe, die bereits das erste Programm erarbeitet hat. Schon in den nächsten Wochen soll es losgehen. Geplant sind beispielsweise ein Elterncafé, ein Treff für Mütter mit Kleinkindern, Kochkurse – auch für Väter –, eine Bastelgruppe oder eine Kräuterwanderung. Auch Fachvorträge und Förderangebote werden angedacht. Kinder früh und individuell fördern und Eltern in die Entwicklungs- und Bildungsprozesse der Kinder einbeziehen – so lautet die Devise.