Abdelkarim beim Seesener Kulturforum

Stand-Up Comedy und Kabarett preist die Homepage des Künstlers an. Das machte neugierig, wie immer, wenn das Seesener Kulturforum das eigene Programm auffrischt. Die Seesener Aula war gut besucht und es fiel auf, dass viel Jugend vertreten war, die sich nach dem Comedy-Abend um Abdelkarim scharte, um Selfies oder „klassische“ Gruppenfotos mit dem Idol zu produzieren.

Als inzwischen Mittdreißiger gehört der Germane mit dem marokkanischen Migrationshintergrund immer noch zur jungen Garde der komödiantischen Bühnenkünstler, hat allerdings bereits eine erkleckliche Anzahl von Kabarett-Preisen vorzuweisen. Geboren in Bielefeld und Studium in Bochum, ist er aktuell in Duisburg „beheimatet“. „Zwischen Ghetto und Germanen“ lautet sein aktuelles Programm, das ist: „Kabarett mit Migrationsvordergrund“. „Cool“ und ungeschminkt präsentiert Abdelkarim sich auf ebenfalls ungeschminkter Bühne dem Seesener Publikum.

„Thank You! I like that!“ Der Comedian betritt die Seesener Bühne, um nach einigen Anheizern für das Publikum („Geben Sie ihm das Gefühl, dass er gebraucht wird!“) den Auftritt noch einmal, frenetisch, zu feiern. „Gibt´s in Seesen Salafisten?“ – „Abdelkarim ist kein deutscher Name.“ Und so ist das meiste, über das er plaudert, selbstbiografisch gefärbt. Aber er wird auch, ohne dies weiter auszubauen, boshaft aktuell: „Die Flüchtlinge nehmen uns die Arbeitslosenstellen weg!“ Erinnerungen an die eigene Schulzeit, an die Verwechslung eines Bifi-Snacks mit einem Schokoriegel; Stresssituationen mit der Polizei, der NPD-Stand neben der Pizzeria, Kinderkleidung und Cordhose, billig, aber unangepasst.

Manchmal ist der Witz elterlich „hausgemacht“. Die Diskussion mit dem Papa über das Schachspiel als „Teufelswerk“: „Warum?“ – „Die Dame darf überall hin!“ – „Du darfst die Dame auch schlagen!“ – „Ahh!“ Andere Witze verpuffen kurzatmig, weil sie hinterher noch kommentiert werden: „Wie nennt man einen humorlosen Polen? Nowitzki!“ Und das wird dann Richtung Basketball erklärt.
„Integration ist keine Einbahnstraße“ so heißt ein Credo des Abdelkarim, das macht er deutlich an einem medial ausgeschlachteten „Schaukelstreit“, der eskaliert. Eine Studie mache deutlich: „Am längsten halten Zwangsehen.“ Das ist dann einer der bitterbösesten, schwarzen Kommentare des Comedian. Die übliche „Beleidigungskultur bei Jugendlichen“ wird ausgereizt bis hin zum Unaussprechbaren (Das Publikum des Seesener Kulturforums wird sich an die „Dönerbude“ erinnern.).

Abdelkarim fragt nach, ob es in Seesen eine Hauptschule gebe. „Hat´n schlechten Ruf. Also umbenennen.“ In Bayern gäbe es eine „weiterführende Hauptschule“. Der Comedian scheint sich auszukennen: „Die Lehrer sprechen hochdeutsch und die Schüler hochhausdeutsch!“. Am Ende geht es um „Deutsch-Rap“ und „Gangster-Rap“, um Buschido und Reimfolgen von Beretta bis „Bär-Retter“.

Abdelkarim gibt sich betont „cool“, „krass“, manchmal auch „echt geil“. So versteht ihn die Jugend im Saal einfach besser. Er bedankt sich beim Kulturforum und besonders auch bei den Technikern Rainer und Friedhelm und lobt das „echt geile“ Bühnenbild!

Joachim Frassl