Abschiebung der Roma-Familie Rustemi aus Seesen vorerst gestoppt

Lutfije Rustemi, Bashkim Rustemi und Tochter Florenta sollten bereits am Montag in ihre Heimat zurückkehren. Jetzt wurde die Abschiebung vorerst gestoppt. Wie es weiter geht, ist unklar!

Aus Sicht der Ausländerbehörde ist das Risiko für die kranke Lutfije zu groß

Die für den Mitte November vorgesehene Rückführung der Seesener Familie Rustemi ist vorerst gestoppt. Grund ist eine Stellungnahme des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Von Ulrich Kiehne

Seesen / Goslar. Aus Sicht der Ausländerbehörde ist das Risiko zu groß, dass die gesundheitliche Versorgung der kranken Familienmutter Lutfije Rustemi im Kosovo nicht sichergestellt ist. Der Anwalt der Familie hatte beim Verwaltungsgericht Braunschweig den Erlass einer Einstweiligen Anordnung beantragt. Parallel beantragte er beim BAMF die Wiederaufnahme des Asylverfahrens. Während die beteiligten Stellen bislang von einer ausreichenden Versorgung ausgingen, konnte das BAMF dies in seiner heute übermittelten Stellungnahme noch nicht bestätigen und kündigte eine eingehende Prüfung an. Vor der Entscheidung über die weiteren Schritte wird die Ausländerbehörde dieses Prüfungsergebnis abwarten.
Zum Hintergrund: Mit dem Jugoslawienkrieg sind etliche Roma als Flüchtlinge in Deutschland gestrandet. Lange waren sie auch noch nach dem Ende des Krieges wegen ihrer Verfolgung in ihrem Heimatland Kosovo vor Ausweisung geschützt. Nachdem jedoch ein Rücknahmeabkommen mit dem Kosovo unterzeichnet wurde, sollen nun 12.000 Roma aus ganz Deutschland in ihre Heimat zurückkehren.Vater Bashkim Rustemi (47 Jahre), Mutter Lutfije Rustemi (48 Jahre) und die jüngsten Kinder Sümita (17 Jahre) und Florenta (3 Jahre) sollen daher in den Kosovo zurückkehren. Die drei älteren volljährigen Kinder dürfen bleiben, weil sie sich in einer Ausbildung befinden beziehungsweise einer Arbeit nachgehen. Die Familie lebt seit fast 20 Jahren in Deutschland. Der Verein „Leben in der Fremde“ will sich dagegen zur Wehr setzten. „Die betriebene Trennung der Familie verstößt gegen unser Grundgesetz, das Ehe und Familie schützt“, teilte der Verein mit. Obwohl Lutfije Rustemi krank ist, wurde ihr vom Goslarer Gesundheitsamt eine eingeschränkte Reisefähigkeit bescheinigt. Liegendtransport wird empfohlen. Das Gutachten des Gesundheitsamtes bringe indes zum Ausdruck, dass F. Rustemi niemals ohne menschliche und medizinische Hilfe ihr Leben wird bewältigen können.