Ästhetische Momente im Rathaus

Bürgermeister Hubert Jahns, der Künstler Rolf Großjohann und Galeristin Margret Nußbaum während der Vernissage am Donnerstagabend. Im Seesener Rathaus sind an die 50 Arbeiten Großjohanns zu sehen; unter anderem auch Exponate zum Thema „Ästhetik des Verfalls“. Experten über den Fotografen: „Er malt mit der Kamera“.

Fotograf Rolf Großjohann zeigt im Rathaus der Stadt beeindruckende Werke

Von Ulrich Kiehne,Seesen

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunst im Rathaus“ wurde am Donnerstagabend die Ausstellung „Ästhetische Momente“ mit Arbeiten des Fotografen Rolf Großjohann im Rathaus Seesen eröffnet. Es ist die erste Ausstellung dieser Art im Rathaus, weil sie nicht zur klassischenMalerei gehört. Großjohann betrachtet dies nicht als Bruch oder etwas radikal Neues, sondern vielmehr als ein Kontinuum, da Fotografie und Malerei eng verwandt seien. „Wenn Sie so wollen, ist Fotografie das Malen mit Licht, wobei das Handwerkszeug kein Pinsel oder Bleistift ist, sondern ein technisches Gerät, der Fotoapparat.
Die Ausstellung ist aus Bildern von drei verschiedenen Projekten zusammengestellt. Im ersten Projekt hat sich der Künstler mit einer analogenMittelformatkamea von Menschenhand geschaffene Objekte fotografiert, die sich selbst beziehungsweise der Natur überlassen wurden. Großjohann:„Dieser Prozess des Vergehens bringt unglaublich Schönes hervor“.
Im zweiten Projekt „Natur und Künstlichkeit“ hat Großjohann künstliche Objekte im Kontext der Natur fotografiert. Durch die Infrarotfotografie hat er einen Verfremdungseffekt verwendet, der die Objekte zusätzlich in eine Art Traumwelt gerückt hat. Im drittenProjekt wird mit demMittel der Unschärfe an sich gearbeitet. Auf der einen Seite Unschärfe durch Bewegung des Objektes (Möwen), auf der anderen Seite durch gezielte Bewegung der Kamera. Die drei verschiedenen Gruppen, so erläuterte Großjohann während der Vernissage vor zahlreichen interessierten Gästen im Rathaus, sind auf den ersten Blick sehr unterschiedlich, und er habe sich nicht vorstellen können, sie gemeinsam zu präsentieren. Es sei der Verdienst von Margret Nußbaum und ihrer Schwester, F. Schloemp, dass durch die Zusammenstellung und Hängung in der Ausstellung die Bilder in einen spannenden Dialog treten.
Wie Großjohann weiter ausführte, habe der Wechsel von der Malerei zur Fotografie, von der Fotografie zur Malerei und wieder zurück in rund 45 Jahren den Blick auf die politische Welt beeinflusst, und somit ziehe sich der Blick des Malers wie ein roter Faden durch die drei fotografischen Werkgruppen. Bürgermeister und Hausherr Hubert Jahns, der die Gäste imRathaus begrüßte, verlieh seiner Freude Ausdruck, dass Großjohanns Werke nun noch bis zum 9.Dezember im Verwaltungsgebäude zu sehen sind.