„Aktion 99 Pfennig“: Erfolgreiche Arbeit für Afrika geleistet

Die Selbsthilfeprojekte, die die „Aktion 99 Pfennig e. V.“ in den vergangenen drei Jahrzehnten in Afrika realisierte... (Foto: „Aktion 99 Pfennig e. V.“)
 
...zeitigten – im wahrsten Sinne des Wortes – fruchtbare Ergebnisse. (Foto: „Aktion 99 Pfennig e.V.“)

Positive Bilanz nach 30-jährigem Engagement / Selbsthilfeprojekte im Sahelgürtel / Neues Vorhaben jetzt auch in Seesen geplant

Seesen/Bad Lauterberg (bo). Im Jahr 1982 wurde von der Aktion 99 Pfennig e.V. begonnen, Geld für Selbsthilfeprojekte in Afrika zu sammeln. Der Riesenkontinent war seinerzeit aktuell von einer grausamen Dürrekatastrophe und Hungersnot im Sahelgürtel geprägt. Südlich der Sahara waren Millionen Menschen von Krankheit und Tod bedroht. Vor allem Kinder und ältere Menschen starben zu Tausenden an den Folgen von Hunger und Wassermangel. Man musste davon ausgehen, dass alle vier Sekunden ein Kind sein Leben verlor.
Aufgerüttelt von den Katastrophenbildern beschlossen die befreundeten Ehepaare Kuriat und Adam, ihre Kraft dafür einzusetzen, diese Zustände zu verändern. Man war sich darüber von Beginn an im Klaren, dass eine kleine private Hilfsorganisation, die von ihnen in Bad Lauterberg gegründet und die schon bald als gemeinnützig anerkannt wurde, nicht in der Lage sein würde, die Probleme aller Sahelstaaten und ihrer Bewohner zu verbessern oder gar zu lösen. Man wollte sich auf das ärmste und gleichzeitig kleinste Land dieser Region beschränken. Nur so war sicher zu stellen, dass die Hilfe spürbare und dauerhafte Wirkungen haben würde. Außerdem sollte dieses Land nicht von einem Bürgerkrieg bedroht sein und auch keine Armee unterhalten. So wurde „The Gambia”, gelegen an der Westküste Afrikas, ausgewählt. Dort sollte vor allem der Lebensstandard und die medizinische Versorgung der armen Landbevölkerung in abgelegenen und besonders unterentwickelten Regionen verbessert werden. Hier war die Hilfe am dringensten, gleichzeitig wurde dies kleine und politisch unbedeutende Land von den großen Gebernationen, der Weltbank und den meisten global agierenden Hilfsorganisationen kaum oder überhaupt nicht in deren Hilfsprogramme einbezogen.
Um die Nachhaltigkeit der Hilfe zu gewährleisten, war eine enge Zusammenarbeit mit den betroffenen Menschen notwendig, selbstverständlich auch die Unterstützung der zuständigen Regierungsbehörden des Landes sowie später auch die Förderung durch das deutsche Entwicklungshilfeministerium. Unter diesen Voraussetzungen wurden in den zurückliegenden 30 Jahren sämtliche Selbsthilfeprojekte eingerichtet und größtenteils über Jahre und Jahrzehnte begleitet und unterstützt, wenn tropische Regenstürme oder Heuschreckenplagen dies notwendig machten.
In Absprache und enger Zusammenarbeit mit den Ärmsten 30 Jahre Aktion 99 Pfennig e.V. der Armen wurden folgende Projekte durchgeführt: Vergabe von Komplettausstattungen mit Pferd, Wagen, Pflug und Saatgut an bäuerliche Familien; Einrichtung von fußballfeldgroßen Gemüsegärten mit mehreren auszementierten traditionellen Ziehbunnen für die Frauenkooperativen von fünf Dörfern, Einstellung eines ausgebildeten landwirtschaftlichen Beraters über viele Jahre; Ausstattung von Fischerkooperativen mit zehn neu gebauten traditionellen Langbooten, Motoren und Netzen; Neubau und Einrichtung einer Medizinalstation; Neubau einer großen Kleintierfarm, Anschaffung von Zuchttieren, Erweiterung durch einen ausgedehnten Gemüsegarten mit traditionellen Brunnen; Aufbau und langjähriger Betrieb von zwei Nähstuben mit 10-15 Ausbildungsplätzen und einem Instrukteur; Neubau eines Gebäudes zur handwerklichen Ausbildung von Jungen und Mädchen; Sammlung und Versand von Medikamentenspenden und Brillen an das Royal Victoria Hospital in Banjul zur Verbesserung der medizinischen Versorgung; Unterstützung von mehreren Grundschulen mit Geld und Sachspenden.
Für diese und ungezählte kleine Hilfen, betonte der 1. Vorsitzende des Vereins, Ulf Adam (Seesen) in einem Gespäch mit dem „Beobachter“, seien bisher insgesamt mehr als 430.000 Euro eingesetzt worden. Diese nicht unerhebliche Summe habe nur dank der Spendenbereitschaft ungezählter Einzel- und Dauerspendern sowie der Zurverfügungstellung von staatlichen Fördergeldern für drei der großen Projekte aufgebracht werden können.
Nach der Erarbeitung einer ausführlichen Studie über die derzeitige politische, wirtschaftliche und soziale Situation des Landes Gambia sei davon auszugehen, dass sich die Situation der Menschen trotz des andauernden Bevölkerungswachstums deutlich zum Besseren gewandelt habe. Adam: „Wir betrachten unsere Hilfe für Gambia dennoch keineswegs als abgeschlossen und sind weiter bereit, in besonderen Notsituationen helfend einzugreifen und unser Engagement für die bestehenden Projekte fortzuführen. Wir sehen aber auch, dass in Deutschland Problemfelder entstanden sind, die uns nicht unberührt lassen dürfen. Auch hier gibt es Armut und Hilflosigkeit, die allein durch staatliche Bemühungen bisher nicht durchgreifend gebessert werden konnten. Selbstverständlich würdigen wir auch die vielfältigen segensreichen Initiativen privater Organisationen, die Bemühingen der großen Wohlfahrtsverbände und der Kirchen. Dennoch sind wir überzeugt, dass es hilfreich sein wird, unsere Erfahrungen und unser Engagement nunmehr auch und gerade für unser Land einzusetzen.“
Die schlechte wirtschaftliche Situation, betonte Adam, betreffe breite Teile der deutschen Bevölkerung und habe in den letzten Jahren zu einer Verschärfung insbesondere auch der Kinderarmut geführt, „die für uns nicht länger hinnehmbar sein darf.“ Dazu habeder Paritätische Wohlfahrtsverband aktuell eine Studie vorgelegt. Darin werde festgestellt, dass davon derzeit jedes siebte Kind betroffen sei. Die sich daraus in Wechselwirkung mit der Migrationsproblematik ergebenden Folgen für die Kinder seien unter anderem schulische Schwierigkeiten, körperliche Defizite durch Bewegungsarmut sowie eine steigende Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen. Die letztgenannte Verhaltensweise werde sicher teilweise begünstigt durch körperliche Züchtigung durch die eigenen Eltern, die sich in Erziehungsfragen oft allein gelassen fühlten. Der erschreckend hohe Prozentsatz betroffener Familien spiegele ihre Hilflosigkeit wider.
In Seesen würden ab dem kommenden Schuljahr drei Grundschulen als Ganztagsschulen geführt werden. In Abstimmung mit der Geschäftsführerin, Roswitha Voß, sowie dem Beiratsvorsitzenden, Bernward Steinkraus, des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Seesen sowie den Leitern/innen der Grundschule Am Schildberg, der Grundschule Jahnstraße sowie der Grundschule Münchehof wolle sich die „Aktion 99 Pfennig e. V.“zukünftig vorrangig der Mitfinanzierung der freiwilligen Nachmittagsbetreuung der drei Seesener Ganztagsgrundschulen zuwenden. Adam: „Wir sind überzeugt, dass mit diesem zusätzlichen Angebot ein notwendiger Beitrag zur Minderung der genannten Problematik geleistet wird. In den kommenden Wochen und Monaten wird die Aktion 99 Pfennig e.V. die Bürger und Bürgerinnen der Stadt Seesen darüber näher informieren und um Mithilfe und Spenden bitten!“