Amtsgericht Seesen: Zweimal Freispruch

Seesener durfte sich gegen Partygast zur Wehr setzen – Auch Unternehmer bekommt recht

Angeklagt wegen Körperverletzung war in der vergangenen Woche vor dem Amtsgericht ein 28-jähriger Seesener. Aus der Anklageschrift ging hervor, dass dieser während einer privaten Party im Januar 2010 in seiner eigenen Wohnung einem seiner Gäste in das Gesicht geschlagen haben soll, so dass dieser mit Nasenbluten und einer Einblutung im Auge die Feierlichkeit verließ.
Seesen (hz/mo). Der Seesener schilderte den Vorfall jedoch ganz anders, auch wenn er zugegeben hatte, dem Gast in das Gesicht geschlagen zu haben. Laut Aussage des 28-Jährigen, die später durch seine Lebensgefährtin bestätigt wurde, sei der Geschädigte auf der Party gar nicht erwünscht gewesen. Er erschien zu vorgerückter Stunde mit einem weiteren Bekannten und war „hicke-hacke voll“. Den beiden wurde zwar zunächst Einlass gewährt, als sie aber begannen die Gastgeber zu beschimpfen und ihre dreckigen Schuhe auf die neue Couch des Angeklagten zu legen, wurden sie mehrfach aufgefordert zu gehen.
Da dies den beiden „Schnapsdrosseln“ wohl gar nicht in den Kram passte, stand einer der beiden auf und versuchte den Gastgeber zu schlagen – erfolglos schlug er jedoch mit der Faust ins Leere.
Um weitere Versuche im Keim zu ersticken, schlug der Angeklagte seinem Bekannten ins Gesicht, der zwar sofort das Gleichgewicht verlor, auf dem Boden aber weiterhin wild um sich trat. Nach einer kurzen Rangelei konnten die beiden Störenfriede schließlich vor die Tür gesetzt werden.
Richter Frank Rüger entschied zugunsten des Angeklagten. Die beiden Gäste hätten sich ungebührlich verhalten. Der Angeklagte musste nicht erst auf einen Schlag ins Gesicht warten, bevor er sich zur Wehr setzen darf. Da man also in diesem Fall von Notwehr sprechen kann, kam es zu einem Freispruch.
Angeklagt wegen der verbotenen Mitteilung über Gerichtsverhandlungen in 43 Fällen wurde zudem ein 59-jähriger Geschäftsmann aus Seesen. Nachdem der Angeklagte das Arbeitsverhältnis mit seinem Mitarbeiter wegen „Unstimmigkeiten“ kündigte, blieb eine geschäftliche Zusammenarbeit mit dem nun Selbstständigen vorerst bestehen.
Als es aufgrund erneuter Probleme zur endgültigen Trennung kam, verklagte der ehemalige Angestellte den Geschäftsmann für angeblich nicht getätigte Zahlungen auf 220.000 Euro.
Nach einem Prozess, der insgesamt 13 Jahre angedauert hatte, wurde das ursprüngliche Verfahren eingestellt und der ehemalige Angestellte wegen Betrugs angeklagt, da die Zahlungen des heute 59-Jährigen nachgewiesen werden konnten.
Um Bekannte, Freunde und Geschäftspartner über die wahre Natur seines ehemaligen Angestellten zu informieren, verschickte der Seesener die Anklageschrift wegen Betrugs kurzerhand an einen ausgesuchten Personenkreis von 43 Personen.
Dem Angeklagten konnte somit weder üble Nachrede noch die öffentliche Verbreitung nachgewiesen werden – er wurde freigesprochen.