An ermordete ehemalige Schüler erinnert

Auch Zeitzeugen kamen bei der Gedenkveranstaltung zu Wort.

Gedenkfeier zur Reichspogromnacht am Jacobson-Gymnasium Seesen

Der 9. November wird oft als deutsches „Schicksalsdatum“ bezeichnet, weil mehrere bedeutende historische Ereignisse an diesem Tag stattfanden. Am zurückliegenden Wochenende stand aufgrund seines 25-jährigen Jubiläums der Mauerfall im Mittelpunkt, im letzten Jahr war es die 75 Jahre zurückliegende Reichspogromnacht. Am Jacobson-Gymnasium Seesen ist es jedoch Tradition, dass an das Letztere nicht nur in Abständen von fünf, zehn oder 25 Jahren gedacht wird, sondern alljährlich eine Gedenkveranstaltung stattfindet.

Darauf wies auch Schulleiter Stefan Bungert hin, welcher die Veranstaltung am vergangenen Montag vor der versammelten Schulgemeinde im Pädagogischen Zentrum der Schule eröffnete.
Verantwortlich für die Gestaltung der diesjährigen Gedenkfeier war der Religionskurs der zehnten Klassen unter der Leitung ihres Lehrers Dietmar Schwieger. Umrahmt vom Klavierspiel Dorothea Marynioks kamen deren Mitschüler mit Teelichtern auf die Bühne des PZ. In eindrucksvollen Zeitzeugenmonologen der von den Nazis getöteten Fanny Englard und Menachen Mayer stellten Johanna Anders und Nikolai Weigel die Auswirkungen auf das Alltagsleben jüdischer Mitbürger in Folge der Reichspogromnacht dar. Im Anschluss daran erinnerten die Zehntklässler stellvertretend für alle ermordeten ehemaligen Schüler des Jacobson-Gymnasiums an das Schicksal von sieben Opfern und zündeten für sie jeweils eine Kerze der vor der Bühne stehenden Menora an.
Bevor die Gedenkfeier mit einem Schlussgebet beendet wurde, machten Marius Nawo und Johann Sonnenburg auf Antisemitismus in unserer heutigen Gesellschaft aufmerksam, der unter anderem im Zuge des Israel-Palästina-Konflikts auf Demonstrationen offen zu Tage tritt. Nach Beendigung der offiziellen Veranstaltung folgte die traditionelle Kranzniederlegung vor der Schule. Im kleineren Kreis der Klassensprecher und des Religionskurses las Marie Latermann aus der 5el die Inschrift auf dem Gedenkstein vor und legte dann gemeinsam mit Dennis Samp (10lf) und Schulleiter Stefan Bungert den Kranz nieder, welcher abschließend dem Kurs von Dietmar Schwieger seinen Dank für die würdige Gestaltung der Gedenkfeier aussprach.