Anwohner wollen keine Windkraft vor der Haustür

Einwohner aus Oberpanshausen fürchten um Verschandelung ihrer Landschaft.
 
Auch in Carlsfund setzen sich die Bewohner gegen die geplanten Anlagen zur Wehr.

Geplante Windkraftanlagen bei Rhüden stoßen bei Einwohner auf heftige Proteste / Versammlung im Bürgerhaus

Von Ulrich Kiehne,
Seesen / Rhüden

Wenn am 4. Juni im Seesener Bürgerhaus zur Einwohnerversammlung zum Thema „Ausweisung von Vorrang- und Eignungsgebieten für Windenergieanlagen“ eingeladen wird, dann dürften viele Rhüdener und insbesondere die Einwohner aus Carlsfund sowie Unter- und Oberpanshausen zugegen sein. Während der Veranstaltung wird der Zweckverband Großraum Braunschweig in seiner Eigenschaft als Träger der Regionalplanung über den aktuellenSach- und Verfahrensstand zur Weiterentwicklung der Windenergienutzung im Verbandsgebiet und zur Ausweisung von Vorrang- und Eignungsgebieten für Windenergieanlagen informieren. Soweit der formelle Wortlaut des Zweckverbandes. Im Klartext heißt das aber auf der anderen Seite auch: Die Bewohner aus Carls­fund und Panshausen wollen sich mit allen Mitteln gegen die in der Nähe ihrer Wohnhäuser ausgewiesenen Flächen für Windenergieanlagen wehren.
„Wir möchten betonen, dass wir nicht generell gegen Windkraftanlagen sind“, erklärt Steffan Lawes aus Carlsfund. „Wir sind jedoch der Meinung, dass der Standort wohl überlegt ausgesucht werden muss!“ Und dass dies im Falle der möglicherweise geplanten Anlagen im Bereich Ober- und Unterpanshausen, Carlsfund und Heberbaude der Fall ist, daran haben die Einwohner so ihre Zweifel. Vor allem sei das Geräusch der Rotoren nicht zu überhören.
Steffan Lawes:„Da sind die Anwohner von Flughäfen im Vorteil, sie haben wenigstens nachts ein paar Stunden Ruhe.“ Ohnehin seien es die permanenten, mitunter auch leichten Geräusche, die gesundheitliche Langzeitschäden verursachen würden. Die Abstandszone von 500 Metern, beziehungsweise 1000 Metern halten sie für „menschenverachtend“.
Durch ungünstige Sonneneinstrahlung gibt es zudem einen Schattenschlag durch die Anlagen. Dieser ist in der Literatur übrigens auch als Disco-Effekt bekannt. Außerdem wollen die Gegner der hier geplanten Windkraftanlagen darauf aufmerksam machen, dass das ständige Blinken beiNacht auch eine Reizüberflutung darstelle, die sich negativ auf das Wohlbefinden von Menschen auswirke.
In einem Schreiben haben sich die Bewohner deshalb bereits an Bürgermeiser Erik Homann gewandt, und ihm ihre Sorgen mitgeteilt.
Nicht zuletzt verweisen sie auf die wunderschöne Landschaft entlang des Hebers. Es gibt hier sehr selten Vogelarten, die schützenswert sind. Der Schwarzstorch oder der Rotmilan sind hier heimisch. Da die Aktion Naturland das Nettetal in den vergangenen Jahrzehnten renaturiert hat, sei dieser Bereich besonders schutzbedürftig vor Eingriffen.
Für das Bild des Ortes Rhüden wäre es zudem „unerträglich“ – so die Anwohner – wenn die Windkraftanlagen, die mit einer Höhe von 150 bis 200 Meter von jeder Stelle des Ortes zu sehen seien. Arbeitsplätze vor Ort würden durch neue Windkraftanlagen ebenfalls nicht entstehen, argumentieren die Gegner der im Bereich Rhüden geplanten Anlagen. „Einige Landwirte hätten wohl einen finanziellenVorteil. Dies erscheint uns aber nicht gerechtfertigt. Wir bewerten die Interessen von ein paar Landwirten höher als die Lebenssituation von 3.000 Einwohnern“, heißt es in dem an Bürgermeister Homann gerichtetenSchreiben.
Wenn es Windkraftanlagen im Stadtgebiet Seesen geben solle, so gibt es nach Meinung der „Protestler“ geeignetere Plätze als denen nahe Rhüden. Und wenn es Rhüden sein soll, dann präferieren die Gegner das Gebiet am Autohof an der A7 für sinnvoller. Dort gebe es schließlich bereits eine Beeinträchtigung der Landschaft.
Man hätte also dann die ganzen negativ die Landschaft beeinflussenden Faktoren an einer Stelle. Letztlich hoffen die Bürger bei Bürgermeister Homann und den politisch relevanten Kräften inSeesen Gehör zu finden. Sie wollen – wie ausgeführt – keine Windkraftanlagen vor der Haustür.
Es bleibt abzuwarten, welche Erkenntnisse die Einwohnerversammlung am Montag, 4. Juni, bringen wird.