Asklepios Kliniken Schildautal investieren Dreiviertelmillion in Operationstechnik

Rund 450.000 Euro flossen in die Anschaffung eines neuen zukunftsweisenden Operationsmikroskops. Oberarzt Dr. med. Alberti (links) operiert mit der neuen Fluoreszenz- Mikroskop-Technik einen Hirntumor nah am Sprachzentrum. Im Hintergrund überwacht Herr Stanislawski (Facharzt für Anästhesiologie) die Werte des Patienten.
 
Bild 2: Das Fluoreszenzmodul „BLUE 400“ ermöglicht eine farbliche Abhebung des Tumorgewebes bereits während der OP. (Foto: ZEIZZ)

Neurochirurgie: Hochpräzise Operationen dank zukunftsweisender Mikroskop-Technik / Generationenwechsel bei der Neuronavigation und Verbesserung beim Ultraschall.

Der technische Fortschritt liefert immer bessere Möglichkeiten um mikrochirurgische Eingriffe vorzunehmen. Auch die Operationsmethoden werden immer feiner. Jetzt können Neurochirurgen an den Asklepios Kliniken Schildautal auf die neueste Generation der Operationsmikroskope zurückgreifen, die neben exzellenter Bildqualität und Ausleuchtung während komplexen Operationen auch eindrucksvolle Bilder und Videos liefert. „Ein besonderes Merkmal ist die fortschrittliche Fluoreszenztechnologie, die die Hirntumorchirurgie und die neurovaskuläre Chirurgie präziser und sicherer macht. ", betont Prof. Dr. med. Ralf Becker, Chefarzt der Neurochirurgie an den Asklepios Kliniken Schildautal, auf "Beobachter"-Nachfrage.

In der Seesener Klinik sind drei Operationsmikroskope im dauerhaften Einsatz. De facto wird nahezu jeder neurochirurgische Eingriff mikrochirurgisch durchgeführt. Das neu angeschaffte „Pentero 900“ ist dabei die neueste Generation der Operationsmikroskope von Zeiss. Dieses Mikroskop ist mit hochkomplexen Anwendungsmöglichkeiten ausgestattet und auf die hohen Anforderungen in der Neurochirurgie abgestimmt. So erlaubt das Fluoreszenzmodul „BLUE 400“ eine farbliche Abhebung des Tumorgewebes bereits während der Operation. Der Chirurg kann damit insbesondere am Rand des Tumors krankes Gewebe von gesundem Gewebe besser unterscheiden und folglich genauer entfernen (Bild 2). Ein weiteres sehr hilfreiches Fluoreszenzmodul ist das „Infrared 800“, welches die Gefäßdurchgängigkeit während der Operation an Hirngefäßen, zum Beispiel bei Gefäßmissbildungen, sichtbar machen kann (Bild 3). Damit kann man bereits im Verlauf der Operation die Ausschaltung der Gefäßmissbildung und die Durchgängigkeit der gesunden Gefäße beurteilen, was eine sinnvolle Ergänzung zur intraoperativen Doppler-Sonographie der Gefäße mittels Mikrodoppler darstellt.

Generationswechsel in der Neuronavigation

Einen echten Generationenwechsel hat es auf dem Gebiet der sogenannten Neuronavigation gegeben. Modernste Neuronavigation macht Operationen im Schädel für Patienten noch schonender und sicherer. Diese Technik hatte Ende der 90iger Jahre Einzug in die Kliniken gehalten. Auch das bisherige Seesener Gerät hatte über 10 Jahre sehr gute Dienste geleistet. Nun konnte eine Anpassung auf den aktuellen Stand erfolgen. Bei der Neuronavigation stellen die im Vorfeld einer Operation angefertigten Kernspin- oder CT-Bilder quasi ein Koordinatensystem dar. Das zweite Koordinatensystem wird durch die eigentliche Patientenanatomie im realen Raum, also im OP-Saal, gebildet. Beide Koordinatensysteme müssen anschließend zusammen geführt und miteinander abgeglichen werden. Dies geschieht kabellos durch optische Systeme, welche Infrarot-Licht abgeben. Das Infrarot-Licht wird von Instrumenten, die mit Reflektoren versehen sind, wieder zurückgesandt und dann von Spezial-Kameras aufgefangen. Über eine optische Abstandswinkelmessung, der sogenannten Triangulation, erfolgt die genaue Positionsberechnung. Dies ist durchaus analog zur mittlerweile alltäglichen GPS-Technik der Satellitenortung, welche allerdings mit Radiosignalen arbeitet. Durch moderne Neuronavigation ist eine Orientierung im Raum möglich, die in der Neurochirurgie sogar den Millimeterbereich erfasst.

Hilfreich eingesetzt wird die Neuronavigation bei Eingriffen an kleinen oder tief gelegenen Tumoren und Gefäßmissbildungen sowie in der Umgebung besonders empfindlicher Areale. Mit dem neuen Gerät ist es möglich, die Bilddaten mit der Patientenanatomie über die jeweils individuelle Gesichtskontur einzueichen. Dies geschieht mit einem Oberflächenscanner direkt vor Beginn einer Operation. Das Verfahren erinnert an Gesichtsscanner aus einschlägigen Science Fiction Filmen. Für die Patienten bringt das Verfahren jedoch konkrete Erleichterungen: Doppeluntersuchungen in der Kernspintomographie bleiben erspart und auch die speziellen Bilder mit aufgeklebten Markierungspunkten auf der Haut sind nicht mehr nötig.

Verbesserung auch beim Ultraschall

Eine erhebliche Verbesserung ist die Anschaffung des neuen Ultraschallgerätes für die Anwendung innerhalb der Operation. Hier hat sich in den zurückliegenden Jahren technologisch eine Menge getan. Das neue Gerät weist sich unter anderem durch eine exaktere Detailerfassung in hochauflösender Darstellung aus. Dieser Quantensprung ist in etwa vergleichbar mit der Entwicklung auf dem Gebiet der Fernsehgeräte, hier zeigen neuere LED Bildschirme im HD Modus auch eine andere Bildqualität als alte Röhren - „Flimmerkisten“. In der zeitgemäßen Ultraschallanwendung können bildgeführte operative Eingriffe im Gehirnbereich durch eine verbesserte Lokalisation der Zielregion, beispielsweise auch bei kleinsten Biopsieuzugängen, unterstützt werden. In der Tumorchirurgie ist eine Kontrolle des Resektionsausmaßes möglich. Letztendlich ist für die Zeitdauer der Anwendung eine Kontrolle möglicher Komplikationen, wie zum Beispiel einer versteckten Blutung, möglich. In Kombination mit der bereits genannten Neuronavigation können Hinweise auf mögliche Gewebsverschiebungen oder – verlagerungen während der Operationen gewonnen werden. Beide Gerätschaften sind miteinander kompatibel und ermöglichen eine Echtzeit-Navigation. Durch diese Technologien werden zusätzliche Informationen vor und während operativer Eingriffe gewonnen, welche die Erfolgschancen sowie die Sicherheit weiter erhöhen.

„Bei der fortschreitenden Technologiesierung bleibt das Wohlergehen des Patienten immer im Focus. Dank technischem Fortschritt werden Eingriffe möglich, die früher in der Neurochirurgie noch undenkbar waren.“ erklären die Oberärzte Dr. med. Alberti und Dr. med. Jalil gegenüber dem "Beobachter".