Auch Angehörige werden in Mitleidenschaft gezogen

60 Jahre Al-Anon Familiengruppen – 60 Jahre erfolgreiche Hilfe zur Selbsthilfe

Zita B. ist verzweifelt. Schon wieder hat sie beim Aufräumen im Keller hinterm Schrank Flaschen gefunden. Dabei hatte ihr Mann ihr zum wiederholten Mal versprochen, mit dem Alkohol aufzuhören. Seit dem Wochenende trinkt ihr Mann wieder, ist kaum mehr ansprechbar für sie und ihre Familie.
Sie fühlt sich total erschöpft und am Ende ihrer Kräfte. Was soll sie nur tun, damit ihr Mann endlich aufhört zu trinken? Im Nebenzimmer sitzt die achtjährige Tochter Lara. Auch sie ist verzweifelt. Die Mutter ist nicht mehr ansprechbar, der Vater manchmal so gleichgültig und komisch. Sie versucht, so viel wie möglich zu helfen, aber keiner merkt das. Oft gibt es Streit. Da macht sie sich am liebsten unsichtbar …
So oder ähnlich sehen die Geschichten von Menschen aus, die Hilfe bei den Al-Anon Familiengruppen und Alateen suchen. Die Angehörigen werden vom Verhalten des alkoholkranken Menschen oft derart in Mitgliedenschaft gezogen, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse völlig zurückstellen und sich alles in ihrem Leben nur noch um Alkohol beziehungsweise den Alkoholabhängigen dreht. Seit 60 Jahren können Angehörige Hilfe bei den Al-Anon Familiengruppen finden.
Vor 60 Jahren stellten die Ehefrauen der Gründungsmitglieder der Anonymen Alkoholiker erstaunt fest, dass sie, genau wie ihre Männer, Hilfe brauchten. Und sie stellten fest, dass es ihnen gut tat, über ihre Erfahrungen und ihren Umgang mit ihrem trinkenden Angehörigen zu reden. So gründeten sie eine eigene Gemeinschaft, die Al-Anon Familiengruppen. Ihre Erfahrung hatte gezeigt, dass eine Zusammenarbeit mit den AA nützlich ist, aber beide Gemeinschaften mehr für ihre Mitglieder erreichen, wenn sie organisatorisch getrennt bleiben.
Der Name Al-Anon leitet sich, wie der Name der Anonymen Alkoholiker, von „Alcoholics Anonymous“ ab.
Die Al-Anon Familiengruppen blicken dieses Jahr auf 60 Jahre erfolgreiche Selbsthilfe zurück, und das weltweit in über 100 Ländern. In Deutschland treffen sich in den meist wöchentlichen Meetings regelmäßig Angehörige in circa 800 Gruppen.
Der Erfahrungsaustausch der Gruppenmitglieder untereinander ermöglicht ihnen, ihre Probleme anders wahrzunehmen, Angst und Schuldgefühle abzubauen und dadurch neue Kraft und Hoffnung zu gewinnen. Oft verändert und verbessert sich schon allein dadurch die familiäre Situation.
Die Anonymität ist ein wichtiges Grundprinzip der Gemeinschaft. Sie schafft für den Einzelnen eine Umgebung von Vertraulichkeit und Verschwiegenheit. Die Mitglieder kennen sich nur mit Vornamen. Beruf und gesellschaftliche Position sind nicht bekannt und spielen keine Rolle.
Alkoholismus ist eine Familienkrankheit; sie wirkt sich jedoch unterschiedlich auf die Familienmitglieder aus. Deshalb gibt es bei Al-Anon zusätzlich Gruppen für Kinder und Jugendliche, die Alateens. Und in den Gruppen für Al-Anon Erwachsene Kinder finden Menschen Hilfe, die als Erwachsene an Problemen leiden, die durch ihre Kindheitserfahrung in alkoholgeschädigten Familien entstanden sind.
Eine Al-Anon-Gruppe in der Nähe findet man am besten über das Internet: www.al-anon.de, www.alateen.de. Hier findet man auch weitergehende Informationen über Al-Anon.
Die Al-Anon Familiengruppen sind eine weltweite anonyme Selbsthilfegruppe für Angehörige und Menschen, die einem Alkoholiker nahestehen. Alateen hilft Kindern in Schulalter. Al-Anon Erwachsene Kinder wendet sich an Erwachsene, die in einer alkoholkranken Familie aufgewachsen sind. Al-Anon arbeitet wie die Anonymen Alkoholiker mit dem Zwölf-Schritte-Programm. Die Gruppen sind unabhängig. Al-Anon finanziert sich durch die freiwilligen Spenden seiner Mitglieder.
Zentrales Dienstbüro der Al-Anon Familiengruppen: Emilienstraße 4, D-45128 Essen, Telefon (0201) 773007, Fax (0201) 773008, E-Mail: zdb@al-anon.de.
In Seesen trifft sich Al-Anon jeden Montag von 19 bis 21 Uhr im ZEF, Jacobsonstraße 34, Telefon (05381) 1386.